AOK: Trend zum „Komasaufen“ bei Jugendlichen in Baden-Württemberg rückläufig

Zahl der stationären Fälle zum ersten Mal seit Jahren gesunken

Datum: 23.02.2011 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Stuttgart

Die Zahl der Jugendlichen bis 20 Jahre, die wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten, ist nach Auswertungen der AOK Baden-Württemberg zum ersten Mal seit 2008 in Baden-Württemberg rückläufig. Im zweiten Halbjahr 2010 mussten 788 Jugendliche entsprechend behandelt werden. Im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2009 ein Rückgang um rund 6 Prozent. Im gesamten Jahr 2010 wurden damit 1.619 Jugendliche wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert. Das sind 3 Prozent weniger als 2009 - da waren es noch 1.670.

„Die Trendwende, die sich Mitte 2010 andeutete, hat sich damit glücklicherweise bestätigt“, sagt Dr. Rolf Hoberg, Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg. „Die letzten Jahre hatten wir Zuwachsraten von bis zu 20 Prozent pro Jahr. Ein Rückgang um 3 Prozent ist eine sehr positive Nachricht.“ Die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus habe sich mit rund 1,58 Tagen nicht verändert. Allerdings steigen die Kosten für die stationären Behandlungen laut Hoberg Jahr für Jahr: „2008 waren es rund 920.000 Euro, 2010 rund 990.000 Euro. Eine Behandlung kostete damit 2010 im Schnitt 610 Euro, 2008 noch 560 Euro.“ Grund dafür sind laut Hoberg die jährlich angepassten Fallpauschalen, die mit den Krankenhäusern vereinbart werden.

Das im März 2010 eingeführte Verkaufsverbot für Alkohol ab 22 Uhr könnte laut Hoberg dazu beigetragen haben, dass die Zahlen rückläufig sind. Dies sei jedoch nur eine Vermutung: „Auf jeden Fall zeigt der Trend, dass die vielfältigen Maßnahmen zur Suchtprophylaxe der letzten Jahre endlich Früchte tragen“, so Hoberg.

So fördert die AOK Baden-Württemberg nach eigenen Angaben seit Jahren die Beauftragten für Suchtprophylaxe der Stadt- und Landkreise –aktuell mit über 300.000 Euro pro Jahr. Einen Schwerpunkt setzt die AOK dabei auf die Förderung von Programmen gegen den Missbrauch von Alkohol bei Jugendlichen. Einige Maßnahmen seien dabei etwas unkonventionell, aber effektiv. Hoberg: „Wir möchten das Übel an der Wurzel packen und die Jugendlichen da abholen, wo es für sie peinlich wird – noch im Krankenhaus, während sie ihren Rausch ausschlafen.“ Ist ein Jugendlicher wegen Alkoholmissbrauch im Krankenhaus gelandet, wird laut AOK, wenn möglich noch während des Krankenhausaufenthaltes, ein Suchtbeauftragter informiert, der direkt mit dem Jugendlichen Kontakt aufnimmt und so frühzeitig geeignete Maßnahmen zur Suchtprävention in die Wege leiten kann.

Hoberg: „Damit sind wir in Baden-Württemberg auf einem guten Weg, das sogenannte „Komasaufen“ effektiv in den Griff zu bekommen.“

Kontakt zur Pressestelle

AOK Baden-Württemberg Pressestelle

Kontaktdaten der AOK Baden-Württemberg Pressestelle

E-Mail: presse@bw.aok.de
Telefon: 0711 2593-229
Telefax: 0711 2593-100

Presselstraße 19
70191 Stuttgart