Arzneiverordnungs-Report 2017

Politik gefordert: Deutschland ist Höchstpreisland für patentgeschützte Arzneimittel

Datum: 04.10.2017

Der heute in Berlin vorgestellte Arzneiverordnungs-Report 2017 belegt erneut einen Spitzenplatz Deutschlands bei den Ausgaben für patentgeschützte Arzneimittel und zeigt den Handlungsbedarf für die kommende Bundesregierung auf. Laut Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) besteht im europäischen Preisvergleich im deutschen Patentarzneimittelmarkt ein Einsparpotential von mindestens 1,5 Milliarden Euro.

Wie kommen die hohen Ausgaben zustande?

Die hohen Ausgaben sind nicht auf ein steigendes Verordnungsvolumen zurück zu führen, denn die Anzahl der Arzneimittelverordnungen stieg in den letzten Jahren nur geringfügig.
Der durchschnittliche Wert einer Arzneimittelverordnung ist hingegen in den vergangenen 20 Jahren von 20,91 Euro auf 54,43 Euro angestiegen.

Inwieweit geht der Trend auf Marktneueinführungen zurück?

Dieser Trend wird vor allem durch Marktneueinführungen getrieben. Arzneimittelhersteller dürfen in Deutschland im ersten Jahr nach Markteinführung die Preise frei bestimmen. Erst danach erfolgt eine Preisanpassung für die neuen Produkte, die abhängig vom Zusatznutzen zur bisherigen Vergleichstherapie ist. Somit rufen die Hersteller in den ersten zwölf Monaten immer höhere Summen auf: Der Bruttoumsatz je Verordnung des teuersten Arzneimittels lag im Jahr 2016 bei 63.956 Euro, aktuell sind es bereits fast 110.000 Euro.
Die Preise korrespondieren dabei leider nur selten mit dem tatsächlichen Fortschritt des medizinischen Nutzens.

Was kann die Politik tun?

Die gesundheitspolitische Maßnahmen in der vergangenen Legislaturperiode konnten der Preisentwicklung nicht entgegenwirken. Alleine in den vergangenen drei Jahren wuchsen die Arzneimittelausgaben um 6,3 Milliarden Euro. Mit dem im Mai diesen Jahres in Kraft getreten Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz (AMVSG) wurde erneut eine Chance verpasst.
Die AOK Baden-Württemberg spricht sich dafür aus, dass im Zuge der frühen Nutzenbewertung ausgehandelte Erstattungsbeträge rückwirkend ab dem ersten Tag der Zulassung gelten sollen. Die Versichertengemeinschaft sollte nur dann höhere Preise zahlen müssen, wenn diese mit einem entsprechenden Zusatznutzen gerechtfertigt werden. Für die kommende Bundesregierung besteht hier dringender Handlungsbedarf.