Alarmierende Zahlen zur Alkoholsucht im Alter:

Besser helfen lassen anstatt vertuschen

Datum: 08.01.2015 / Kategorie: Gesundheitstipps

Stuttgart

Im fortgeschrittenen Alter ein Gläschen in Ehren – wer sollte das verwehren? Leider geht es immer häufiger um mehr als ein kleines Glas Wein oder Bier am Tag. Denn inzwischen ist jeder Zehnte, der wegen Alkoholproblemen eine Einrichtung der ambulanten Suchthilfe in Baden-Württemberg aufsucht, 60 Jahre und älter.

Allein im Südwesten müsse man von knapp einer Million Männer und Frauen über 60 Jahren mit problematischem Alkoholkonsum ausgehen, sagt Christa Niemeier von der Landesstelle für Suchtfragen in Baden-Württemberg. Oft sei es keine Abhängigkeit im diagnostischen Sinn, aber die Betroffenen trinken Alkohol in schädlichen Mengen, obwohl bereits körperliche oder soziale und psychische Probleme erkennbar sind.

„Zwar spricht auch im Alter nichts gegen einen genuss- und maßvollen Umgang mit Alkohol“, betont die Ärztin PD Dr. Sabine Knapstein, „doch wenn der überschritten wird, bedeutet das einen herben Verlust an Lebensqualität – und letztlich, dass die Betroffenen früher als normal ihre Selbstständigkeit einbüßen.“ Das rechte Maß zu finden, ist schwierig, denn der ältere Körper verträgt Alkohol weniger gut. Da der Wasseranteil sinkt, ist der Promillegehalt bei gleichem Konsum höher als bei jüngeren Menschen. Folgen: Das Zellgift wird langsamer abgebaut und das Gehirn reagiert sensibler darauf. Da es ähnlich wirkt wie Fett, kann es zudem zu Diabetes führen, Herz, Kreislauf und Muskulatur schädigen.

Experten räumen ein, dass die Sucht oft schleichend beginnt und von den Betroffenen aus Scham verheimlicht wird. Wer als Angehöriger oder Freund einen Verdacht hegt, sollte Betroffene – möglichst ohne Vorwürfe zu erheben – darauf ansprechen, rät Christa Niemeier. Auf der Suche nach einer gemeinsamen Lösung, kann der nächste Weg zu einer Suchtberatungsstelle führen. Ein wichtiger Schritt: Denn wer meint, das Suchtverhalten entschuldigen, decken und kontrollieren zu können, erleidet meist Schiffbruch und leidet schließlich mit, erfährt man dort. Angehörige sollten daher auf eine Behandlung drängen. Menschen mit Alkoholproblemen müssten die Verantwortung für sich zurückerlangen, weiß die Suchthilfeorganisation Blaues Kreuz Baden-Württemberg. Wer die ersten Hürden zur Behandlung genommen habe und wieder das Ziel vor Augen sehe, seine Würde zurückzugewinnen, halte erfahrungsgemäß durch.

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