Ein Termin beim Psychotherapeuten darf kein Glücksfall sein

FacharztProgramm der AOK Baden-Württemberg, Bosch BKK und MEDI Baden-Württemberg unterstützt schnelle Versorgung von psychisch Kranken

Datum: 06.03.2014 / Kategorie: AOK-Facharztprogramm

Stuttgart

Überlastung im Job, familiäre Probleme, Geldsorgen – irgendwann geht einfach nichts mehr. Immer mehr Menschen sind davon betroffen: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts leiden pro Jahr rund ein Drittel der Menschen in Deutschland an psychischen Erkrankungen1. Etwa 12 Prozent der Krankschreibungen sind auf Depressionen, Burnout oder ähnliche Erkrankungen zurückzuführen. Damit ist die Zahl seit dem Jahr 2000 um 75 Prozent gestiegen2. Die Folge: Patienten warten bis zu drei und mehr Monate auf ein Erstgespräch beim Psychotherapeuten3. Doch Betroffene brauchen schnelle Hilfe, denn unbehandelt können psychische Erkrankungen leicht chronisch werden. Auch sind psychisch Kranke in der Regel weniger belastbar. Langes Warten auf einen Termin oder aufwändige Antrags- und Gutachterverfahren zur Klärung der Kostenübernahme schrecken manche Patienten vor dem Gang zum Arzt und Psychotherapeuten ab – so bleibt die Krankheit oft viel zu lange unbehandelt.

Hausarzt als erster Ansprechpartner

Genau hier setzt das FacharztProgramm der beiden Krankenkassen und deren Partnern im Bereich Psychiatrie, Neurologie, Psychotherapie an. Dabei arbeiten Hausarzt und Facharzt bzw. Psychotherapeut eng zusammen. Der Hausarzt ist die zentrale Anlaufstelle für den Patienten in Gesundheitsfragen und der Erstversorger. Er ist in der Lage, die Schwere der Krankheit zu erkennen und den richtigen Behandlungsweg zeitnah einzuleiten. Leichte Depressionen z.B. können oft erst einmal etwa mit mehr Bewegung therapiert werden, bei mittelschweren und schweren Depressionen werden Psychotherapie und Medikamente kombiniert. Bei Bedarf überweist der Hausarzt den Patienten an einen entsprechenden Facharzt bzw. Psychotherapeuten. Beide stehen während der gesamten Behandlungsdauer in Kontakt und stimmen ihr weiteres Vorgehen ab. Der Hausarzt hat die Übersicht über das gesamte Krankheitsgeschehen der Patienten und alle dem Betroffenen verordneten Medikamente. Das übergeordnete Ziel ist die schnelle, unbürokratische und bedarfsgerechte Versorgung psychisch Kranker mit hoher Flexibilität bei der Wahl der bestmöglichen Therapie. Das ist bei psychischen Erkrankungen besonders wichtig, denn es gibt keinen Königsweg in der Behandlung – jeder Patient benötigt die individuelle, auf seine speziellen Bedürfnisse zugeschnittene Therapie. Insgesamt steht mehr Zeit für Informationen, Fragen und Sorgen der Patienten zur Verfügung. „Wir haben mit allen unseren Direktverträgen, also auch hier, den Patienten endlich in den Mittelpunkt gerückt. Es ist dann nur schlüssig, dass Therapeuten, die sich viel intensiver um ihre Patienten kümmern, dafür auch angemessen honoriert werden“, so der Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann.

In der Praxis sieht die Umsetzung so aus: Der Patient bespricht zunächst seine Anliegen mit seinem Hausarzt. Bei Bedarf, erhält er eine Überweisung zum Psychotherapeuten. Statt bis zu drei Monate auf ein Erstgespräch warten zu müssen, bekommt er innerhalb von längstens 14 Tagen einen Termin, im Notfall noch am gleichen Tag. Ist eine Therapie angezeigt, beginnt diese innerhalb von zwei Wochen. Schnell und unbürokratisch wird dem Betroffenen ein Therapieplatz vermittelt. Zudem findet die Behandlung meist ambulant statt, Klinikaufenthalte sind nur in Notfällen nötig. So können die Patienten in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Gerade bei psychischen Erkrankungen und seelischen Störungen sind niedrigschwellige Angebote besonders wichtig. Denn noch viel zu oft scheuen Betroffene die Behandlung aus Angst vor Stigmatisierung in ihrem Lebensumfeld.

