Holtman-Interview

Matthias Holtmann: „Hatte panische Angst“

Radiolegende Matthias Holtmann ist an Parkinson erkrankt. Im Interview spricht der Macher von SWR1 Pop & Poesie über seine ganz persönlichen Erfahrungen.

Herr Holtmann, vor 11 Jahren erhielten Sie die Diagnose Parkinson. Symptome stellten Sie an sich schon viel früher fest. Wie war es für Sie, die ersten Anzeichen einer so tief in das Leben eines Menschen eingreifenden Krankheit zu spüren?
Matthias Holtmann: "Es war paradox und schizophren. Einerseits hatte ich panische Angst vor dem Fortschreiten der Symptome. Andererseits vermied ich mit Fleiß einen Besuch bei den einzigen, die mir hätten helfen können: beim Hausarzt und beim Facharzt für Neurologie."

Wie verändert sich das Leben mit Parkinson?
Matthias Holtmann: "Ich spürte sehr bald, dass Parkinson im Bewusstsein und in der Wahrnehmung durch die Gesellschaft negativ besetzt ist. Das Kognitive, das Denken, das Gedächtnis sind nicht betroffen. Trotzdem schauen einen die Leute an, als ob man bekloppt wäre."

Wie reagiert man auf so etwas?
Matthias Holtmann: "Ich beschloss sehr bald, mich nicht zu verstecken und mir nicht die Lebensfreude verderben zu lassen. Was man auf jeden Fall nie machen sollte: sich in der Bude verstecken oder sich schon am Morgen eine Grütze aus Selbstmitleid aufkochen."

Und was haben Sie an Ihrem Leben verändert seit der Diagnose?
Matthias Holtmann: "Wichtig für den weiteren Verlauf der Krankheit, das wusste ich aus den Gesprächen mit meinem behandelnden Arzt Dr. Schreiber, ist die regelmäßige und sorgfältige Einnahme der verschiedenen Medikamente. Und sportliche Bewegung – so viel und so vielseitig wie möglich. Ich wechselte also zwischen Fitnessstudio, leichten Dauerläufen, Nordic Walking, Schwimmen, Boxtraining am Sandsack und Radfahren ab. Auch Koordinationsübungen für die Feinmotorik brachte ich in meinen Alltag unter."