Tinnitus: Wenn die Geräusche im Ohr kein Ende finden (Landkreis Ludwigsburg)

Allein im Landkreis Ludwigsburg leiden rund 4.800 AOK-Versicherte unter ständigen Störsignalen.

Datum: 21.10.2021 / Kategorie: Gesundheitstipps

Ludwigsburg

Pfeifen, Zischen, Zirpen in hohen Frequenzen – manche Menschen hören diese Geräusche dauernd. Ein Tinnitus kann aber auch als Rauschen, Summen oder Brummen wahrgenommen werden. Im Landkreis Ludwigsburg waren im letzten Jahr rund 4.820 AOK-Versicherte wegen dieser Diagnose in ärztlicher Behandlung – rund 2,6 Prozent aller Versicherten. Der Landesschnitt lag bei 2,3 Prozent. Da der Leidensdruck individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen wird, ist mit einer größeren Dunkelziffer unbehandelter Fälle zu rechnen. Frauen und Männer sind etwa gleich oft betroffen. Mit zunehmendem Alter tritt die Krankheit immer häufiger auf.

 

Die möglichen Ursachen sind vielfältig: So können unter anderem emotionale Belastungen, Stress, Angst, Traumata, Medikamente, Lärm und Knalltraumata, Ohrschmalz oder auch Funktionsstörungen von Zähnen und Kiefer sowie der Halswirbelsäule Auslöser sein. Die Ohrgeräusche kommen durch eine fehlerhafte Informationsbildung beziehungsweise -verarbeitung im Hörsystem zustande.

 

Dauern die Störsignale länger als drei Monate an, spricht man von einem chronischen Tinnitus. „Der Verlauf lässt sich nicht genau vorhersagen. Für einige Menschen bleibt der Tinnitus ein lebenslanger Begleiter“, so Dr. Hans-Peter Zipp, Arzt bei der AOK Baden-Württemberg.  Auf emotionaler Ebene könne Tinnitus zu Konzentrationsstörungen, negativen Gedanken, Hilflosigkeit, Resignation und Zukunftsangst führen. Bei anhaltendem Tinnitus rät der Mediziner zu raschem Handeln.

 

Der Leidensdruck ist bei Tinnitus unterschiedlich. Manche stört er überhaupt nicht oder kaum, anderen bereitet er erheblichen Stress und deutlich eingeschränkte Lebensqualität. Die Beschwerden werden oft begleitet von Verspannungen im Hals- und Nackenbereich sowie der Kiefermuskulatur, nächtlichem Zähneknirschen, Ohren- und Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindel sowie Ein- und Durchschlafstörungen. „In ausgeprägten Fällen kann Tinnitus zu Angstzuständen oder Depressionen, zu sozialer Isolation und Berufsunfähigkeit führen“, erläutert Dr. Zipp.

 

Betroffene sind einem Tinnitus nicht hilflos ausgeliefert, sondern können Strategien entwickeln, um mit den Ohrgeräuschen besser zurechtzukommen. „Dazu zählen Stille meiden, möglichst gelassen bleiben und Stress abbauen“, so Dr. Zipp. Die Behandlung ist nicht kurativ, sondern zielt auf eine Verbesserung der Lebensqualität und erfordert eine individuelle, flexible Vorgehensweise. „Hierbei kommen beispielweise eine Kombination aus Verhaltenstherapie und Hörtrainingseinheiten zur Abgewöhnung des in sich Hineinhörens in Betracht“, sagt der AOK-Arzt. Eine symptombezogene Arzneimitteltherapie sei nicht verfügbar.

 

Um das Risiko zu verringern, einen Tinnitus zu bekommen oder bei bereits bestehenden Beschwerden einen chronischen Verlauf zu erleben, sollte zu viel Lärm vermieden werden. Dr. Zipp: „Für alle Menschen ist der Schutz vor zu lauten Geräuschen wichtig. Einfache Mittel sind, Orte mit hohem Lärmpegel zu meiden oder Gehörschutzstöpsel zu verwenden.“

 

Nina Lägel

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