Flexibilität in der Behandlung kommt Patienten zugute

„In meine Praxis kommen jetzt mehr Patienten, die früher wegen der Wartezeiten und der Nichterreichbarkeit der Psychotherapeuten aufgegeben hätten“ berichtet Rolf Wachendorf, niedergelassener Psychotherapeut in Esslingen und Chef der Freien Liste der Psychotherapeuten in Baden-Württemberg. „Es erscheint teilweise eine andere Klientel. Das Ausmaß hat mich überrascht.“ Bei der Behandlung lässt das FacharztProgramm den Psychotherapeuten mehr Freiraum. Diese Flexibilität kommt den Patienten unmittelbar zugute. „Ich darf endlich so behandeln, wie es der Patient braucht“ so Wachendorf. Auch Dr. Thomas Hug, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus Heidelberg, bestätigt: „Der Facharzt kann sich darauf konzentrieren, den Patienten über einen angemessenen und gegebenenfalls auch längeren Zeitraum zu begleiten, ohne ständig auf Stundenvorgaben und Budgets Rücksicht nehmen zu müssen.“ Besonders deutlich wird dieser Vorteil der Versorgung in Bezug auf Gruppentherapien. „Aufgrund des großen Aufwands und bürokratischer Hürden werden ambulante Gruppentherapien in der Regelversorgung weniger angeboten“ so Hug weiter. Im Gegensatz dazu fördert das FacharztProgramm sie ausdrücklich. „Insbesondere bei Depressionen kann eine Gruppentherapie durchaus sinnvoll sein. Die Patienten kommen aus ihrer Zurückgezogenheit heraus und können von den Bewältigungsstrategien und Kompetenzen der anderen Patienten in der Gruppe profitieren“, erklärt Hug.

Am FacharztProgramm teilnehmen können alle Versicherten der AOK Baden-Württemberg und der Bosch BKK, die sich bereits ins HausarztProgramm eingeschrieben haben. Nähere Informationen erhalten Interessierte bei teilnehmenden Ärzten und den beiden Kassen.

Zum FacharztProgramm

Als bundesweit erste Krankenkassen haben die AOK Baden-Württemberg und die Bosch BKK zusammen mit dem Ärzteverbund MEDI Baden-Württemberg und den beteiligten Facharzt- bzw. Psychotherapeuten-Verbänden das FacharztProgramm ins Leben gerufen. Ziel dabei ist es, Qualität und Wirtschaftlichkeit der gesundheitlichen Versorgung zu verbessern. Das FacharztProgramm fördert die Zusammenarbeit von Hausärzten und Fachärzten. Zudem stärkt es die Rolle des Hausarztes als ersten Ansprechpartner für Patienten und als Lotse in Gesundheitsfragen. Das FacharztProgramm gibt es bisher in den Bereichen Kardiologie, Gastroenterologie, Psychiatrie / Neurologie / Psychotherapie sowie Orthopädie.

Quellen:

[1] Robert Koch Institut, Studie zur „Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS 2012)

[2] Studie der Bundespsychotherapeutenkammer, „Psychische Erkrankungen und Burnout“ 2012

[3] Umfrage der Landes- und Bundespsychotherapeutenkammer, „Wartezeiten in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung“ 2011

Ansprechpartner AOK Baden-Württemberg:

Kurt Wesselsky (Pressesprecher)

Telefon: 0711 2593-231

kurt.wesselsky@bw.aok.de

Ansprechpartner MEDI Baden-Württemberg:

Angelina Schütz (Pressesprecherin)

Telefon: 0711 806079-223

schuetz@medi-verbund.de

Ansprechpartner Bosch BKK:

Sonja Feihle (Pressesprecherin)

Telefon: 0711 811-30790

sonja.feihle@de.bosch.com

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