Einsatz von VERAH verbessert landesweit die Versorgung chronisch kranker und multimorbider Menschen zu Hause

Jeden Tag ein neues VERAHmobil: nach einem Jahr mehr als 300 Fahrzeuge im Einsatz

Datum: 16.06.2014 / Kategorie: AOK-Hausarztprogramm

Stuttgart

Nicht jammern, sondern handeln: Ärzteverbände und Krankenkassen in Baden-Württemberg arbeiten gemeinsam daran, den Beruf des niedergelassenen Arztes attraktiver zu gestalten. Überlastung und überlange Arbeitszeiten gelten als eine wesentliche Ursache dafür, dass jungen Ärztinnen und Ärzten diese Berufswahl schwer fällt und sie sich davor scheuen, eine eigene Praxis zu eröffnen oder zu übernehmen.

Im Rahmen des Hausarztvertrages, den AOK Baden-Württemberg, Hausärzteverband und MEDI Baden-Württemberg vor sechs Jahren eingerichtet haben, werden Routine-Hausbesuche bei Patienten in zunehmendem Maße von speziell qualifizierten „Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis“ (VERAH®) übernommen. Dies entlastet den Hausarzt und führt insbesondere in ländlichen Regionen zu spürbaren Verbesserungen.

Die Zahl mehrfach chronisch kranker und älterer Menschen, die regelmäßig eine fachgerechte Versorgung benötigen, wächst: Unter den Versicherten der AOK Baden-Württemberg hat beispielsweise der Anteil derer, die an Diabetes, koronarer Herzerkrankung und chronischer Lungenerkrankungen leiden, zwischen 2008 und 2012, also innerhalb von lediglich vier Jahren, um 45,8 Prozent zugenommen. Zwei der drei Krankheitsbilder weisen inzwischen sogar bereits 4,43 Prozent aller Versicherten auf.

Chronisch kranke Menschen bedürfen der regelmäßigen ärztlichen Versorgung, wofür niedergelassene Ärzte folglich immer mehr Zeit aufbringen müssen. Hier kann die VERAH helfen. Dabei handelt es sich um medizinische Fachangestellte mit entsprechender Weiterbildung. Sie übernehmen bei Patienten, die regelmäßig medizinisch betreut werden müssen, einen wesentlichen Teil der Versorgung. In Absprache mit dem Hausarzt legen sie beispielsweise Verbände an, setzen Spritzen, sind für die Blutabnahme zuständig, und führen Kontrolluntersuchungen durch. Aber auch in der Prävention, der Gesundheitsberatung, im Medikamentenmanagement und der Koordination verschiedener Behandlungsschritte kommen sie zum Einsatz.

„Der Arzt kann sich auf akute und schwere Fälle konzentrieren, alle anderen Hausbesuche kann eine VERAH übernehmen, ohne dass die Qualität der Versorgung darunter leidet“, sagt Dr. Berthold Dietsche, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg. Eine VERAH besitze darüber hinaus die notwendigen Qualifikationen, die an der Versorgung beteiligten Gesundheitseinrichtungen (beispielsweise Rehapraxen, Krankenhaus, Apotheke etc.) zu koordinieren. „Eine zielgerichtete, individuelle Versorgung chronisch kranker Patienten in hoher Qualität ist so möglich“, so Dietsche.

Um ihrer Aufgabe fachlich gerecht zu werden, werden an die Qualifikation der VERAH hohe Anforderungen gestellt. Medizinische Fachangestellte in der Hausarztpraxis müssen ein umfangreiches theoretisches und berufspraktisches Fortbildungsprogramm durchlaufen und eine Prüfung ablegen, bevor sie das entsprechende Zertifikat erhalten. Mittlerweile sind mehr als 1.500 VERAHs in Baden-Württemberg tätig.

Das Konzept geht auf: Eine wissenschaftliche Untersuchung des Instituts für Allgemeinmedizin der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main hat ergeben, dass durch den Einsatz von VERAH chronisch Kranke intensiver betreut werden und es zu einer arztentlastenden Umverteilung von Tätigkeiten innerhalb der Hausarztpraxis kommt. Die Studie belegt weiterhin, dass VERAH überdurchschnittlich oft in Landarztpraxen eingesetzt werden. „Die Konsequenz daraus ist unsere weitere Mobilitätsoffensive VERAHmobil“, sagt Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg.

Seit nunmehr einem Jahr können Arztpraxen für ihre VERAH ein Auto zu günstigen Konditionen leasen. Das Angebot kommt hervorragend an. Mittlerweile sind bereits mehr als 300 weiße VERAHmobile mit dem speziellen Schriftzug im Einsatz. „Praktisch jeden Tag ein neues VERAHmobil – schon allein das zeigt, dass wir mit diesem zusätzlichen Angebot für die niedergelassenen Ärzte richtig liegen“, so Hermann.

„Wir wissen, dass mehr als 75 Prozent der Praxen, die mittlerweile über ein VERAHmobil verfügen, in ländlichen Regionen liegen. Somit sind sie ein wirksamer Baustein in unsrer Initiative, die ärztliche Versorgung zu verbessern und einem Landärztemangel vorzubeugen“, erläutert Dr. Berthold Dietsche. „Unser Hausarztvertrag trägt, gemeinsam mit den angegliederten Facharztverträgen, dazu bei, die wohnortnahe ärztliche Versorgung langfristig auf einem hohen Niveau zu sichern“, ergänzt Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg. Er war einer der ersten Hausärzte, der das VERAHmobil für seine Praxis bestellt hat. „Für meine VERAH ist es ein zuverlässiges Auto mit hohem Wiedererkennungseffekt und den Patienten gefallen die Optik und die Idee.“

Der Vertrag zur Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) in Baden-Württemberg war bundesweit die erste Vereinbarung dieser Art, in der der Einsatz einer VERAH zur Versorgung chronisch kranker Patienten eigenständig vergütet wird. Auch die Vorteile, die VERAHmobil bietet, sind HZV-Praxen mit VERAH vorbehalten. „In keinem anderen Bundesland ist die Hausarztzentrierte Versorgung so weit entwickelt wie in Baden-Württemberg“, betont AOK-Vorstandsvorsitzender Hermann. Der Koalitionsvertrag sehe ausdrücklich auch die Stärkung von qualifizierten nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen vor. „Mit bedarfsgerechter Qualifikation, Weiterbildung und guten Arbeitsbedingungen haben wir in Baden-Württemberg bereits das auf den Weg gebracht, was die Bundesregierung nun vorhat“, so Hermann.

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