AOK und Arztpartner in Baden-Württemberg starten bundesweit einmalige Mobilitätsoffensive: Ab Juli nutzen Arztpraxen VERAHmobil-Fahrzeuge für Hausbesuche

Vertragspartner im Südwesten fordern Ende des Investitionsvorbehalts für Hausarztverträge

Datum: 08.05.2013 / Kategorie: AOK-Hausarztprogramm

Stuttgart

Stuttgart, 8. Mai 2013 Fünf Jahre nach Unterzeichnung des ersten Hausarztvertrages in Deutschland können ab Juli in Baden-Württemberg landesweit Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis (VERAH) im neuen VERAHmobil zu ihren Hausbesuchen aufbrechen. Die Fahrzeuge sind wichtigster Teil einer Mobilitätsoffensive zur Verbesserung der ambulanten Versorgung: Die AOK Baden-Württemberg und ihre Arztpartner wollen in den nächsten fünf Jahren über 1.000 solcher Kleinwagen mit einheitlichem Aussehen auf die Straße bringen. Alle Hausärzte im AOK-Hausarztvertrag können die Autos zu Sonderkonditionen leasen. Außerdem haben sich die Partner auf weitere Neuerungen des Vertrages verständigt, von denen Versicherte und Hausärzte gleichermaßen profitieren. Das Jubiläum ist für AOK, Hausärzteverband und MEDI auch Anlass zur Kritik an der herrschenden Gesetzeslage. Sie sieht seit 2010 einen Investitionsvorbehalt für Hausarztverträge vor, der es in anderen Teilen der Republik fast unmöglich macht, dem Vorbild von Baden-Württemberg zu folgen.

Der Vertrag zur Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) in Baden-Württemberg ist bundesweit die erste Vereinbarung dieser Art, in der der Einsatz einer VERAH zur Versorgung chronisch kranker Patienten eigenständig vergütet wird. Die wissenschaftliche Evaluation des AOK-Hausarztvertrages hat ergeben, dass VERAH mit 71 Prozent überdurchschnittlich oft in Landarztpraxen eingesetzt werden. Dort können sie den Hausarzt durch Übernahme von Routine-Hausbesuchen entlasten. 41 Prozent der befragten VERAH machen bereits Hausbesuche. Dies sei, so Dr. Berthold Dietsche, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg, angesichts einer abnehmenden Zahl von Hausärzten gerade auf dem Land von großer Bedeutung.

Die Mobilitätsoffensive setzt genau an diesem Punkt an. Allen HZV-Praxen mit einer VERAH wird von den Vertragspartnern ein Klein-wagen zu attraktiven Leasing-Konditionen angeboten. Derzeit verfügen schon rund 1.200 der 3.500 am AOK-Hausarztvertrag teilnehmenden Ärzte über Personal mit dieser Zusatzqualifikation. „Wir gehen davon aus, dass ein Großteil der Hausärzte mit VERAH diesen Service nutzen wird und dadurch unter dem Strich deutlich mehr Hausbesuche ermöglicht werden“, so Dietsche. Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg betont: „Die Hausarztpraxis der Zukunft wird zunehmend zur Teampraxis. Gerade die Versorgung einer steigenden Anzahl von Patienten mit mehreren, oft chronischen Krankheiten wird immer komplexer und anspruchsvoller. Dafür brauchen wir eine durch den Hausarzt als Lotsen umfassend gesteuerte Versorgung vor Ort.“

Nicht nur in Sachen mobile Versorgung setzen die Vertragspartner neue Maßstäbe. So gibt es zukünftig weitere Honorarverbesserungen für die Behandlung besonders betreuungsintensiver Patienten sowohl in der Praxis als auch in Pflegeheimen. Auch jüngere Patienten profitieren jetzt in besonderer Weise von der Vertragsteilnahme: Neu ist der umfassende und kostenlose AOK-Gesundheitscheck für Versicherte zwischen 18 und 34 Jahren. Grundlage ist ein ausführlicher Anamnese-Fragebogen, auf dem eine individuelle Vorsorgeberatung aufbaut. Zudem sind zukünftig für alle Versicherten auch zwischen 12 und 17 Jahren bisher nicht erstattungsfähige apothekenpflichtige, aber nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel kostenfrei, sofern der HZV-Arzt sie verordnet.

In Baden-Württemberg profitieren bereits 1,1 Millionen AOK-Versicherte von den Vorteilen einer Teilnahme am Hausarztvertrag. Andere Bundesländer haben deutlich schlechtere Voraussetzungen, diesem positiven Beispiel zu folgen. Hermann erläutert: „Für wirklich Neues, wie die Einführung von Hausarztverträgen, bedarf es zwingend eines Investitionsvorlaufes für die Krankenkassen, was das Gesetz aber seit Ende 2010 nicht mehr vorsieht. Diese Regelung trifft ab Mitte 2014 auch den Hausarztvertrag in Baden-Württemberg, was einen riesigen Rückschritt in der ambulanten Versorgung bedeuten würde.“ Die Vertragspartner fordern deshalb vom Gesetzgeber die schnelle Abschaffung dieser innovationsfeindlichen Regelung.

Hausärzte in Baden-Württemberg haben einstweilen aber allen Grund zum Optimismus. Weitere Verbesserungen im HZV-Vertrag sind zum Beispiel ein höherer Impfzuschlag und eine auf 20 Euro angehobene Vertreterpauschale. Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg, zeigt sich entsprechend zufrieden: „Hausarztverträge in Kombination mit angegliederten Facharztverträgen nach Paragraf 73c SGB V tragen maßgeblich dazu bei, die wohnortnahe ärztliche Versorgung langfristig auf hohem Niveau zu sichern. Die Neuerungen stärken gezielt die hausärztliche Versorgung und verbessern weiter die Arbeitsbedingungen der teilnehmenden Ärzte. Das alles sind exzellente Bedingungen, die dem Hausarzt-EBM um Lichtjahre voraus sind.“

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