Bundesweit erster Orthopädievertrag startet am 1. Januar 2014: Quorum erreicht

Der Orthopädievertrag, der jüngste Facharztvertrag im bundesweit einmaligen Facharztprogramm von AOK Baden-Württemberg, MEDI Baden-Württemberg und Bosch BKK, hat das erforderliche Quorum erreicht.

Datum: 06.11.2013 / Kategorie: AOK-Facharztprogramm

Stuttgart

Bis heute haben 244 niedergelassene Orthopäden und 64 Chirurgen ihre Teilnahme erklärt. Der Vertrag wurde Ende Juli von den drei Vertragspartnern, dem Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) und dem Berufsverband der niedergelassenen Chirurgen (BNC) unterzeichnet. Ärzte, die die notwendigen Voraussetzungen erfüllen, erhalten die erforderlichen Unterlagen und können dann ihre Patienten einschreiben. Ab Januar 2014 können die Ärzte mit der Behandlung beginnen. Am Vertrag können Versicherte der AOK Baden-Württemberg und der Bosch BKK teilnehmen, die in das HausarztProgramm eingeschrieben sind.

Dass das notwendige Quorum von mindestens 200 Orthopäden so schnell erreicht wurde, werten die Vertragspartner als breite Zustimmung zum Vertrag, der neue Wege in der orthopädischen Versorgung beschreitet. „Der Vertrag rückt den ganzen Menschen ins Blickfeld“, erläutert BVOU-Sprecher Dr. Burkhard Lembeck. „Viele Erkrankungen des Bewegungsapparates sind multifaktoriell bedingt, psychosoziale Faktoren wie beruflicher Stress oder familiäre Probleme spielen eine große Rolle. Dies in Diagnostik und Therapie einzubeziehen, kostet Zeit – und die fehlt in dem Reparaturbetrieb, den die Regelversorgung vorgibt, schlichtweg“, beschreibt Lembeck eines der Hauptprobleme.

Mit dem Orthopädievertrag wenden sich die Partner ab von unnötiger apparativer Diagnostik und Therapie und hin zu einer ausführlichen Anamnese und Untersuchung sowie einer Behandlung, in der die Förderung der Eigeninitiative der Patienten großgeschrieben wird. „Die Vergütungssystematik ist so aufgebaut, dass ich mir Zeit für eine ausführliche Anamnese und eine motivierende Beratung nehmen kann“, freut sich Lembeck.

Wo allerdings Technik zur Früherkennung und Therapie sinnvoll ist, sieht sie der Orthopädievertrag auch vor. Ein Beispiel ist das DXA-Verfahren zur Knochendichte-Messung, mit dem Osteoporose frühzeitig diagnostiziert werden kann. In der Regelversorgung wird es meist erst bezahlt, wenn es bereits zu Knochenbrüchen durch den Knochenschwund gekommen ist. „So lange müssen die Patienten im Orthopädievertrag nicht warten“, so Lembeck. „Sie können diese Untersuchung bei Vorliegen der entsprechenden Risiken gemäß Leitlinie in Anspruch nehmen.“

Dr. Dieter Haack, Bundesvorsitzender des BNC, hebt die Kooperation unterschiedlicher, an der Behandlung beteiligter Haus- und Fachärzte hervor, die durch den Vertrag auf eine neue Basis gestellt wird, beispielsweise durch Regelungen zu den Behandlungsschnittstellen und durch interdisziplinäre Fallkonferenzen: „Abgestimmt behandeln statt um Kompetenzen rangeln, heißt hier die Devise – zum Wohle des Patienten.“

Wichtig ist Haack bei spezifischen Rückenschmerzen die im Vertrag geregelte zügige Abklärung, ob eine bzw. welche Indikation für einen operativen Eingriff vorliegt, und ob Alternativen zum stationären Aufenthalt möglich sind. „Nicht jeder Bandscheibenvorfall, nicht jede Arthrose muss gleich operiert werden“, erläutert Haack. „Häufig gibt es schonendere Behandlungsalternativen. Für manche Patienten kann es bedeuten, dass sie durch die Vertragseinschreibung einen Eingriff schonend ambulant vornehmen lassen können, für den bisher ein Klinikaufenthalt nötig war.“

Patienten profitieren zudem von den Qualitätsanforderungen, die der Vertrag an die teilnehmenden Ärzte stellt. „Durch die Verpflichtung zu einer strukturierten Fortbildung sowie zur Therapie nach aktuellen medizinischen Leitlinien ist sichergestellt, dass der Patient immer nach neuestem wissenschaftlichem Standard behandelt wird“, betont Dr. Werner Baumgärtner, Vorsitzender von MEDI Baden-Württemberg. „Das Honorar ist planbar und angemessen und trägt damit zum Erhalt der orthopädischen und chirurgischen Praxen bei“, erklärt Baumgärtner.

Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, freut sich ebenfalls über den raschen Vertragsstart. „40 Prozent der Arbeitsunfähigkeitszeiten sind durch orthopädische Erkrankungen, Verletzungen und muskuloskelettale Beschwerden verursacht – Tendenz steigend. Es besteht also dringender Handlungsbedarf.“

Der Facharztvertrag Orthopädie zielt darauf ab, die großen orthopädischen Krankheitsbilder unspezifischer Rückenschmerz, spezifischer Rückenschmerz, Gon-Coxarthrose, Osteoporose und Rheuma frühzeitig zu erkennen und durch adäquate Behandlung die Chronifizierung der Beschwerden zu vermeiden. „Unnötigen Untersuchungen und Eingriffen, die die Patienten belasten, aber ihnen nicht nutzen, haben wir den Kampf angesagt, ebenso der Unterversorgung im psychosomatischen Bereich“, so Hermann.

„Wir wollen die Mittel, die uns zur Verfügung stehen, dort einsetzen, wo sie am meisten bringen“, ergänzt Bernhard Mohr, Vorstand der Bosch BKK. Dazu gehört auch, den Zugang zur Behandlung zu erleichtern. „Wer sich in das Facharztprogramm einschreibt, profitiert von Serviceleistungen wie schneller Terminvergabe und kurzen Wartezeiten“. Darüber hinaus profitiert der Patient von der engen Zusammenarbeit zwischen Orthopäden und Hausärzten, die die Einschreibung in den Vertrag mit sich bringt.

Ansprechpartner AOK Baden-Württemberg:

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Ansprechpartner MEDI Baden-Württemberg:

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schuetz@medi-verbund.de

Ansprechpartner Bosch BKK:

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