Wenn der Magen rebelliert und Schmerzen verursacht (Rems-Murr-Kreis)

7,2 Prozent der AOK-Versicherten im Rems-Murr-Kreis waren 2020 wegen der Refluxkrankheit oder eines Magengeschwürs in Behandlung

Datum: 18.05.2022 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Waiblingen

Laut einer Auswertung der AOK Ludwigsburg-Rems-Murr zu den Daten ihrer Versicherten wurden im Jahr 2020 rund 11.850 AOK-Versicherte aus dem Rems-Murr-Kreis wegen einer Refluxkrankheit oder eines Magengeschwürs ärztlich behandelt. Das waren 7,2 Prozent der Versicherten im Landkreis.

 

Viele Menschen hatten schon einmal Sodbrennen. Treten die Symptome jedoch häufig auf, kann eine Refluxkrankheit dahinterstecken. Dabei funktioniert der Mechanismus nicht mehr richtig, der die Engstelle der Speiseröhre unmittelbar vor der Magenöffnung verschließt. Neben Aufstoßen, Sodbrennen und Problemen beim Schlucken sind Beschwerden wie ein Brennen im Rachen und der Speiseröhre, schlechter Geschmack im Mund – eventuell auch verbunden mit einem Zurückfließen des Speisebreies, Völlegefühl sowie Übelkeit und Brechreiz möglich. „Eine unbehandelte Refluxkrankheit kann zu ernsthaften bis lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Über eine Speiseröhrenentzündung können Geschwüre und selten eine hochgradige Einengung ausgelöst werden“, so AOK-Arzt Dr. med. MBA Hans-Peter Zipp.

 

Die Ursache bleibt oft unklar. Zu den Reflux fördernden Faktoren gehören Alkohol, Nikotin, eine zu fett- und kalorienreiche Ernährung, stark gewürzte Speisen, reichliches Essen vor dem Schlafengehen, Übergewicht und Schwangerschaft“, erläutert Dr. Zipp. Auch Stress, bestimmte Medikamente, körperliche Anstrengung und Tragen von beengender Kleidung können die Beschwerden auslösen oder verstärken.

 

Ob und wie Verhaltensänderungen gegen Sodbrennen und saures Aufstoßen helfen können, ist nicht gut untersucht. Menschen mit entsprechenden Beschwerden kann es helfen, nicht mehr zu rauchen oder den Alkoholkonsum zu reduzieren. Individuell unverträgliche Speisen und Getränke sollten gemieden werden. Personen mit nächtlichen Beschwerden wird empfohlen, Mahlzeiten am späten Abend oder sofortiges Hinlegen nach dem Essen zu meiden. Für eine Linderung der Beschwerden ist zudem eine Gewichtsnormalisierung ratsam. Wenn eine Verhaltensänderung nicht den gewünschten Erfolg bringt, ist die Einnahme von Medikamenten erforderlich. Sollte auch dieses Vorgehen keine hinreichende Besserung bringen, ist für bestimmte Patienten mit gesicherter Refluxkrankheit eine Operation eine Option.

 

Wenn der Magen über lange Zeit zu viel Säure produziert, kann sich ein Magengeschwür entwickeln. „Ungünstige Ernährungs- und Lebensgewohnheiten wie Rauchen, Alkohol- und Kaffeegenuss steigern die Magensäureproduktion und erhöhen das Risiko für ein Magengeschwür. Auch bestimmte Lebensmittel wie scharfe Speisen können die Magenschleimhaut reizen. Hierbei ist es individuell sehr unterschiedlich, was vertragen wird. Bei der Geschwürbildung spielen zudem genetische Faktoren eine Rolle“, erläutert Dr. Zipp.

 

Auch das Bakterium Helicobacter pylori kann für Magengeschwüre verantwortlich sein. Der Magenkeim verursacht meist erst in Kombination mit anderen Risikofaktoren, wie etwa der Einnahme bestimmter Medikamente und ungünstigen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, die Geschwürbildung. Eine wesentliche Ursache für ein Magengeschwür ist zudem die längerfristige Einnahme entzündungshemmenden Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen und Diclofenac. Bei längerer Einnahme von Schmerzmitteln ist es daher ratsam, in Rücksprache mit dem Arzt zu klären, ob zusätzlich säurehemmende Medikamente sinnvoll sind.

 

Um einem Magengeschwür vorzubeugen, empfiehlt Dr. Zipp, auf die Ernährung zu achten und sehr heiße oder scharfe Speisen sowie Kaffee und Alkohol zu meiden. Wichtig seien zudem regelmäßige Entspannungsphasen im Alltag, etwa in Form von Spaziergängen, Meditation oder Yoga.

 

Nina Lägel

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