Stress-Studie der AOK bestätigt:

Baden-Württembergs Studierende sind überdurchschnittlich belastet

Datum: 11.10.2016 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Stuttgart

An Baden-Württembergs Hochschulen fühlen sich die Studierenden gestresster als im bundesweiten Durchschnitt. Bei den jetzt veröffentlichten Ergebnissen einer wissenschaftlichen Befragung von Studierenden landet Baden-Württemberg unter allen Bundesländern im oberen Drittel: 78 von 100 Studierenden fühlen sich spürbar gestresst – im bundesweiten Schnitt sind es 74 Prozent. „Das Thema Stress scheint Studierende im Südwesten wirklich zu bewegen, denn mit einer solch hohen Beteiligung von fast 6.000 Studierenden haben wir nicht gerechnet“, erläutert Studiengangsleiter Prof. Martin Voeth von der Universität Hohenheim. „Bei der Belastung der Studierenden könnte die landestypische Mentalität auch ein Faktor sein. Die Studierenden in Baden-Württemberg sind scheinbar einem höheren Erwartungsdruck ausgesetzt. Daneben können zusätzliche Belastungen wie etwa Nebentätigkeiten, eine angespannte finanzielle Lage und die schwierige Wohnungssituation eine Rolle spielen“, so Voeth. Hinzu komme, dass heute bereits der Kampf um die Master-Studienplätze für viele Studierende am ersten Tag des Bachelorstudiums beginne.

Zur Stressbewältigung wünschen sich 19,7 Prozent der Hochschüler Angebote von externen Organisationen. Die Mehrheit der Studierenden bevorzugt dabei eine persönliche Beratung. „Der erste Schritt ist, eigene Frühwarnzeichen für Stress zu bemerken und die Auslöser zu identifizieren. Um dem Stress entgegenzuwirken, sind psychologische Schutzfaktoren wichtig. Ein starkes soziales Umfeld, ein wohlwollender Umgang mit sich selbst, Durchhaltevermögen und Wissen darüber, was einem wirklich wichtig ist, können ausgleichend wirken und die innere Balance stärken“, so Prof. Martin Bohus vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim. Der Wissenschaftliche Direktor des ZI hat zusammen mit der AOK Baden-Württemberg das Stressbewältigungskonzept „Lebe Balance“ entwickelt.

Studierenden, die etwas gegen Stress tun wollen, bietet die AOK Baden-Württemberg neben Experten-Beratungen auch einen Onlinestresstest für Hochschüler an (aok-on.de/gesundheit-leben/stresstest). Außerdem hat die AOK Baden-Württemberg mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ein Angebot zur individuellen Stressbewältigung modellhaft durchgeführt, das flächendeckend für Studierende angeboten werden soll. In den Seminaren lernen die Hochschüler, mit mehr Gelassenheit flexibel auf Stresssituationen zu reagieren. Für die Teilnahme vergibt die technische Universität zwei sogenannte Credits, die als Leistungspunkte auf das Studium angerechnet werden. „Lebe Balance stärkt Schutzfaktoren für die psychische Gesundheit, die zu einer besseren Bewältigung von stressreichen Situationen beitragen. In der Evaluation des Konzepts verringerte sich die psychische Belastung der Teilnehmer und Teilnehmerinnen signifikant“, so Bohus weiter. Über einen Zeitraum von 12 Monaten wurde der Erfolg der Kurse bei 1.813 Teilnehmern in Baden-Württemberg evaluiert. Mit einer evaluierten Weiterempfehlungsquote von 82 Prozent ist Lebe Balance ein erfolgsversprechendes Konzept.

Information zur Erhebung

Rund 6.000 Hochschüler im Südwesten beteiligten sich an der repräsentativen Onlinebefragung der Universitäten Hohenheim und Potsdam im Auftrag der AOK. Insgesamt nahmen bundesweit rund 18.000 Studierende an der Studie teil.

AOK Baden-Württemberg – Pressestelle

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