Aufschlag für Krankenhäuser: AOK im Land zahlt wieder über 100 Millionen Euro mehr

Beklagte Defizite im Krankenhausbereich erfordern Strukturreformen, nicht einfach immer mehr Geld

Datum: 02.04.2012 / Kategorie: Krankenhäuser

Stuttgart

Stuttgart, 02.04.2012 – Ab April bekommen über 180 Krankenhäuser in Baden-Württemberg wieder mehr Geld: „Die Krankenhäuser erhalten 2012 allein von der AOK Baden-Württemberg über 100 Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr“, sagt Dr. Christopher Hermann, Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg. Eine entsprechende Erhöhung des Landesbasisfallwertes haben die Krankenkassen im Land und die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft jetzt beschlossen. Insgesamt zahlt die AOK damit pro Jahr weit über 3 Milliarden Euro an die Krankenhäuser im Land. Das sind drei Prozent mehr als im Vorjahr und bereits die sechste Erhöhung innerhalb von sechs Jahren. Beklagte Krankenhaus-Defizite können laut AOK aber nicht durch immer mehr Geld gelöst werden.

„Den Krankenhäusern stehen seit jeher genügend Finanzmittel zur Verfügung, um die stationäre Behandlung unserer Versicherten auf hohem Niveau sicherzustellen“, sagt Hermann. Gestiegene Personal- und Sachkosten seien bei der Erhöhung voll berücksichtigt. „Regelmäßige Geldspritzen, so hoch sie auch sein mögen, können die Strukturprobleme jedoch nicht dauerhaft lösen. Wenn das Geld angeblich nicht reicht, hat das andere Ursachen“, sagt Hermann.

Der AOK-Chef kritisiert, dass die Finanzierung der Krankenkassen für die Krankenhäuser in Baden-Württemberg Jahr für Jahr um hunderte Millionen Euro steigt. Allein in diesem Jahr erhielten die Krankenhäuser im Land knapp sieben Milliarden Euro von den gesetzlichen Krankenkassen. 2011 waren es noch rund 6,5 Milliarden. Dennoch würde das Geld angeblich nicht reichen.

Die Ursache der Klagen sieht Hermann darin, dass Krankenhäuser im Wettbewerb vielfach Parallelstrukturen zu ihren Konkurrenten aufbauen: „Dafür werden hohe Investitionen in Gebäude oder Medizingeräte getätigt. Diese werden jedoch nur teilweise durch das Land finanziert. Also werden die Gelder der Krankenkassen, die für die Behandlung des Patienten zur Verfügung gestellt werden, zweckentfremdet.“ Deshalb fehle dieses Geld wiederum beim Personal. Folge sei, dass zu viele Krankenhäuser im Land die gleichen Leistungen anbieten. „Patientenorientierte und effiziente Arbeitsteilung bedeutet aber, dass hochspezialisierte Leistungen auch an wenigen qualifizierten Standorten konzentriert und Schwerpunkte auch für Leistungen wie z.B. Knie-Endoprothesen gebildet werden“, sagt Hermann.

Der AOK-Chef fordert deshalb mehr Wettbewerb endlich auch im Krankenhausmarkt. Krankenkassen müssten die Möglichkeit bekommen, direkt mit Krankenhäusern Verträge zu schließen. Die Politik müsse zudem bessere Rahmenbedingungen schaffen, um die Schwerpunktbildung zu fördern und Krankenhäuser für Kooperationen in die Pflicht nehmen. Das Land Baden-Württemberg hat Förderkriterien für die Finanzierung von Investitionskosten verabschiedet. Hier seien solche Ansätze durchaus erkennbar. Diese müssten jetzt schnell konsequent ausgebaut und umgesetzt werden.

Hinweis für die Redaktionen:

Der Landesbasisfallwert wird zum 01.04.2012 um 1,7 Prozent von 2.970,00 Euro auf 3.020,65 Euro erhöht. Auf ihm beruhen die sogenannten Fallpauschalen, die maßgeblich für die Abrechnungen sind. Dadurch erhalten die Krankenhäuser durchschnittlich mehr Geld pro Behandlung von den gesetzlichen Krankenkassen.

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