AOK: Operative Behandlungen von Fettsucht 2010 auf neuem Höchststand - doppelt so viele Operationen wie 2008

Experten warnen: Langzeitrisiken für Patienten unerforscht

Datum: 19.05.2011 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Stuttgart

Die Zahl der Operationen zur Behandlung von Fettsucht (Adipositas), bei denen beispielsweise der Magen stark eingeengt wird, ist 2010 im Land erneut gestiegen. Nach aktuellen Zahlen der AOK Baden-Württemberg wurden im letzten Jahr 290 Operationen durchgeführt – das sind rund 50 Prozent mehr als noch 2009 und doppelt so viele wie 2008. "Damit wurde ein neuer Höchststand erreicht und der Trend, den wir seit Jahren mit Sorge beobachten, leider bestätigt", sagt Dr. Rolf Hoberg, Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg. Experten warnen vor unerforschten Langzeitfolgen. Die AOK fordert deshalb, den Wildwuchs an Adipositas-Operationen zum Schutz der Patienten einzudämmen.

"Auch wenn die Operation in manchen Fällen zum Erfolg führt, ist sie kein schnelles Allheilmittel, sondern ein schwerer chirurgischer Eingriff, der nicht mehr rückgängig zu machen ist und langfristig negative Folgen haben kann", sagt Hoberg. Auch Dr. Rüdiger Freudenstein, Facharzt für Chirurgie und Fachreferatsleiter beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen Baden-Württemberg, warnt vor einer vorschnellen Entscheidung für eine Operation: "Viele operative Verfahren führen zu einem Mangel an kaum ersetzbaren Mikronährstoffen oder verursachen wegen eingesetzter Fremdkörper mechanische Störungen. Das ganze Ausmaß der Spätfolgen ist nicht bekannt."

Da laut Dr. Freudenstein ständig neue Verfahren – manche sogar noch in Erprobungsstadien – angewandt werden, ist eine langjährige Evaluation unmöglich. "Jedes Krankenhaus – auch ohne spezielle Qualifikationen – kann diese anbieten. Schon die Operation birgt viele Risiken. Bei fast jeder Vierten kommt es mittelfristig zu Komplikationen. Langfristig muss wohl jedes Zweite der früher propagierten Magenbänder wieder entfernt werden", sagt Dr. Freudenstein. Zum Schutz der Patienten fordert die AOK eine Zertifizierung und eine verpflichtende Qualitätssicherung von operativen Adipositaszentren, um so den Wildwuchs einzudämmen.

Die Kosten für die Operationen betrugen nach AOK-Angaben 2010 rund 2 Millionen Euro. 2008 waren es noch 800.000 Euro. Hoberg: "Mit unserer Kritik geht es für uns nicht darum, Kosten zu sparen. Wir zeigen Alternativen auf und wollen verhindern, dass immer häufiger viel zu früh und unnötig zum Messer gegriffen wird, ohne andere Mittel zur dauerhaften Gewichtsreduktion auszuprobieren." Dazu gehören beispielsweise ein ärztlich geleitetes Abnehmprogramm mit Bewegungstherapie sowie eine dauerhafte Änderung der Ess- und Bewegungsgewohnheiten.

Hinweis an die Redaktionen:

Weitere Informationen zum Thema Adipositas und Chirurgie sind als Zusatzinformation beigefügt.

Kontakt zur Pressestelle

AOK Baden-Württemberg Pressestelle

Kontaktdaten der AOK Baden-Württemberg Pressestelle

E-Mail: presse@bw.aok.de
Telefon: 0711 2593-229
Telefax: 0711 2593-100

Presselstraße 19
70191 Stuttgart