ADHS oder nicht? Im Zweifel hilft der Spezialist

AOK Baden-Württemberg: Zahl der Kinder mit ADHS-Diagnose sinkt deutlich

Datum: 03.06.2015 / Kategorie: Kindergesundheit

Stuttgart

Wildes, aufgewecktes Kind oder ADHS? Jedes Kind hat Phasen, in denen es sich leicht ablenken lässt oder unruhig ist. Der Übergang zwischen normalem Verhalten und Verhaltensauffälligkeiten ist oft fließend. Für eine effektive Behandlung ist eine rechtzeitige Diagnosestellung besonders wichtig. Laut einer aktuellen Auswertung der größten Krankenkasse Baden-Württembergs ist die Zahl der Kinder mit ADHS-Diagnose deutlich zurückgegangen. Im Jahr 2011 wurde bei 16.160 Kindern unter 12 Jahren ADHS diagnostiziert – 2013 waren es 15.799 (- 2,2 Prozent). Rund drei Viertel der betroffenen Versicherten waren Jungen.

„Die Symptome von ADHS können unterschiedlich ausgeprägt sein, daher ist eine genaue Diagnosestellung besonders wichtig“, sagt PD Dr. Sabine Knapstein, Ärztin und Psychotherapeutin bei der AOK Baden-Württemberg. „Gerade bei Jungen gilt es, einen ausgiebigen Bewegungsdrang und ‘normale’ Stressreaktionen von einer tatsächlichen Störung zu unterscheiden. Dafür ist eine ganzheitliche Unterstützung der Familie und des Kindes nötig, auch um Konzentrationsstörungen ohne Hyperaktivität zu erkennen.“

Um eine eindeutige Diagnose sicherzustellen, ist die interdisziplinäre Einbeziehung eines Kinder- und Jugendpsychiaters oder -therapeuten sinnvoll. „Wir setzen standardisierte Fragebögen und psychometrische Testverfahren ein, um uns ein Bild vom Entwicklungsstand und der Ausprägung der Symptomatik des Kindes zu machen“, sagt die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Michaela Willhauck-Fojkar. Hinzu kämen eine sorgfältige Verhaltensbeobachtung und eine ausführliche Anamnese. Bereits bei Vierjährigen lasse sich gegebenenfalls eine Diagnose treffen; spätestens im Alter von fünf bis sechs Jahren würden die Auffälligkeiten oft unübersehbar. Ist ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung)eindeutig diagnostiziert, beginnt die Behandlung. „Dabei betrachten wir das gesamte Umfeld des Kindes, beziehen Eltern, Erzieher und Lehrer ein“, betont die Expertin. Dem kleinen Patienten werde dabei geholfen, den Alltag besser zu organisieren, Stress gezielt abzubauen sowie Stimmungen und impulsives Handeln unter Kontrolle zu bringen.

Grundsätzlich steht die multidisziplinäre Therapie an erster Stelle. Den größten Erfolg versprechen dabei in der Regel Maßnahmen, die Hilfestellung sowohl für das Kind als auch die Angehörigen bieten und das Ziel verfolgen, positive Rahmenbedingungen für die kindliche Entwicklung zu schaffen. Nur auf Basis der Symptomatik darf beispielsweise keine medikamentöse Therapie alleine eingeleitet werden. Bei der AOK Baden-Württemberg ging die Anzahl der Kinder, die Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat (u.a. Ritalin) erhalten haben, von 2011 bis 2013 um fast zehn Prozent zurück. Generell ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Haus- und Facharzt nötig, damit eine korrekte Diagnosestellung mit gemeinsamer Absprache zur medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlung sichergestellt wird – zum Wohle des Kindes und der Familie.

Anmerkung für die Redaktionen:

Michaela Willhauck-Fojkar (Mannheim) nimmt am Facharztvertrag für Psychotherapie, Neurologie und Psychiatrie teil. Der Vertrag besteht zwischen AOK BW, Bosch BKK, MEDI BW und den Facharzt- bzw. Psychotherapeutenverbänden. Er beinhaltet unter anderem auch die interdisziplinäre Diagnostik und gemeinsame Versorgung von Kindern mit ADHS. Bei der AOK BW steht das Thema Kindergesundheit seit 30 Jahren im Fokus: Seit 1985 gibt es das Jolinchen, ein grünes Drachenkind, das für jedes Kind ein offenes Ohr in Gesundheitsfragen hat und das im AOK-Kindermagazin "jojo" Gesundheitswissen auf kindgerechte Art vermittelt.

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