Behandlungsfehler

Die Fehlerkultur muss sich weiter verbessern

15.094 fachärztliche Gutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern haben die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) 2016 erstellt. Das geht aus der Begutachtungsstatistik hervor, die gestern in Berlin vorgestellt wurde. In knapp jedem vierten Fall (3.564) bestätigten die Fachärzte des MDK den Verdacht der Patienten. Für Baden-Württemberg ergibt sich im Vergleich zu den bundesweiten Zahlen ein ähnliches Bild. Jeder fünfte bei der AOK Baden-Württemberg gemeldete Fall bestätigt sich als Behandlungsfehler.

„Die Fehlerkultur, also der Umgang mit Fehlern, muss sich in Deutschland weiter verbessern“, sagt Dr. Waltraud Zopf, Ärztin der AOK Baden-Württemberg. Schon seit langem können Versicherte der AOK Baden-Württemberg Fehler melden. Doch die wenigsten Patienten können einschätzen, ob ein Behandlungsfehler vorliegt. „Wir brauchen einen offenen und systematisch strukturierten Umgang mit Fehlern. Daran müssen wir gemeinsam arbeiten“, ergänzt Dr. Waltraud Zopf.

Die AOK Baden-Württemberg unterstützt seit über 15 Jahren ihre Versicherten bei Behandlungsfehlern, indem sie auf Wunsch und mit deren Einverständnis die zur Aufklärung eines möglichen Behandlungsfehlers erforderlichen Unterlagen bei den Leistungserbringern einholt. Erhärtet sich der Verdacht auf einen Behandlungsfehler, wird ein neutrales fachärztliches Gutachten in Auftrag gegeben. Allein in mehr als 7.700 Fällen hat die AOK Baden-Württemberg seitdem externe fachärztliche Gutachten in Auftrag gegeben.

Ein Behandlungsfehler liegt vor, wenn eine medizinische Maßnahme im Zeitpunkt der Durchführung nicht dem wissenschaftlichen Standard entspricht. „Der Arzt schuldet eine fachgerechte Behandlung, nicht jedoch den Erfolg“, so Christine Schneider, Referatsleiterin Patientenrechte bei der AOK Baden-Württemberg. „Daher liegt nicht immer ein Behandlungsfehler vor, wenn das gewünschte Behandlungsergebnis nicht erreicht wurde. Es besteht ein Anspruch auf Schadensersatz, wenn durch den Behandlungsfehler ein gesundheitlicher Schaden verursacht wurde“, so die Volljuristin weiter. Grundsätzlich müsse der Patient beweisen, dass ein Behandlungsfehler vorliege, der Schaden entstanden und der Fehler ursächlich (also kausal) für den Schaden sei.

Statistik:
 
Prozentualer Anteil der in 2016 erstellten Fachgutachten (5 häufigste Fachgebiete):
 
23%: Orthopädie/Unfallchirurgie
18%: Allgemeine Chirurgie (inkl. Hand-/ Gefäßchirurgie)
13%: Zahnheilkunde (inkl. MKG-Chirurgie/ KFO)
12%: Innere Medizin
7%: Frauenheilkunde/Geburtshilfe
 
In der Statistik betrafen zwei Drittel (62 %) der Vorwürfe Behandlungen in der stationären Versorgung, ein Drittel (35 %) bezog sich auf Behandlungen durch einen niedergelassenen Arzt oder eine niedergelassene Ärztin.
 
Gutachtenergebnis insgesamt:
 
21%: Behandlungsfehler bestätigt
79%: Behandlungsfehler nicht bestätigt