AOK Baden-Württemberg:

„Zertifikatehandel“ ist kein Mittel gegen überflüssige Operationen

Datum: 02.08.2012 / Kategorie: Gesundheitspolitik

Stuttgart

Stuttgart, 02.08.2012 – Die AOK Baden-Württemberg lehnt den Vorschlag des Spitzenverbandes der Krankenkassen strikt ab, bei Operationen ein ähnliches Zertifikate-System einzuführen, wie es etwa beim Emissionshandel existiert. Der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann, stellt hierzu klar: „Ein Zertifikatehandel kommt der Schaffung eines neuen Bürokratiemonsters gleich und ändert an der Thematik unnötiger medizinischer Eingriffe überhaupt nichts. Anleihen auf dem Börsenparkett und beim Schadstoffhandel sind völlig untauglich, um die Notwendigkeit von Operationen zu beurteilen.“

Hermann fordert hingegen, dass die Krankenhäuser zu klaren Spielregeln bei Operationen verpflichtet werden und die Krankenkassen in die Mitverantwortung für Qualität und Menge gelangen: „Zur Zeit kann etwa jedes Krankenhaus in Baden-Württemberg mit einer chirurgischen Abteilung alle Operationen von der Wirbelsäule über den Blinddarm bis hin zu Gelenken durchführen. Die Krankenkassen müssen die Mengen vereinbaren und finanzieren, egal welche Erfahrungen ein Krankenhaus bereits bei den entsprechenden Operationen gesammelt hat und in welcher Qualität die Leistung erbracht wird“, so Hermann.

Zudem habe der AOK-Vorstandschef Zweifel, ob jede dieser Operationen tatsächlich medizinisch notwendig sei. Den diskutierten Zertifikatehandel halte er jedenfalls für keine Lösung des Problems. Hintergrund der Forderungen nach einem Zertifikatehandel seien die seit Jahren stark ansteigenden Krankenhausfälle. Auffällig ist für Hermann, dass es vor allem auch eine Zunahme gut planbarer Operationen gibt, wie beispielsweise Eingriffe an der Wirbelsäule oder Knie- und Hüftgelenksoperationen. Die Krankenhäuser würden gerade in diesen Feldern attraktive Erlöse erwirtschaften, die zu immer höheren Fallzahlen verführten.

„Es gibt Krankenhäuser, die bereit sind, die Indikationsstellung mit den Krankenkassen zu vereinbaren. Es werden nur Patientinnen und Patienten behandelt, bei denen alle konventionellen Therapiemöglichkeiten im Vorfeld einer Operation ausgeschöpft sind. Hierin sehe ich einen zielorientierten Lösungsansatz. Solche strikt qualitätsorientierten Regelungen machen aber leider nur wenige Krankenhäuser mit“, erläutert Hermann. Entscheidend sei nach seiner Ansicht, dass die Indikationsstellung zur Operation aus eindeutig medizinischen Gründen erfolge und nicht auch aus anderen Motiven: „Hier müssen Verhandlungslösungen zwischen Leistungsträgern und Krankenhäusern her.“

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