Bandscheiben-OPs in den letzten drei Jahren um rund 28 Prozent gestiegen

Einführung gesetzlicher Qualitätsrichtlinien sinnvoll

Datum: 10.03.2010 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Stuttgart

Eine Auswertung der AOK Baden-Württemberg hat ergeben, dass die Zahl der Bandscheibenoperationen bei AOK-Versicherten binnen drei Jahren um rund 28 Prozent gestiegen ist. Die AOK sieht diese Entwicklung mit großer Sorge, vor allem, da nach einem aktuellen Gutachten des MDK Baden-Württemberg solche Fallzahlsteigerungen fachmedizinisch und demografisch nicht zu erklären sind. Deshalb ist die AOK Baden-Württemberg für die Einführung einer gesetzlichen Qualitätssicherung für Bandscheibenoperationen.

Laut AOK sind die Gründe für diesen Anstieg zwar unklar. Die starke Zunahme der Operationszahlen könne jedoch Anzeichen für eine Über- bzw. Fehlversorgung ihrer Versicherten sein. Dr. Rolf Hoberg, Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg: „Bisher gibt es keine gesetzliche Qualitätssicherung von Bandscheiben-Operationen, über die festgelegt wird, wann eine OP sinnvoll ist und wann nicht. Hier kann es durchaus passieren, dass schneller als nötig zum Skalpell gegriffen wird.“

In Zahlen drückt sich das laut AOK wie folgt aus: Lag im Jahr 2006 die Zahl der Operationen noch bei 3.875, waren es im Jahr darauf mit 4.311 bereits rund 450 Operationen mehr. 2008 wurden 4.665 Operationen bezahlt, bevor zuletzt 4.957 Operationen erreicht wurden. Auch der bundesweite Trend bestätige, dass immer mehr Versicherte an der Bandscheibe operiert werden. Laut MDK hat von 2005 bis 2008 die Zahl der Bandscheiben-OPs bundesweit von rund 121.000 auf 148.000 zugenommen. Damit seien Operationen an der Bandscheibe die 17-häufigste Operation überhaupt.

Für die AOK steht fest: Gesetzliche Qualitätsrichtlinien könnten sicherstellen, dass nur operiert wird, wenn das für den Patienten zuträglich ist. Hoberg: „Sollte es wirklich so sein, dass unsere Versicherten häufig unnötig an der Bandscheibe operiert werden, müssen sie geschützt werden." Auch auf die finanzielle Situation im Gesundheitswesen hätte die Vermeidung unnötiger Operationen positive Auswirkungen. Hoberg: „Zwischen 7.000 und 10.000 Euro sind beispielsweise für 'Implantation und Ersatz einer Bandscheibenendoprothese' fällig. Unnötige Operationen zu vermeiden hieße also auch, unnötige Kosten zu vermeiden.“

Damit es jedoch gar nicht erst zu einem Bandscheibenvorfall kommt, empfiehlt die AOK, Rückenleiden von vornherein vorzubeugen. Unterstützung bietet dabei das „AOK-RückenKonzept“, bei dem Versicherte in landesweit 40 Rückenstudios mit speziellen DAVID-Trainingsgeräten unter qualifizierter Anleitung gezielt Rückenbeschwerden vorbeugen können.

Auch die Einholung einer ärztlichen Zweitmeinung könne häufig alternative Behandlungswege aufzeigen. Hoberg: „Besonders im Bereich der Orthopädie sind viele unserer Versicherten unsicher, welche die richtige Methode für sie ist.“ Deshalb hat die AOK Baden-Württemberg das Projekt „Ärztliche Zweitmeinung“ ins Leben gerufen. AOK-Versicherte können hier seit Juli 2009 bei schwierigen Therapieentscheidungen in den Bereichen Orthopädie und Onkologie bei renommierten Medizinern eine ärztliche Zweitmeinung einholen. Hoberg: „Vor allem im Bereich der Orthopädie konnten dadurch bereits operative Eingriffe vermieden und die Gesundheit der Patienten anderweitig sichergestellt werden.“

Wer Fragen zu Therapieformen und Vorbeugung hat, kann sich auch unter der 0180-10 50 500 (0,039 Euro/min aus dem deutschen Festnetz, aus dem Mobilfunknetz höchstens 0,42 Euro/min) an das AOK-Care-Telefon wenden. Ein Expertenteam aus erfahrenen Ärzten und Fachkräften gibt kompetente und umfassende Auskünfte.

Hinweis an die Redaktionen:

Weitere Informationen zu den Leistungen der AOK Baden-Württemberg zur Rückengesundheit und dem Projekt „Ärztliche Zweitmeinung“ gibt es hier.

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