Ärztliche Versorgung: Endlich weg vom Fax-Standard

Seit zehn Jahren gibt es die Hausarzzentrierte Versorgung in Baden-Württemberg

Datum: 23.10.2018

Auf mittlerweile zehn erfolgreiche Jahre Hausärztliche Zentralversorgung blicken Baden-Württembergs Hausärzte und die größte gesetzliche Krankenkversicherung des Landes im Jahre 2018 zurück. Wissenschaftliche Untersuchungen der Universitäten Frankfurt/Main und Heidelberg belegen: HZV-Teilnehmer werden besser versorgt, und erstmals sind auch Hinweise auf Überlebensvorteile erkennbar. Von der intensiveren Betreuung profitieren vor allem chronisch Kranke, die mit 60 Prozent das Gros der 1,6 Millionen freiwilligen HZV-Teilnehmer stellen.

Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender MEDI Baden-Württemberg beobachtet vielerorts noch immer den "Fax-Standard" und plädiert dafür, davon endlich loszukommen: "Wenn man die sprechende Medizin will, dann muss man sie auch bezahlen." So äußert sich der MEDI-Chef in einem Video, das die drei Partner zum zehnjährigen Jubiläum der HZV veröffentlicht haben.

 

Den Hauptgrund dafür, dass sich die Politik trotz aller positiver Forschungsergebnisse bis heute in der Umsteuerung in Richtung mehr Versorgungswettbewerb überhaupt nicht bewegt hat, sieht der Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann, in Kurzatmigkeit und fehlendem Mut der politischen Verantwortlichen: „Die Politik hat sich seit Jahren fest in immer mehr Klein-Klein eingerichtet und greift mit Gesetzen und Vorgaben wie jetzt wieder mit dem TSVG noch tiefer in die Regulierungskiste. Das ist nicht unsere Welt. Wir haben längst den schnellen, unkomplizierten Arztzugang, die intensivere Betreuung, bessere Vergütung und die klare Aufwertung der sprechenden Medizin am Netz.“

Für Dr. Berthold Dietsche, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg, liegt der Erfolg der letzten zehn Jahre vor allem darin, dass „die HZV nachhaltig die richtigen Antworten auf Kernprobleme der ärztlichen Selbstverwaltung gibt“. Dazu zähle vor allem eine leistungsgerechte Honorierung ohne Budgetierung, eine einfache Abrechnung für die nur noch zwei Stunden, statt zwei Tage benötigt werde und ein verbindliches Einschreibesystem. Dieses sei die Voraussetzung für eine wirksame Versorgungssteuerung. Pro Jahr 2,1 Millionen mehr Hausarztkontakte und 1,2 Millionen weniger unkoordinierte Facharztkontakte in der HZV im Vergleich zur Regelversorgung zeigten, dass die Koordination funktioniert.