Erster Facharztvertrag für Orthopädie unterzeichnet

Schnellere Termine und gezieltere Versorgung bei Arthrose und Rückenschmerz

Datum: 25.07.2013 / Kategorie: AOK-Facharztprogramm

Stuttgart

Das bundesweit einmalige Facharztprogramm von AOK Baden-Württemberg und Bosch BKK wird jetzt aktuell um einen Vertrag im Bereich Orthopädie erweitert. Der Vertrag gilt nicht nur für Orthopäden, sondern auch für Chirurgen, die orthopädische Leistungen erbringen. Die Behandlung von Patienten mit Rückenschmerzen, Osteoporose und anderen Erkrankungen des Bewegungsapparates wird dadurch nachhaltig verbessert, sind sich die Vertragspartner – der Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU), der Berufsverband der niedergelassenen Chirurgen (BNC), AOK Baden-Württemberg, Bosch BKK und MEDI Baden-Württemberg – einig. Der jetzt unterzeichnete Vertrag ist so aufgebaut, dass Schwächen in der Regelversorgung wie fehlende Zeit für die Beratung der Patienten, mangelnde Behandlungskoordination und unnötige stationäre Eingriffe vermieden werden.

84 Prozent der Erwachsenen sind irgendwann in ihrem Leben von Rückenschmerz betroffen. Weitere häufige Erkrankungen sind Arthrose und Osteoporose. Doch: „Die Regelversorgung liefert nicht die passende Antwort auf die Herausforderungen, vor die die orthopädischen Volkskrankheiten das Gesundheitssystem stellen“, erklärt Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. „Allein die wachsende Zahl orthopädischer Operationen, die immer wieder für Schlagzeilen sorgen, ist ein Hinweis darauf.“ Hauptprobleme, die Hermann mit dem neuen, an das AOK-HausarztProgramm angegliederten Facharztvertrag angehen will, sieht er „in der mangelnden strukturierten Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten und einer durch falsche Vergütungsanreize motivierten ‚7-Minuten-Medizin‘.“

Reinhard Deinfelder, BVOU-Landesvorsitzender für Württemberg, bestätigt dies: „In der Regelversorgung fördert die Systematik der Vergütung für die Versorgung von orthopädischen Patienten eine apparative Diagnostik und Therapie und nicht die Beratung bzw. Motivation des Patienten". Er weist darauf hin, dass der Patient bei Beschwerdebildern wie dem unspezifischen Rückenschmerz durch Veränderungen seines Lebensstils maßgeblich Einfluss auf den Behandlungserfolg hat und eine gründliche, breitgefasste Anamnese zur richtigen Diagnosestellung unerlässlich ist.

„Die Vergütung im neuen Vertrag ist so aufgebaut, dass sich der teilnehmende Facharzt Zeit nehmen kann für eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung sowie eingehende Beratung“, erläutert Dr. Dieter Haack, Bundesvorsitzender des BNC. Entsprechende unterstützende Angebote wie z.B. Rückenkurse halten die AOK Baden-Württemberg und die Bosch BKK bereit.

Geregelt ist auch, an welchem Punkt der Hausarzt an die Fachärzte überweist und dass er dabei eine Befunddokumentation mit übermittelt. So kann der Orthopäde direkt an die Voruntersuchung und -behandlung durch den Hausarzt anknüpfen – was auch dem Patienten zugutekommt. Im Gegenzug bekommt der Hausarzt unmittelbar einen aussagefähigen Bericht zur Diagnosestellung und weiterführende Therapievorschläge.

„Mit dem Orthopädievertrag werden Diagnose und Behandlung neu ausgerichtet, nach der Maßgabe ‚gründlich und nachhaltig statt schnell und oberflächlich'", erklärt Dr. Johannes Flechtenmacher, BVOU-Landesvorsitzender für Baden. „Die Förderung der Eigeninitiative des Patienten, die gerade bei Erkrankungen des Bewegungsapparates entscheidend ist, erhält eine zentrale Bedeutung."

Die teilnehmenden Ärzte profitieren von einem angemessenen, am Versorgungsbedarf orientierten und planbaren Honorar. „Der Vertrag stärkt die konservative orthopädische Versorgung durch mehr Planungssicherheit und eine bessere Bezahlung der Praxen,“ erklärt Dr. Werner Baumgärtner, Vorsitzender von MEDI Baden-Württemberg. „Auch das ambulante Operieren wird gefördert, was uns wegen der teilnehmenden Chirurgen wichtig war. Auch in diesem Facharztvertrag streben die Vertragspartner ein Honorarplus von 30 Prozent an.“

Niedergelassene Orthopäden und Chirurgen in Baden-Württemberg können sich ab sofort in den Vertrag einschreiben. Sobald ein Quorum von landesweit 200 Orthopäden erreicht ist, kann die Einschreibung der Patienten beginnen. Teilnehmen können alle Versicherten der AOK Baden-Württemberg und der Bosch BKK, die in das HausarztProgramm eingeschrieben sind.

Um den Erfolg zu messen und den Ärzten ein Feedback zu geben, haben sich die Partner auf eine regelmäßige Evaluation des Vertrags auch unter Einbeziehung von Patientenbefragungen verständigt.

 

Die wichtigsten Fakten zum Orthopädie-Vertrag in Baden-Württemberg:

Vertragsabschluss: 22. Juli 2013

Start der Einschreibung von Orthopäden und Chirurgen: ab sofort

Start der Einschreibung von Versicherten: Quorum: mindestens 200

Orthopäden

Versorgungsschwerpunkte des Vertrags: Unspezifischer Rückenschmerz,

spezifischer Rückenschmerz, Arthrose, Osteoporose, Arthritis/ entzündliche

Gelenkerkrankungen

Niedergelassene Orthopäden in Baden-Württemberg: 641

Niedergelassene Chirurgen in Baden-Württemberg: 414

Zahl der Versicherten der AOK Baden-Württemberg: 3,9 Millionen,

davon eingeschrieben:

im AOK-HausarztProgramm: über 1,1 Millionen

im AOK-FacharztProgramm: rund 180 Tsd

Zahl der Bosch BKK-Versicherten in Baden-Württemberg: 103 Tsd

(bundesweit: 209 Tsd),

davon eingeschrieben:

im HausarztProgramm: rund 38.000

im FacharztProgramm: rund 1.800

 

Ansprechpartner AOK Baden-Württemberg:

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Telefon: 0711 2593-231

kurt.wesselsky@bw.aok.de

Ansprechpartner MEDI Baden-Württemberg:

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Telefon: 0711 806079-73

schuetz@medi-verbund.de

Ansprechpartner Bosch BKK:

Sonja Feihle (Pressesprecherin)

Telefon: 0711 811-30790

sonja.feihle@de.bosch.com

Ansprechpartner BVOU Württemberg bzw. Baden:

Reinhard Deinfelder (Landesvorsitzender Württemberg)

Telefon: 07162 25157

reinhard.deinfelder@t-online.de

Dr. Johannes Flechtenmacher (Landesvorsitzender Baden)

Telefon: 0721 920 9010

flechtenmacher@orthoclinic.de

Ansprechpartner BNC:

Dr. Dieter Haack (Vorsitzender)

Telefon: 0711 601 7600

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