Darmkrebs – eine verdrängte Erkrankung?

Möglichkeiten der Früherkennung werden immer noch zu wenig genutzt
Jährlich sterben rund 28.000 Menschen an der zweithäufigsten Krebserkrankung von Männern und Frauen

Datum: 24.02.2010 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Stuttgart

Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, wird von vielen Menschen möglicherweise verdrängt. Darauf macht die AOK Baden-Württemberg aufmerksam. Nur rund 30 Prozent der Berechtigten nehmen das wichtige Angebot der Koloskopie (Darmspiegelung) zur Darmkrebsfrüherkennung wahr. Dabei ist Darmkrebs mit jährlich rund 73.000 Neuerkrankungen die zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern und Frauen und verursacht auch die zweithäufigsten krebsbedingten Todesfälle.

Dank des medizinischen Fortschritts haben sich die Überlebenschancen bei Darmkrebs in den letzten Jahren zwar erhöht, sie könnten bei Wahrnehmung der Früherkennungsangebote aber noch deutlich verbessert werden. Derzeit sterben in Deutschland jährlich rund 28.000 Menschen an Darmkrebs, im Jahr 2008 gab es in Baden-Württemberg 3.137 Todesfälle. Hinzu kommt, dass die Rate der Neuerkrankungen steigt. Deshalb betont auch Dr. Lay, Arzt für Allgemeinmedizin und ärztlicher Berater der AOK Baden-Württemberg: „Mit Hilfe der Darmkrebs-Früherkennungsuntersuchungen, insbesondere der Koloskopie, kann Darmkrebs in einem so frühen Stadium erkannt werden, dass er heilbar ist. Diese Chance sollte jeder nutzen.“

Darmkrebs tritt meist nach dem 50. Lebensjahr auf. Zur Früherkennung gibt es ab dieser kritischen Altersstufe zwei kostenlose Vorsorgeuntersuchungen: den sog. Haemoccult-Test (Test auf occultes – verborgenes – Blut) und die Spiegelung des gesamten Dickdarmes (Koloskopie).

Der Haemoccult-Test kann zwischen dem 50. und 55. Lebensjahr jährlich kostenlos durchgeführt werden. Ab dem 56. Lebensjahr haben Versicherte Anspruch auf zwei kostenlose Koloskopien im Abstand von 10 Jahren oder alternativ auf fünf Haemoccult-Tests im zweijährigen Rhythmus. Bei der Inanspruchnahme dieser Früherkennungsmaßnahmen entfällt jeweils die Praxisgebühr.

Vor allem Risikopatienten sollten die Möglichkeit der Darmkrebs-Früherkennung nutzen. Dr. Lay: „Bis zu 30 Prozent der Darmkrebsfälle stehen mit erblicher Vorbelastung in Zusammenhang. Sind zum Beispiel Eltern oder Geschwister bereits an Darmkrebs erkrankt bzw. verstorben, kann man ein erhöhtes Darmkrebsrisiko als gegeben annehmen. Auch Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen haben ein erhöhtes Darmkrebsrisiko. In diesen Fällen können Früherkennungsmaßnahmen auch schon in jüngerem Alter und/oder öfter durchgeführt werden.“

AOK-Versicherte, die eine Koloskopie durchführen lassen wollen, können von einem Sondervertrag profitieren, den die AOK Baden-Württemberg mit den niedergelassenen Gastroenterologen abgeschlossen hat („Gastroentrologie-Vertrag“): Die Zuzahlung zu darmreinigenden Medikamenten entfällt, außerdem erhält der Patient spätestens 14 Tage nach Anmeldung einen Termin, bei Notfall-Koloskopien schon innerhalb von drei Tagen. Voraussetzung ist, dass der Hausarzt des Patienten in das AOK-HausarztProgramm (HZV) eingeschrieben ist und den Patienten an einen eingeschriebenen Gastroenterologen überweist.

Bei der Entstehung von Darmkrebs spielt auch der Lebensstil eine Rolle. Risikofaktoren sind u. a. Übergewicht, Bewegungsmangel, ballaststoffarme, fettreiche Kost mit hohem Fleisch- und geringem Gemüseanteil, psychosozialer Stress, Rauchen und zuviel Alkohol. Mit zahlreichen Angeboten zu den Bereichen Ernährung, Bewegung und Entspannung bietet die AOK landesweit viele Möglichkeiten zum (Wieder-)Einstieg in eine gesundheitsbewusste Lebensweise und damit auch zur Prävention gegen Darmkrebs.

Die AOK weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass die Felix-Burda-Stiftung in diesem Jahr wieder den Darmkrebsmonat März ausruft.

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