"AOK Baden-Württemberg im Dialog": Einheitlicher Krankenversicherungsmarkt ist kein "Einheitsbrei"

Das Nebeneinander von gesetzlicher (GKV) und privater Krankenversicherung (PKV) wird derzeit heftig diskutiert. Eine mögliche Reform stellt dabei die Schaffung eines einheitlichen Krankenversicherungsmarktes dar

Datum: 23.04.2013 / Kategorie: Gesundheitspolitik

Stuttgart

Stuttgart, 23.04.2013 – Das Nebeneinander von gesetzlicher (GKV) und privater Krankenversicherung (PKV) wird derzeit heftig diskutiert. Eine mögliche Reform stellt dabei die Schaffung eines einheitlichen Krankenversicherungsmarktes dar. Welche Folgen eine solche Reform für den Wettbewerb unter den Krankenversicherern mit sich bringen müsste, wurde am gestrigen Montag (22.04.2013) entlang der provokanten Frage "Einheitlicher Krankenversicherungsmarkt = Einheitsbrei?" erörtert. Verwaltungsrat und Vorstand der AOK Baden-Württemberg diskutierten hierzu gemeinsam mit hochkarätigen Gästen im Rahmen der Veranstaltung "AOK Baden-Württemberg im Dialog". Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, fasst zusammen: "Die Annahme, dass ein einheitliches Krankenversicherungssystem einen 'Einheitsbrei' zur Folge hätte, ist gänzlich falsch: Wir sprechen vielmehr von einem dezidiert wettbewerblichen System, in dem sowohl gesetzliche als auch private Krankenversicherer um die bestmögliche Versorgung ihrer Versicherten konkurrieren würden."

Hermann betont, dass zwar die Wettbewerbsbedingungen "vereinheitlicht" würden, keineswegs resultiere aber daraus, dass es insgesamt weniger Wettbewerb gebe. "Die AOK Baden-Württemberg sieht in einem einheitlichen Versicherungssystem vielmehr die Chance, den Wettbewerb um die beste Versorgung zu stärken. Dieser ist im überkommenen Nebeneinander von GKV und PKV bislang ein Fremdwort. Es geht uns dabei vor allem um die Stärkung des Qualitätswettbewerbs, der eine bessere Versorgung der Versicherten fokussiert." So fordert Hermann beispielsweise, die Vergütung von Leistungen im Krankenhaus auch von der tatsächlich erbrachten Qualität abhängig zu machen und damit nachhaltig stärkeres Qualitätsbewusstsein zu fördern.

An der Podiumsdiskussion beteiligte sich unter anderem auch der Gesundheitswissenschaftler der Universität Bielefeld, Prof. Dr. Dr. Thomas Gerlinger: "Die Wirkungen eines einheitlichen Versicherungsmarktes hängen stark von der Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen ab. Der Gesetzgeber wäre dabei gut beraten, an den Kernmerkmalen der gesetzlichen Krankenversicherung festzuhalten." Diese seien laut Gerlinger ein umfassender Leistungskatalog, ein risikounabhängiger Zugang sowie eine einkommensabhängige Finanzierung.

Auch Prof. Dr. Friedrich Breyer, Gesundheitsökonom an der Universität Konstanz, betrachtet einen einheitlichen Krankenversicherungsmarkt keineswegs als eine Bedrohung für einen funktionstüchtigen Wettbewerb: "Es könnte durchaus ein wirksamer Wettbewerb in Verbindung mit einem einheitlichen Versicherungsmarkt geschaffen werden, in dem private, gewinnorientierte Versicherungsunternehmen im jetzigen GKV-Markt nach dessen Regeln zugelassen würden. Dieser einheitliche Markt sollte zudem mehr Vertragsfreiheit für die Krankenkassen beinhalten und vor allem im stationären Bereich mehr Spielraum zur individuellen Vertragsgestaltung ermöglichen."

Günter Güner, alternierender Verwaltungsratsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, betrachtet das Nebeneinander von GKV und PKV als gesellschaftspolitisch überholt: "Diese Dualität ist von offensichtlichen Schwächen geprägt, wenn etwa ein Großteil der Bevölkerung von der Wahlfreiheit zwischen beiden Systemen ausgeschlossen wird." In einem einheitlichen Versicherungssystem stehe der Versicherte im Mittelpunkt.

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