AOK und Hausärzteverband einig: Praxisgebühr reduziert Arztbesuche nicht

Finanzielle Anreize für Ärzte müssen verändert werden

Datum: 12.12.2011 / Kategorie: Gesundheitspolitik

Stuttgart

Eine isolierte Reform der Praxisgebühr, wie sie die Bundesregierung im kommenden Jahr anpeilt, werde die Zahl der Arztbesuche in Deutschland nicht verringern. Nach Meinung der AOK Baden-Württemberg muss stattdessen dringend das Vergütungssystem für Ärzte in Deutschland auf den Prüfstand. „Die Vergütungsstruktur selbst setzt für Ärzte die falschen Anreize. Wenn sich hieran nichts ändert, wird Deutschland auch noch in den nächsten 20 Jahren mit 18 Arztbesuchen pro Jahr Spitzenreiter in Europa bleiben. Das hat nichts mit der Praxisgebühr zu tun“, sagt Dr. Christopher Hermann, Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg. Das System müsse grundlegend überarbeitet werden. Alternativen zeige das Hausarztprogramm in Baden-Württemberg auf.

Der Chef der AOK Baden-Württemberg plädiert für eine kontakt-unabhängige pauschale Vergütung je Quartal. So wird es bereits seit Ende 2008 im AOK-Hausarztprogramm in Baden-Württemberg umgesetzt. Hermann: „Dieses System hat viele Vorteile: der Arzt weiß, anders als in der Regelversorgung, wie viel Geld er erhält. Somit hat er Planungssicherheit und weiß auch, wie viel Geld er im nächsten Quartal für jeden Patienten bekommt – auch wenn dieser nicht zum Arzt geht.“ Im Gegenzug übernehme der Arzt direkt dauerhaft Verantwortung für seine Patienten. „Das Interesse des Arztes besteht primär darin, dass der Patient optimal versorgt wird, egal wie oft er in die Praxis kommt“, so Hermann.

Auch Dr. Berthold Dietsche, Landesvorsitzender des Hausärzteverbandes Baden Württemberg, hält nichts von einer Änderung der Praxisgebühr. „Eine Änderung der Praxisgebühr auf fünf Euro pro Arztbesuch ist noch mehr Aufwand für die Praxen. Die erhofften Steuerungseffekte der Patienten werden auch mit dieser Änderung der Praxisgebühr nicht erreicht werden. Das Instrument ist das Gleiche, deshalb wird durch ein geänderten Takt keine bessere Wirkung erzielt werden. Eine kontaktunabhängige Honorar-Pauschale, wie im AOK-Hausarztprogramm, ist die richtige Antwort und trägt dazu bei, dass die Wartezimmer wieder übersichtlicher werden.“

Hermann warnt zudem vor dem Irrglauben, die Steuerung der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen müsse in erster Linie dem Patienten überlassen werden. „Der Hausarzt muss der erste Ansprechpartner für den Patienten sein und als Lotse fungieren. Im AOK-Hausarztprogramm sind Patienten deshalb verpflichtet, immer zuerst zu ihrem Hausarzt zu gehen. Behandlungen werden so besser koordiniert und Doppeluntersuchungen vermieden.“ Die nötige Zeit für ihre Patienten erhielten die Ärzte durch eine stark vereinfachte Abrechnung.

Dass dies Erfolg hat, zeigen alle bisherigen Auswertungen zum Hausarztprogramm. Insgesamt sei die Zahl derer, die ohne Überweisung zum Facharzt gingen, gesunken, während mehr Patienten mit Überweisung – also koordiniert – einen Facharzt aufsuchten.

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