Lungenkrebs holt Brustkrebs als Todesursache bei Frauen ein

Weniger jugendliche Raucher / Positive Entwicklung in der Krebstherapie

Datum: 30.05.2016 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Stuttgart

Die Sterblichkeit aufgrund von Krebserkrankungen sinkt europaweit und auch in Deutschland. Mit einer Ausnahme: Die Zahl der Frauen, die neu an Lungenkrebs erkranken, und die Zahl derer, die daran sterben, steigt weiter deutlich an. Traurige Bilanz: Betrachtet man die altersstandardisierten Zahlen, hat die Erkrankung Brustkrebs bei den Todesursachen von Frauen in Deutschland eingeholt (Deutsches Krebsforschungszentrum). Eine Erhebung* der Versichertendaten der AOK Baden-Württemberg belegt jetzt, dass die Lungenkrebs-Neuerkrankungsrate bei Frauen seit 2009 jährlich durchschnittlich um 0,4 Prozent stieg, während die Brustkrebsrate im gleichen Zeitraum um 2,5 Prozent sank. Das teilte die Gesundheitskasse im Vorfeld des Welt-Nichtrauchertages (31. Mai 2016) heute mit und macht auf ihre Kurse zur Raucherentwöhnung aufmerksam. Positiv entwickelt sich dagegen das Rauchverhalten bei Jugendlichen, die seltener rauchen als je zuvor, und auch in der Krebstherapie gibt es neue Ansätze im Kampf gegen den Krebs.

Das Robert Koch-Institut sagt für 2016 insgesamt 55.300 Neuerkrankungen an Lungen- und Luftröhrenkrebs voraus. Obgleich Männer (35.000) insgesamt häufiger betroffen sind als Frauen (20.300), entwickeln sich die Zahlen gegenläufig: Bei den Männern gibt es einen Rückgang, bei den Frauen einen kontinuierlichen Anstieg. „Auch unsere Zahlen belegen diesen Trend“, sagt Privatdozentin Dr. Sabine Knapstein, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg. „Im Zeitraum von sechs Jahren konnten wir bei Männern einen jährlichen Rückgang um durchschnittlich 1,4 Prozent feststellen, wohingegen bei Frauen die Neuerkrankungen jährlich um 0,4 Prozent gestiegen sind.“

„Hier zeigen sich veränderte Rauchgewohnheiten, denn Rauchen ist nach wie vor das Hauptrisiko für Lungenkrebs“, so Knapstein weiter. „Frauen geben das Rauchen seltener auf als Männer, und insbesondere im Alter zwischen 25 und 69 Jahren ist der Anteil der Raucherinnen sehr hoch und stieg bis 2003 kontinuierlich an.“ Ein Rauchstopp lohnt sich, da das Krebsrisiko danach langsam sinkt und sich nach 15 Jahren dem Risiko eines Nichtrauchers nähert. Die AOK bietet ihren Mitgliedern daher Kurse zur Raucherentwöhnung an und beteiligt sich an Kampagnen für das Nichtrauchen - zum Beispiel an der Aktion „Be smart, dont´t start“ in Zusammenarbeit mit vielen Schulen. Bei der chronisch obstruktiven Bronchitis (COPD) schlägt sich das Rauchverhalten ebenfalls sichtbar negativ nieder: Im Gegensatz zu früher sind heute mehrheitlich Frauen betroffen und die entsprechende Sterblichkeitsrate hat sich seit 1980 verdoppelt. Für COPD-Patienten bietet die Südwest-AOK das Behandlungsprogramm AOK-Curaplan COPD an.

Positive Entwicklungen zeigen sich bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen (12 bis 17 Jahren): Der Anteil der Raucher – egal ob weiblich oder männlich – ist nach aktuellen Angaben der Bundesregierung so niedrig wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1970er Jahren. Neue Hoffnung im Kampf gegen den Krebs macht auch die so genannte Immuntherapie, die zurzeit intensiv in Studien untersucht wird und auch gegen Formen von Lungenkrebs helfen kann. Ansatzpunkt ist, dass Tumorzellen sich oft verstecken und tarnen: So täuschen bösartige Zellen durch bestimmte Eiweiße auf ihrer Oberfläche vor, dass es sich bei ihnen um gesundes Gewebe handle, das von der Immunabwehr nicht angegriffen werden darf. Im Rahmen der Therapie werden diese Eiweiße blockiert, damit die Immunzellen den Krebs wieder erkennen und bekämpfen können. Wirksamkeit und insbesondere die Sicherheit der Anwendung müssen noch besser erforscht werden. Denn laut Krebsinformationsdienst spricht nicht jeder Krebspatient gut auf die Immuntherapie an. Insbesondere eine Heilung sollte nach derzeitigem Wissensstand nicht erwartet werden. Bei einem Teil der Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs könnte die Erkrankung jedoch für einen längeren Zeitraum unter Kontrolle gehalten werden. Auch die Nebenwirkungen sollten beachtet werden.

* Betrachtet wurden die Neuerkrankungen von Lungenkrebs und Brustkrebs in den Jahren 2009-2014. Im Jahr 2014 sind ca. 2.900 AOK-Versicherte neu an Lungenkrebs erkrankt. Dies entspricht einer altersstandardisierten Neuerkrankungsrate von 46,8 Erkrankten pro 100.000 Versicherten. Frauen sind seltener betroffen (altersstandardisierte Inzidenzrate: 28,8 pro 100.000) als Männer (70 pro 100.000). Bei Männern liegt der durchschnittliche jährliche Rückgang bei den Neuerkrankungen bei 1,4%, wohingegen bei Frauen eine durchschnittliche jährliche Steigerung der Neuerkrankungen um 0,4% zu beobachten ist.

Im Jahr 2014 sind ca. 3.700 weibliche AOK-Versicherte neu an Brustkrebs erkrankt. Dies entspricht einer altersstandardisierten Neuerkrankungsrate von 124,2 neu erkrankten Frauen pro 100.000 weiblichen Versicherten. Die Neuerkrankungen an Brustkrebs sind seit 2009 zurückgegangen, und zwar um durchschnittlich 2,5% pro Jahr bei den weiblichen Versicherten.

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