Mehr Komplikationen in der Schwangerschaft (Rems-Murr-Kreis)

Schwangere im Kreis leiden häufiger unter Diabetes und Präeklampsie.

In der Schwangerschaft treten immer häufiger Komplikationen auf.

Datum: 05.05.2022 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Waiblingen

Im Rems-Murr-Kreis befanden sich im Jahr 2020 524 bei der AOK versicherte Schwangere  wegen Diabetes oder Präeklampsie (auch bekannt als Schwangerschaftsvergiftung) in ambulanter oder stationärer Behandlung. Die Zahlen steigen seit Jahren: Zwischen 2016 und 2020 nahm der Anteil der Betroffenen im Kreis im Durchschnitt um 3,2 Prozent pro Jahr zu.

 

Bei einer Präeklampsie bestehen nach der 20. Schwangerschaftswoche Bluthochdruck und eine erhöhte Eiweißausscheidung im Urin. „Eine Präeklampsie entwickelt sich bei circa zehn Prozent der Schwangerschaften“, sagt PD Dr. Gudula Kirtschig, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg. Sie entsteht wahrscheinlich durch eine verminderte Durchblutung der Plazenta und damit verbundenen Entzündungsreaktionen. Die Gefahren für die werdende Mutter sind unter anderem kardiovaskuläre Erkrankungen wie zum Beispiel Thrombosen, Hirnödem oder auch Schädigungen der Nieren. Im Endstadium, der sogenannten Eklampsie, treten Krampfanfälle auf. Neben Blutungen und Infektionen ist die Eklampsie die häufigste Ursache der Schwangerensterblichkeit. Für das Ungeborene drohen Wachstumsstörungen und im schlimmsten Fall kommt es zur Totgeburt.

 

Die Behandlung der Präeklampsie besteht aus Ruhe und körperlicher Schonung, manchmal auch Bettruhe. Die Schwangere erhält außerdem eine eiweißreiche Wunschkost und sollte ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Ein hoher Blutdruck wird medikamentös behandelt. „Die derzeit einzige effektive Prävention der Präeklampsie bei Frauen mit Risikofaktoren besteht in einer ab der Frühschwangerschaft (bis spätestens 16. Schwangerschaftswoche) beginnenden oralen Einnahme von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure“, sagt Dr. Kirtschig.

 

Risikofaktoren, die eine Präeklampsie begünstigen, sind Übergewicht, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, hoher Blutdruck bereits vor der Schwangerschaft und das Auftreten bei anderen Familienmitgliedern. Die Gründe für das häufigere Vorkommen der Präeklampsie in den letzten Jahren sind nicht genau bekannt. „Eventuell liegt es am ungesünderen Lebensstil mit ansteigenden Zahlen an Bluthochdruck und Diabetes“, so Dr. Kirtschig.

 

Die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes wird gestellt, wenn der Blutzuckerspiegel während der Schwangerschaft zu hoch ist. „Man nimmt an, dass der Stoffwechsel entgleist, weil der Hormonhaushalt umgebaut wird“, so Dr. Kirtschig. „Die grundlegenden Ursachen für Schwangerschaftsdiabetes sind die Veranlagung zu Übergewicht, Bewegungsarmut und ungesunder Ernährung“, so die Expertin weiter. Viele haben dadurch auch ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Typ-2-Diabetes.

 

Diabetes mellitus in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für überdurchschnittlich große Kinder, Präeklampsie, Kaiserschnittgeburt, Totgeburt und – falls ein bereits existierender Diabetes oder ein Gestationsdiabetes während der Organentwicklung des Kindes schlecht eingestellt ist – für schwere angeborene Fehlbildungen und Spontanabort.

 

Nina Lägel

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