Krankenhäuser im Geldregen? AOK Baden-Württemberg zahlt erneut über 85 Millionen Euro mehr an Krankenhäuser

Auch ohne die angekündigten Finanzspritzen der Politik steigen Krankenhauserlöse kräftig

Datum: 02.04.2013 / Kategorie: Krankenhäuser

Stuttgart

Ab April steigt die Vergütung für die über 180 Krankenhäuser in Baden-Württemberg deutlich an: „Die Krankenhäuser erhalten 2013 allein von der AOK Baden-Württemberg über 85 Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr“, sagt Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. Dies ist das Ergebnis der Verhandlungen über den Landesbasisfallwert zwischen den Krankenkassen im Land und der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft. „Die Krankenhäuser bekommen dieses Jahr die stattliche Summe von fast 8 Milliarden Euro von den Krankenkassen, die AOK Baden-Württemberg trägt daran mit über 3,5 Milliarden Euro den Löwenanteil“, so Hermann weiter.

„Wirtschaftlich agierende Krankenhäuser können mit diesem Landesbasisfallwert eine exzellente Krankenhausversorgung anbieten“, erläutert Hermann. Auch die kürzlich vereinbarte Tariferhöhung für die Ärzte der kommunalen Krankenhäuser sei hierin berücksichtigt. „Trotz noch ausstehender Vereinbarungen einzelner Bundesländer ist absehbar, dass 2013 in Baden-Württemberg der dritthöchste Preis für Krankenhausbehandlung im bundesweiten Vergleich bezahlt wird“, betont Hermann. Somit seien die Krankenhäuser in Baden-Württemberg finanziell sehr gut aufgestellt.

Warum die Krankenhäuser dennoch über Unterfinanzierung klagen, erklärt Hermann mit grundsätzlichen Strukturproblemen: „Das seit 2003 sukzessiv eingeführte Fallpauschalensystem ist darauf angelegt, den Krankenhausmarkt in Bewegung zu bringen, um so Krankenhausbehandlungen – auch künftig – in guter Qualität und zu bezahlbaren Preisen anbieten zu können. Konkret heißt das, dass jeder Krankenhausstandort auf dem Prüfstand steht: Ist er notwendig, ist er in dieser Form wirtschaftlich?“ Es brauche an dieser Stelle eine ehrliche politische Diskussion darüber, wie begrenzte Ressourcen optimal zum Wohle der Patienten eingesetzt werden sollen. Einfach Geld über die gesamte Krankenhauslandschaft „regnen“ zu lassen, wie es die Bundesregierung jüngst erneut ankündigte, könne keine Lösung sein.

Weiteren Handlungsbedarf sieht Hermann bei der Investitionskostenfinanzierung. So forderte bereits eine noch unter der Vorgängerregierung eingesetzte Expertenkomission, dass ein Krankenhaus mindestens 10 Prozent des Umsatzes für Investitionen benötige. Bei einem Umsatz aller Krankenhäuser von ca. 8 Mrd. Euro allein durch die gesetzliche Krankenversicherung, wären also jährliche Investitionen von mindestens 800 Mio. Euro notwendig. Tatsächlich hat das Land aber in den letzten Jahren im Durchschnitt nur 322 Mio. Euro an Investitionsmitteln zur Verfügung gestellt. Die jetzige Landesregierung hat dieses Problem zwar erkannt, kann aber auch nur knapp die Hälfte der benötigten Mittel zur Verfügung stellen. Für Hermann ist klar: „Die von den Krankenhäusern ausgerufene Krise, hat sich schon lange abgezeichnet.“

Trotz dieser offensichtlich bestehenden Probleme können die Versicherten auch weiterhin eine gute Krankenhausversorgung in Baden-Württemberg erwarten. „Wir dürfen aber nicht die Augen davor verschließen, dass einen langfristige Sicherstellung von hoher Qualität und guter Versorgung zwingend auf nötige Strukturreformen angewiesen ist“, so der AOK Vorstandschef.

Hinweis für die Redaktionen:

Der zahlbare Landesbasisfallwert wird zum 01.04.2013 um 2,8 Prozent von 3.036,13 Euro auf 3.121,04 Euro erhöht. Auf ihm beruhen die sogenannten Fallpauschalen, die maßgeblich für die Abrechnungen sind. Dadurch erhalten die Krankenhäuser durchschnittlich mehr Geld pro Behandlung von den gesetzlichen Krankenkassen.

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