Konsequente Reha könnte deutscher Volkswirtschaft 500 Millionen Euro sparen

Rehabilitation kann Erwerbsminderung verhindern und Altersarmut entgegenwirken

Datum: 13.04.2018 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Stuttgart

Allein die orthopädische Rehabilitation bei Rückenschmerzen könnte die Steuer- und Beitragszahler in Deutschland jährlich um fast eine halbe Milliarde Euro entlasten. Dies belegt eine aktuelle Studie der AOK Baden-Württemberg, der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg (DRV) und des Instituts für Rehabilitationsmedizinische Forschung an der Universität Ulm (IFR Ulm). Erstmals konnten so die positiven finanziellen Effekte von Reha auf die deutsche Volkswirtschaft beziffert werden. „Immer noch wird Rehabilitation hier und da belächelt“, so Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. „Nun ist definitiv belegt: Wer sich für eine Reha entscheidet, handelt sich selbst, seinem Arbeitgeber und der gesamten Gesellschaft gegenüber höchst verantwortungsbewusst.“

 


Der wissenschaftliche Vergleich zeigt: Menschen mit chronischen Rückenschmerzen, die an einer Rehabilitation teilnehmen, stabilisieren ihre Gesundheit spürbar. So weisen sie in den ersten beiden Jahren nach der Reha im Schnitt 14 Krankheitstage weniger auf als diejenigen, die bei gleicher Diagnose auf eine Reha verzichten. Zudem müssen sie wesentlich seltener im Krankenhaus behandelt werden. „Zwar liegen die Behandlungskosten des Einzelnen durch eine Rehabilitationsmaßnahme zunächst höher als ohne. Diese Mehrkosten werden aber durch weniger Arbeitsunfähigkeitstage und weniger Krankenhausbehandlungen in den folgenden zwei Jahren mehr als aufgewogen“, erklärt Dr. Rainer Kaluscha vom IFR Ulm. Insgesamt mache die Reha die Menschen also nicht nur gesünder, sie senke auch die Krankheitskosten um mehr als 700 Euro je Patient.

 


Umdenken bei Politik und Unternehmen erhofft

„Endlich ist der wissenschaftliche Nachweis erbracht, dass Rehabilitation nicht nur einen gesamtgesellschaftlichen Beitrag in der Versorgung kranker Menschen leistet. Durch sie kann ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben vermieden und damit Altersarmut entgegengewirkt werden“, betont Andreas Schwarz, Erster Direktor der DRV Baden-Württemberg. Diese Erkenntnis führe hoffentlich zu einem positiven Umdenken bei Politik und Unternehmen. „Dass die Reha oft langjährige Krankheitsverläufe positiv beeinflusst, hören wir täglich von unseren Patienten. Dass sich dieser Effekt aber so nachhaltig auf das Gesundheitssystem auswirkt, hat uns alle überrascht“, sagt Prof. Dr. Gert Krischak, Leiter des IFR Ulm und Chefarzt der Federseeklinik in Bad Buchau.

 


Zusatzinformationen an die Redaktionen:

Die vorliegende Studie vergleicht die Krankheitsverläufe von mehr als 36.000 Patientinnen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, von denen rund 2.500 eine Reha-Maßnahme in Anspruch nahmen. Durchgeführt wurde sie vom IFR Ulm. Sie basiert auf anonymisierten Datensätzen der AOK Baden-Württemberg, der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg und der Deutschen Rentenversicherung Bund, die Krankheitsverläufe von rund einer Million Versicherten über zehn Jahre enthalten. Studienleiter Prof. Dr. Gert Krischak, Leiter des IFR, und seine Mitarbeiterin Dr. Lena Tepohl erhielten für diese Forschungsarbeit den Preis für Rehabilitationsforschung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie.

 

Die Pressemitteilung wurde wortgleich auch von der DRV Baden-Württemberg verteilt.

 

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