„AOK Baden-Württemberg im Dialog“

AOK und Gesundheitsökonom Greß fordern einheitliche Wettbewerbsbedingungen für den Krankenversicherungsmarkt der Zukunft

Datum: 13.11.2012 / Kategorie: Gesundheitspolitik

Stuttgart

Bei der Veranstaltung „AOK Baden-Württemberg im Dialog“ ging es am Montag (12.11.2012) um den Krankenversicherungsmarkt der Zukunft sowie um die Frage, ob das Nebeneinander von privater Krankenversicherung (PKV) und gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) noch eine Zukunft hat. Dr. Christopher Hermann kritisierte dabei das bestehende duale Krankenversicherungssystem: „Bislang findet der eigentliche Wettbewerb zwischen PKV und GKV fast ausschließlich um gesunde, junge Gutverdiener statt und nicht um eine qualitativ hochwertige Versorgung.“

Doch vor welchen Herausforderungen stehen die beiden Systeme und wie muss deshalb der Krankenversicherungsmarkt der Zukunft aussehen? Darüber diskutierten Vertreter der AOK Baden-Württemberg unter anderem mit dem Experten Prof. Dr. Stefan Greß, Gesundheitsökonom und Dekan des Fachbereichs Pflege und Gesundheit an der Hochschule Fulda. Eines war dabei für alle klar: Demografischer Wandel und medizinisch-technischer Fortschritt stellen das Gesundheitssystem insgesamt vor große Herausforderungen. Deshalb müssen beide Systeme auf ihre jeweiligen Vor- und Nachteile überprüft werden. So leidet beispielsweise die PKV derzeit an ihren eigenen internen Schwächen: „Die vorhandenen Vergütungsstrukturen in der PKV führen nicht nur zu einer bevorzugten Behandlung für die Versicherten, sondern auch zu starkem Ausgabenwachstum, was die Prämien in die Höhe schnellen lässt. Ein Steuerungsinstrumentarium der PKV auf der Angebotsseite, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, ist nicht vorhanden,“ so Greß.

Laut Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, würde der Übergang in einen gemeinsamen Versicherungsmarkt mit gleichen Wettbewerbsbedingungen Wahlfreiheit für alle Versicherten bedeuten, sodass sie sich für das individuell beste Versorgungsangebot entscheiden könnten. „Wir wollen mehr Wettbewerb zwischen den beiden Systemen GKV und PKV. Versicherte brauchen mehr echte Wahlfreiheit. Der angebliche Wettbewerb zwischen GKV und PKV ist momentan weder freiheitlich, noch wettbewerblich, weil der überwiegende Teil der Bevölkerung, wie kranke und ältere Menschen, Beamte und Menschen unterhalb der Versicherungspflichtgrenze keine rechtliche oder faktische Wahlmöglichkeit hat“, so Hermann. Für PKV-Versicherte sei eine Rückkehr in die GKV nur ausnahmsweise, in der Regel überhaupt nicht möglich. „Die Entscheidung für die PKV ist eine Entscheidung, an die man sein ganzes Leben gebunden ist“, betont Hermann.

Die Behauptung, dass mit einem gemeinsamen Versicherungsmarkt der Weg zur „Einheitskasse“ geebnet werde, sei grundfalsch: Von einem einheitlichen wettbewerblichen System könnten alle profitieren, weil dadurch höhere Versorgungsqualität und -effizienz ermöglicht würden. So müsse insbesondere der Wettbewerb um innovative Versorgungskonzepte in den Vordergrund rücken. Auch Greß sieht größere Wahlfreiheit für die Versicherten in einem integrierten Krankenversicherungsmarkt: „Niemand der heute privat Krankenversicherten würde gezwungen, in ein integriertes Krankenversicherungssystem zu wechseln. Ich bin mir aber sicher, dass die Mehrheit dies freiwillig tun würde.“

Peer-Michael Dick, alternierender Verwaltungsratsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, forderte, auch innerhalb der GKV bessere Rahmenbedingungen für mehr Preis- und Qualitätswettbewerb: „Wir befinden uns im Spannungsfeld von mehr Wettbewerb auf der einen und der Wahrung von Solidarität auf der anderen Seite. Es müssen dringend verkrustete Strukturen im Gesundheitswesen aufgebrochen werden, um mehr Effizienz zu fördern. Seit langem verhindern Einheitsdenken und zentralistische Strukturen mehr Innovation und zielführenden Wettbewerb. Die AOK Baden-Württemberg fordert deshalb die Politik weiterhin dazu auf, die Rahmenbedingungen für einen fairen Wettbewerb um Preis und vor allem Qualität der gesundheitlichen Versorgung zwischen den verschiedenen Anbietern zu schaffen.“

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