Borreliose-Infektionen

AOK Baden-Württemberg fordert Ausweitung der Borreliose-Meldepflicht

Die Hitze hat Baden-Württemberg seit mehreren Tagen fest im Griff. Bei Temperaturen über 30 Grad schwitzen die Menschen im Südwesten. Wer zur Abkühlung einen Spaziergang im kühleren Wald oder eine Pause unter einem schattenspendenden Baum machen möchte, muss vorsichtig sein. Denn Plagegeister wie Stechmücken oder Zecken macht das heiße Wetter nichts aus. Gerade jetzt sind die Krankheitsüberträger besonders aktiv. Zecken lauern bei heißen Tagen in Büschen und schattigen Wäldern, weil es dort feucht und kühl ist.

Borreliose ist die häufigste von Zecken übertragene Infektionskrankheit in Europa. Nach Schätzungen erkrankt in Deutschland einer von 100 Menschen, der von einer Zecke gestochen wurde. In Baden-Württemberg erkrankten 2015 rund 13.400 AOK-Versicherte. Nach einem Stich durch eine infizierte Zecke können in Deutschland bei etwa 4 von 100 Betroffenen Krankheitserreger nachgewiesen werden. Bei etwa jedem zweiten Erkrankten tritt zehn bis 30 Tage nach der Infektion die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans) auf – eine ringförmige Rötung mit einem Durchmesser von mehr als 5 Zentimeter um die Stichstelle. "Im Frühstadium der Erkrankung fühlt sich der Patient in der Regel wohl. Es kann in manchen Fällen zu Abgeschlagenheit, Müdigkeit oder auch zu leicht erhöhter Körpertemperatur kommen", sagt Privatdozentin Dr. Sabine Knapstein, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg.

Eine Borreliose wird mit Antibiotika behandelt und heilt dann meist folgenlos aus. Unbehandelt kommt es bei etwa jedem zweiten Patienten Wochen, Monate oder sogar Jahre nach der Erstinfektion zu Spätfolgen, wenn die Bakterien Gelenke oder Organe angreifen. Die Erkrankung ist nicht ansteckend. Borrelien kommen in ganz Deutschland vor, aber die Zahl der infizierten Zecken schwankt stark von Region zu Region.

„Es fehlt an flächendeckenden Untersuchungen, um gesicherte Aussagen zur Verbreitung des Erregers machen zu können. Neun Bundesländer – darunter Bayern, Rheinland-Pfalz und das Saarland – haben bereits eine Meldepflicht für Borreliose in ihrem Geltungsbereich eingeführt. Eine Ausweitung auf Bundesebene erscheint da konsequent“, sagt Dr. Sabine Knapstein. Auf europäischer Ebene haben sich Wissenschaftler aus 14 Staaten zusammengeschlossen, um Gebiete mit hohem Infektionsrisiko zu identifizieren und die Machbarkeit ökologischer Interventionen zu prüfen. Sie bemängeln, dass nur wenige Staaten bislang eine Meldepflicht für Borreliose eingeführt haben, weshalb zur Epidemiologie in Europa valide Aussagen nur schwer möglich sind.

Auch Sozialminister Manne Lucha (Grüne) spricht sich für eine bundesweite Meldepflicht von Borreliose-Infektionen aus. „Eine Meldepflicht für Borreliose ergibt einen Sinn, weil wir epidemiologische Erkenntnisse gewinnen können, wenn wir nach bundeseinheitlichen Kriterien wissen, wie wir damit umgehen können“, sagte Lucha.