Gruppentherapie in Baden-Württemberg auf dem Vormarsch

Der Facharztvertrag Psychiatrie/Neurologie/Psycho­therapie (PNP-Vertrag), den die AOK Baden-Württemberg und die Bosch BKK mit MEDI Baden-Württemberg und wesentlichen Berufsverbänden geschlossen haben, belegt erneut, wie Selektivverträge die Patientenversorgung verbessern: Die Zahl der eingeschriebenen Versicherten, die an den – medizinisch oft besonders effektiven – Gruppentherapien teilnehmen, hat sich im Vergleich zur Regelversorgung mittlerweile verfünffacht.Außerdem bekommen eingeschriebene Patienten bedeutend schneller einen Therapieplatz. Der PNP-Vertrag ist auch für teilnehmende Ärzte und Psychotherapeuten besonders lukrativ, wie aktuelle Ergebnisse zeigen

Datum: 15.07.2013 / Kategorie: AOK-Facharztprogramm

Stuttgart

Versicherte der AOK Baden-Württemberg und der Bosch BKK, die am Facharzt-Programm teilnehmen, erhalten nicht nur schneller eine geeignete Behandlung, sie haben auch besseren Zugang zur Gruppentherapie. Das zeigen aktuelle Auswertungen. Demnach ist der Anteil der gruppentherapeutischen Sitzungen im PNP-Vertrag seit Vertragsstart stetig angestiegen. Machten Gruppentherapie-Sitzungen im PNP-Vertrag im 4. Quartal 2012 bereits 4,15 Prozent der therapeutischen Sitzungen aus, stieg der Anteil im 1. Quartal 2013 auf 7,33 Prozent, im folgenden Quartal weiter auf 9 Prozent, während er in der Regelversorgung konstant bei 1,72 Prozent verbleibt. Damit nehmen eingeschriebene Versicherte rund fünfmal häufiger an Gruppentherapiesitzungen teil als Patienten in der Normalversorgung.

„Die Gruppentherapie ist bei verschiedenen Beschwerdebildern, beispielsweise Depressionen, eine besonders geeignete und effektive therapeutische Maßnahme“, erklärt Diplom-Psychologe Rolf Wachendorf, Vorsitzender der Freien Liste der Psychotherapeuten in Baden-Württemberg. „Die Patienten bauen Vertrauen zueinander auf, lernen voneinander und werden in ihrer sozialen Kompetenz gestärkt“, erläutert er. Daher sei es wichtig, dieses therapeutische Instrument auch zu nutzen. In der Regelversorgung werde sie im ambulanten Bereich jedoch kaum angeboten. Zu groß seien Aufwand und bürokratische Hürden.

„Die Gruppentherapie ermöglicht, je nach Methode oder Technik, eine flexible Behandlung. Viele depressive Patienten werden zu schnell wirkenden Maßnahmen hingeführt. Darüber hinaus können Panikstörungen bei Patienten, die ansonsten lange auf Behandlung warten, effektiv therapiert und Angehörige parallel zu unterstützendem Verhalten angeleitet werden“, fügt der Landesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), Dr. Alessandro Cavicchioli, hinzu. Die Behandlung wird auf die therapeutischen Bedürfnisse jedes Patienten maßgeschneidert. Dass dies der richtige Weg ist, zeigt, dass die im PNP-Vertrag erstmalig eingeführte Möglichkeit der kleinen Gruppen bei tiefenpsychologisch orientierten Verfahren auch in die Regelversorgung aufgenommen wurde. „Darauf sind wir besonders stolz“, so Cavicchioli.

Das liegt daran, dass das Gutachter- beziehungsweise Antragsverfahren, das in der Regelversorgung dem Therapiebeginn vorgeschaltet ist, im PNP-Vertrag nicht besteht. Ohne dieses bürokratische Verfahren, das die Erstellung eines separaten Gutachtens für jeden Patienten impliziert, ist es deutlich einfacher, eine Gruppe von Patienten für den zeitgleichen Therapiebeginn zusammenzustellen. „Generell kann die Therapie ohne das aufwändige Antragsverfahren schneller beginnen, was auch von den Patienten als große Erleichterung empfunden wird“, berichtet Dr. Christopher Hermann, Vorstandvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. „Während andere Kassen und die Politik den stetigen Anstieg der Fehltage durch psychische Erkrankungen beklagen, erweitern wir die Therapieoptionen und sorgen dafür, dass Betroffene schnellen Zugang zu einer effektiven Behandlung erhalten“, ergänzt Bernhard Mohr, Vorstand der Bosch BKK.

Zudem wurden die Abrechnungsmöglichkeiten der Gruppentherapie erweitert. So können Therapeuten die Gruppentherapie zusätzlich zur Einzeltherapie erbringen und abrechnen, was in der Regelversorgung nicht der Fall ist. Auf diese Weise kann der Therapeut verschiedene Therapieoptionen nebeneinander nutzen und feststellen, welche im jeweiligen Fall die geeignetste ist. Außerdem dürfen die Vertragsteilnehmer die Gruppentherapie bereits während ihrer Fortbildung durchführen, wenn für entsprechende Supervision gesorgt ist.

Psychotherapeuten, die am Vertrag teilnehmen, können sich außerdem über eine höhere Vergütung freuen. Im Vergleich zur Regelversorgung erreichten sie im ersten Quartal 2013 einen durchschnittlichen Fallwert von 555 Euro gegenüber 357 Euro in der Regelversorgung – also fast 55 Prozent mehr Honorar.

Vertrag beschert auch Ärzten deutliches Honorar-Plus

Nachdem am 1. Januar die Module Psychiatrie und Neurologie des PNP-Vertrags angelaufen sind, liegen zwischenzeitlich auch die ersten Abrechnungsergebnisse des 1. Quartals 2013 für die Mediziner vor. Dabei können sich die teilnehmenden Ärzte über gute Resultate freuen: Im Bereich Psychiatrie betrugen die durchschnittlichen Fallwerte 127 Euro gegenüber 82,44 Euro in der Regelversorgung. Hier erhielten teilnehmende Mediziner also bis zu 50 Prozent mehr als ihre Kollegen in der Normalversorgung. Im Bereich Neurologie betrugen die Fallwerte 95 Euro statt 69,65 Euro in der Regelversorgung (über 35 Prozent mehr) und im Bereich Nervenheilkunde 105 Euro gegenüber 74,90 Euro (über 40 Prozent mehr). „Die Vertragsteilnehmer bekommen eine feste und höhere Vergütung, es gibt keine Umverteilung, keine Mengen- und Fallzahlbegrenzung und kein Regelleistungsvolumen. Stattdessen haben die Kolleginnen und Kollegen Planungssicherheit, weil jeder abgerechnete Fall bezahlt wird und der PNP-Vertrag auf mindestens fünf Jahre angelegt ist“, erklärt der Vorsitzende von MEDI Baden-Württemberg, Dr. Werner Baumgärtner.

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