AOK: Baden-Württemberg Spitzenreiter bei logopädischen Behandlungen von Kindern

Werden zu viele Kinder unnötig zur Sprachtherapie geschickt?

Datum: 01.10.2010 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Stuttgart

Immer mehr Kinder besuchen eine Sprachtherapie. Vor allem in Baden-Württemberg ist die Behandlung beim Logopäden fast schon Standard. Eine Auswertung der AOK Baden-Württemberg ergab, dass knapp ein Viertel aller bundesweit von der AOK übernommenen Sprachtherapien für unter 15-Jährige im Ländle verschrieben werden - das entspricht fast 130.000 Verordnungen. „Wir können uns die Gründe für die hohen Zahlen in Baden-Württemberg nicht erklären“, so Dr. Rolf Hoberg, Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg. Die Statistik lege aber die Vermutung nahe, dass zu viele Kinder unnötig zur Sprachtherapie geschickt werden.

Laut AOK geben die gesetzlichen Krankenkassen pro Jahr 400 Millionen Euro bundesweit für Sprachtherapie aus, Tendenz steigend. Wie das Wissenschaftliche Institut der AOK (WidO) in ihrem „Heilmittelbericht 2009“ berichtet, wird die Hälfte aller Leistungen von Kinderärzten verschrieben. Die Indikation „Sprachstörungen vor Abschluss der Sprachentwicklung“ sei dabei mit rund 56 Prozent die häufigste.

Hoberg: „Besonders auffällig ist, dass in Baden-Württemberg wesentlich mehr Kinder beim Logopäden landen als in anderen Bundesländern. Fast 130.000 mal wurde im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg Sprachtherapie für unter 15-Jährige verordnet.“ Baden-Württemberg sei damit einsame Spitze. Die AOK in Bayern käme zum Beispiel nur auf 73.000 Verordnungen. Kommen die Kinder in die Schule, fallen Entwicklungsstörungen besonders ins Gewicht. Das Ergebnis des WidO-Berichts im Auftrag der AOK Baden-Württemberg zeigt, dass mehr als die Hälfte aller Sprachtherapien Kindern zwischen fünf und neun Jahren verschrieben werden.

Dass die Jungen und Mädchen im Südwesten mehr Sprachprobleme haben als anderswo, glaubt die Psychotherapeutin PD Dr. Sabine Knapstein von der AOK Baden-Württemberg nicht. Der Verdacht liege nahe, dass die Sprachtherapie zum Teil genutzt werde, um soziale und pädagogische Probleme zu lösen. „Nicht jede Sprachstörung hat medizinische Gründe“, ist Dr. Knapstein überzeugt. Manchmal seien auch die Erwartungen an die Sprachfähigkeiten der Kinder viel zu hoch. „Einige Kinder sind einfach nur schüchtern und benötigen für ihre Sprachentwicklung mehr Zeit als andere.“ Gemeinsames Singen und Lesen können dabei helfen, deren Vertrauen in die eigene Sprache aufzubauen, so Knapstein.

Die AOK-Expertin betont, dass die Sprachentwicklung von Kindern über viele Jahre intensiv begleitet werden muss - was in erster Linie nur im Elternhaus und im Kindergarten geleistet werden kann. Knapstein: „Hier werden die Weichen gestellt. Kinder brauchen Erwachsene, die mit ihnen reden, ihnen die Namen der Dinge erklären und zeigen, wie man Sätze richtig bildet.“

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