AOK sieht Chancen für Krankenhausreform:

Umstrukturierungsprozesse unausweichlich - Patienten und nicht Protest in den Mittelpunkt stellen

Datum: 02.09.2015 / Kategorie: Krankenhäuser

Stuttgart

Die AOK Baden-Württemberg unterstützt nachdrücklich die Ziele des anstehenden Reformgesetzes zu den Krankenhausstrukturen. Laut AOK gehöre nicht erneut Protest gegen Berliner Vorhaben sondern die Patienten in den Mittelpunkt. „Insgesamt müssen wir die sich bietende Chance des Gesetzes erkennen und endlich damit anfangen, den erforderlichen Umbau der Krankenhausstrukturen anzugehen. Die Patienten erwarten im Krankenhaus Qualität in Medizin und Betreuung. Um beides dauerhaft sicherzustellen, sind Umstrukturierungen unausweichlich“, so der Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann, am Mittwoch (02.09.2015) in Stuttgart.

In der Krankenhauslandschaft sieht die AOK derzeit vor allem Strukturen der Über-, Unter- oder Fehlversorgung, in denen sich die guten Absichten bisher verfangen hätten. Solche ineffizienten Strukturen fortzuführen und Gelder weiterhin per Gießkanne zu verteilen, könne sich das Gesundheitswesen nicht noch weiter erlauben. Hermann: „Weitblick ist jetzt gefragt und dieser wird durch das Gesetz befördert, weil es dem gezielteren Einsatz der Finanzmittel für eine bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Krankenhauslandschaft Vorfahrt gibt.“

Die Einführung von Qualitätsstandards und verbindlichen Planungskriterien für Krankenhausstrukturen sei richtig und jeder Versuch des Auflockerns, wie von der Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) angestrebt, gehe in die völlig falsche Richtung.

Die AOK Baden-Württemberg steht für Direktverträge mit Krankenhäusern bereit: „Damit wird der Krankenhaussektor endlich aus der wettbewerbsfreien Zone entlassen. Allerdings: Unser Wille alleine macht noch keinen Vertrag“, so Hermann weiter. Im Gesetz seien viel zu lange zeitliche Vorgaben für die Umsetzung solcher innovativen Vertragskonzepte vorgesehen, was das Ganze auf Jahre hinaus verzögere.

Den im Gesetzentwurf vorgesehenen Strukturfonds sieht die AOK zudem als richtungsweisend an. Die Länder würden in die finanzielle Mitverantwortung genommen und Investitionsentscheidungen werden im Einvernehmen mit den Krankenkassen getroffen. Bei allen guten Ansätzen im Gesetzesvorhaben sind laut AOK finanzielle Mehrbelastungen ebenso unausweichlich: Konservativen Schätzungen zufolge führe die Reform bis 2020 zu Mehrbelastungen der Gesetzlichen Krankenversicherung in Höhe von über vier Milliarden Euro. Diese erneute Subventionierung dürfe laut AOK-Chef nicht durch das Einknicken vor Lobbyforderungen völlig nutzlos werden.

Im Jahr 2015 erhalten die Krankenhäuser in Baden-Württemberg über 8 Milliarden Euro von den Krankenkassen – mit über 3,6 Milliarden Euro finanziert die AOK Baden-Württemberg dabei den weitaus größten Anteil.

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