Ärzteverband und Kassen im Südwesten:

Koalitionsvertrag packt endlich strukturelle Fragen an – Direktverträge als Kassenpflicht richtig

Datum: 27.11.2013 / Kategorie: Gesundheitspolitik

Stuttgart

Ärzteverbände, AOK und Bosch BKK in Baden-Württemberg befürworten gemeinsam den im Koalitionsvertrag eingeschlagenen Weg. Die künftige schwarz-rote Bundesregierung will im Gesundheitswesen auch strukturelle Fragen angehen. Vor allem, dass im Koalitionsvertrag Direktverträgen (Haus- und Facharztverträge) von Krankenkassen mit Ärzteverbänden Vorfahrt eingeräumt wird, zeige in die richtige Richtung. „Dass solche Verträge zum Pflichtangebot der Kassen werden, bringt uns der Zukunftssicherung des ganzen Systems einen guten Schritt näher. Es werden Vorurteile abgebaut und die Verantwortung für die medizinische Versorgung der Patienten zu Recht stärker auf Ärzte und Kassen übertragen“, sagt der Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann am Mittwoch (27.11.2013) in Stuttgart.

Der Südwesten weiß, wovon er redet: „Wir haben über 5-jährige erlebte Erfahrungen mit solchen Direktverträgen mit Haus- und Fachärzten. Zusammen mit den von unabhängigen Wissenschaftlern der Universitäten Heidelberg und Frankfurt vorgelegten Forschungsergebnissen ist der bisher festgestellte Wert solcher Verträge eindeutig belegt. Chronisch Kranke werden im Südwesten besser versorgt und Ärzte sind trotz höherem Aufwand zufriedener. Das sollte das herkömmliche System erst einmal nachweisen“, so Hermann weiter.

Dass die 4-Wochen-Terminvergabe durch den Koalitionsvertrag "verordnet" werden muss, zeigt dem Vorsitzenden des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg, Dr. Berthold Dietsche, dass bisher aus dem System keine Lösungen für zu lange Wartezeiten kamen.

Dietsche: "Patienten können den Wert in unseren Haus- und Facharztverträge schon längst daran erkennen, dass sie auf jeden Fall innerhalb zwei Wochen einen Termin bekommen. Das können Ärzte nur leisten, weil sie durch unseren Vertrag aus dem Hamsterrad heraus sind, das sich durch falsche Anreizsysteme wie ‚Menge und Punktwerte‘ immer schneller dreht.“ Der Hausarzt könne bestens einschätzen, wie dringend eine weiterführende Facharztbehandlung sei. Durch das bestehende Netzwerk an Vertragsärzten bekämen Notfallpatienten noch am selben Tag einen Facharzttermin.

Insgesamt sieht sich der Südwesten als Vorreiter: „Mit unseren Haus- und Facharztverträgen sind wir der Politik voraus, weil jede ärztliche Leistung bezahlt wird und nicht wegen Budgetproblemen ins nächste Quartal verschoben werden muss“, sagt Dr. Werner Baumgärtner, Chef der bundesweiten Ärzteorganisation MEDI GENO Deutschland. „Die Vertragspartner in Baden-Württemberg erkennen Versorgungsprobleme wohl schneller und nutzen Möglichkeiten außerhalb des Systems, um gemeinsam erfolgreich Lösungen zu finden“, so Baumgärtner weiter.

Zusatzinformationen Haus- und Facharztverträge in Baden-Württemberg:

Am Hausarztvertrag in Baden-Württemberg (HZV) nehmen ca. 3.500 Ärzte und rund 1,2 Millionen AOK-Versicherte teil. Partner der HZV sind die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft (HÄVG) und MEDI Baden-Württemberg, unterstützt durch die MEDIVERBUND Dienstleistungs GmbH und dem Hausärzteverband, Landesverband Baden-Württemberg.

Die Facharztverträge im Südwesten gibt es für Kardiologie (seit 2010), Gastroenterologie (2011) sowie Psychotherapie (2012), Neurologie (2013) und Psychiatrie (2013). Sie sind im sogenannten PNP-Vertrag zusammengefasst. An den Facharztverträgen nehmen aktuell insgesamt 1.059 Fachärzte und mehr als 200.000 Patienten teil. Neu seit Herbst 2013 ist ein Vertrag zur orthopädischen Versorgung, für den innerhalb kurzer Zeit das notwendige Quorum von mindestens 200 teilnehmenden Orthopäden erreicht wurde. Inzwischen haben 277 Orthopäden und 77 niedergelassene Chirurgen ihre Teilnahme erklärt, sodass die Behandlung eingeschriebener Versicherter nach Vertragsvorgaben ab Januar 2014 beginnen kann. Auch hier gelten die kurzen Wartezeiten für die teilnehmenden Patienten. An den Facharzt-Verträgen können alle Versicherten der AOK Baden-Württemberg und Bosch BKK teilnehmen, die in der HZV eingeschrieben sind. Die Teilnahme an den Verträgen ist für Ärzte und Patienten freiwillig.

Ansprechpartner AOK Baden-Württemberg:

Kurt Wesselsky (Pressesprecher)

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Ansprechpartner Bosch BKK:

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Telefon: 0711 811-30790

sonja.feihle@de.bosch.com

Ansprechpartner MEDI Baden-Württemberg:

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Telefon: 0711 806079-223

schuetz@medi-verbund.de

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