„AOK Baden-Württemberg im Dialog“ mit Ministerpräsident Kretschmann

Ministerpräsident und AOK Baden-Württemberg fordern mehr regionale Autonomie in der Gesundheitspolitik

Datum: 31.10.2011 / Kategorie: Gesundheitspolitik

Stuttgart

Eine klare Absage an eine zentralistische Gesundheitspolitik hat Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, am Montagabend (31.10.2011) in Richtung Berlin geschickt. „Wir brauchen mehr Spielraum auf regionaler Ebene“, so Hermann. Für Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Gast bei „AOK im Dialog“, ist klar: „Intelligente Vernetzung, passgenaue regionale Lösungen, mehr regionale Autonomie und nicht zuletzt ein stärkeres Augenmerk auf Prävention und Gesundheitsförderung – das sind die gesundheitspolitischen Ziele der Landesregierung“.

Wie kann das Gesundheitswesen in Baden-Württemberg weiter optimiert werden? Welche Chancen, Möglichkeiten und Ideen gibt es? Darüber hat am Montagabend eine hochkarätige Runde diskutiert, darunter auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der bei „AOK im Dialog“ über „Gesundheitspolitische Perspektiven für Baden-Württemberg aus Sicht der Landesregierung“ sprach. Seine Forderung als Landesvater: „Baden-Württemberg braucht intelligente Netze in der Versorgung. Das Ziel der Landesregierung muss es sein, die sektoralen Grenzen zu überwinden beispielsweise zwischen dem ambulanten und stationären Sektor oder zwischen den verschiedenen Gesundheitsberufen. Es muss eine besser integrierte Behandlung geben, um unnötige Doppeluntersuchungen zu vermeiden.“

Nach Meinung von Peer-Michael Dick, der als alternierender Verwaltungsratsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg die über 300 Gäste begrüßte, läuft derzeit einiges schief. Vor allem das Versorgungsstrukturgesetz, das derzeit in Berlin beraten wird, stand in der Kritik. Wer von Berlin aus die Gesundheitsversorgung auf der Schwäbischen Alb oder im Mittleren Neckarraum planen wolle, der werde zwangsläufig scheitern. Schon jetzt sei absehbar, dass das neue Gesetz zwar mehr Bürokratie und höhere Kosten verursache, die Gesundheitsversorgung aber nicht besser werde. „Um dies zu leisten, braucht es mehr Kompetenz vor Ort“, sagt Dick.

Dazu müssten die regionalen Partner an einen Tisch. Bestes Beispiel: die Hausarztverträge der AOK Baden-Württemberg. „Damit haben wir ein attraktives Angebot für Ärzte geschaffen, sich auch in ländlichen Regionen niederzulassen“, betonte Dick. Die Ärzte erhielten ein anständiges Honorar, könnten planen und hätten mehr Zeit für ihre Patienten. „Die AOK Baden-Württemberg leistet damit zusammen mit den Ärzten einen wertvollen Beitrag zur Vermeidung von Unterversorgung in Baden-Württemberg“, so Dick. „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir in Baden-Württemberg mit der Ärzteschaft einen guten Konsens haben und entsprechend vor Ort gemeinsam die Verträge formulieren.“

Dicks Fazit: „Unsere Vertragspartner und wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ Das könne man von Berlin nicht behaupten, meint auch Ministerpräsident Kretschmann: „Das Instrument der hausarztzentrierten Versorgung ist eine Bereicherung unserer Versorgung. In diesem Bereich hat die AOK Baden-Württemberg eine Pionierarbeit geschaffen.“

Bei der anschließenden hochkarätig besetzten Talkrunde wurden landesspezifische Lösungsansätze intensiv diskutiert. Mit dabei: Professor Ferdinand Gerlach von der Universität Frankfurt/Main, Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, Thomas Reumann, Landrat im Kreis Reutlingen und Präsident der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft, Dr. Werner Baumgärtner, Vorsitzender des Medi-Verbunds, Günter Güner, alternierender Vorsitzender des Verwaltungsrates der AOK Baden-Württemberg, sowie Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg.

In einem Punkt waren sich alle weitgehend einig: Zukunftsfähige Gesundheitsversorgung in Baden-Württemberg kann nicht zentral vorgegeben werden. „Landesspezifische Probleme und Anforderungen benötigen regionale Antworten und Lösungen. Für eine bessere medizinische Versorgung auf dem Land müssen den Akteuren vor Ort mehr Spielräume eingeräumt werden,“ betont AOK-Chef Hermann und fordert mehr Wettbewerb: „Wir brauchen keinen Wettbewerb um künstliche Befruchtung, aufgepeppte Kurmaßnahmen und die Erstattung verschreibungsfreier Arzneimittel und Haushaltshilfen, wie es das Versorgungsstrukturgesetz vorsieht“. Gefragt seien deutlich mehr Wettbewerbsmöglichkeiten nicht zuletzt auch bei der Krankenhausversorgung, um den Bedürfnissen von Versicherten und Patienten in einer Zeit immer enger werdender finanzieller Spielräume gerecht werden zu können.

Die Rede von Peer-Michael Dick, alternierender Verwaltungsratsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, finden Sie hier (PDF, 42 KB).

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