AOK: 40 Prozent der geprüften Krankenhausrechnungen im Jahr 2009 fehlerhaft

Krankenhäuser müssen 55 Millionen Euro an die AOK zurückzahlen.

Datum: 27.04.2011 / Kategorie: Krankenhäuser

Stuttgart

Im Jahr 2009 waren von 100.000 geprüften Krankenhausrechnungen über 40 Prozent fehlerhaft – 2008 war es jede Dritte. So das Ergebnis einer Auswertung der AOK Baden-Württemberg. 55 Millionen Euro müssen die Krankenhäuser deshalb an die AOK zurückzahlen. „Dies entspricht fast zwei Prozent unserer jährlichen Ausgaben für stationäre Leistungen“, sagt Dr. Rolf Hoberg, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. „Diese Summe zeigt, dass solche Prüfungen notwendig sind und eigentlich noch häufiger durchgeführt werden sollten.“ Allerdings erschwere eine gesetzlich festgelegte Strafgebühr für Krankenkassen dieses Bestreben unnötig.

Hoberg: „Lassen wir eine auffällige Krankenhausrechnung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen (MDK) prüfen und führt diese Überprüfung nicht zu einer Minderung des Rechnungsbetrages, müssen wir eine Aufwandspauschale von 300 Euro an das Krankenhaus zahlen.“ So will es laut AOK eine Änderung des Krankenhausfinanzierungsreformgesetzes, die seit März 2009 gilt. Zuvor betrug die Aufwandspauschale 100 Euro.

Für „völlig unrealistisch und überzogen“ hält Hoberg diese Regelung. Die Kosten für die AOK hätten sich dadurch in einem Jahr mehr als verdoppelt. „2008 mussten wir rund 3,3 Millionen Euro an Aufwandspauschalen an die Krankenhäuser zahlen. 2009 waren es bereits 8,1 Millionen. Das sind 14 Prozent der Rückzahlungen, die wir durch die Prüfungen erhalten haben. 2008 waren es nur 6 Prozent.“ Für das Jahr 2010 rechnet die AOK mit einem weiteren Anstieg – wahrscheinlich müssten dann rund 10 Millionen Euro an Aufwandspauschalen gezahlt werden.

„Die hohe Fehlerquote zeigt, dass wir gezwungen sind, die Prüfungen durchzuführen“, so Hoberg. Auch im Bericht des Bundesrechnungshofs („Bemerkungen 2010 zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes“) würden die häufig fehlerhaften Abrechnungen der Krankenhausleistungen beanstandet. Der Bundesrechnungshof schätze die an die Krankenkassen zu erstattenden Beträge auf mindestens 875 Millionen Euro.

Der Vorstandschef der AOK kritisiert daher, dass die derzeitige gesetzliche Regelung keinerlei Sanktionsmöglichkeiten gegenüber den Krankenhäusern beinhaltet: „Die Krankenkassen werden dadurch unnötig finanziell belastet. Gleiches Recht für alle,“ sagt Hoberg und fordert deshalb eine Änderung des Krankenhausfinanzierungsreformgesetzes. „Sinnvoller wäre es beispielsweise, dass auch Krankenhäuser für falsche Abrechnungen eine zusätzliche Strafzahlung leisten müssen.“

Trotz dieser Mehrbelastungen wird die AOK Baden-Württemberg die Prüfungen der Krankenhausrechnungen weiter ausbauen, „weil es notwendig und sinnvoll ist“, betont Hoberg. Nach AOK-Angaben konnte bereits die Prüfquote von rund acht Prozent im Jahr 2006 auf über zehn Prozent im Jahr 2009 gesteigert werden.

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