Krankenhausnavigator verdeutlicht Qualitätsunterschiede in den Kliniken in Baden-Württemberg

Knie, Hüfte, Gallenblase: AOK-Untersuchung zeigt die besten Krankenhäuser im Land

Datum: 26.10.2012 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Stuttgart

Stuttgart. In Baden-Württembergs Kliniken gibt es weiterhin deutliche Qualitätsunterschiede. Das geht aus einer Auswertung von Behandlungsergebnissen für planbare Operationen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor. Ausgewertet wurden Eingriffe wegen Arthrose an Hüft- und Kniegelenken, Hüftoperationen wegen eines Oberschenkelhalsbruchs und Operationen an der Gallenblase. Die aktuellen Informationen finden Patientinnen und Patienten ab sofort im Internet unter www.aok-gesundheitsnavi.de.

„Unsere Versicherten erhalten damit eine valide Entscheidungshilfe. So können sie sich selbst ein Bild über die Qualität in den Krankenhäusern machen. Die Patientinnen und Patienten können klar erkennen, welche Komplikationsrate die ausgewählte Klinik bei der jeweiligen Indikation aufweist“, sagt Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg.

Je nach Operationsgebiet wurden in baden-württembergischen Krankenhäusern bis zu 883 AOK-Behandlungsfälle mit einem systematischen Verfahren, der Qualitätssicherung mit Routinedaten (QSR-Verfahren), auf das Auftreten von Komplikationen untersucht. Bundesweit flossen jeweils rund 150.000 Fälle von Hüft- und Kniegelenkersatz-Operationen sowie für Gallenblasenentfernungen und für Eingriffe bei einem Oberschenkelhalsbruch in jeweils rund 1000 Krankenhäusern in die Auswertung ein. Dabei wurden die Behandlungsergebnisse bei AOK-Patienten in den Jahren 2008 bis 2010 ausgewertet.

Ergebnis: Während das beste Viertel der Krankenhäuser in Baden-Württemberg beispielsweise für das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks nach Gelenkverschleiß eine Revisionsrate von rund zwei Prozent im Lauf eines Jahres aufweist, sind es bei den 25 Prozent der Kliniken mit den meisten Komplikationen mehr als fünf Prozent.

Ebenfalls große Unterschiede zwischen den Kliniken im Land zeigen sich bei der Betrachtung weiterer Komplikationen. So ergab die Zusammenfassung von chirurgischen Komplikationen, Revisionen, Frakturen der Hüfte, Thrombosen/Lungenembolien und Tod bei dem Viertel der Krankenhäuser mit den besten Raten eine Komplikationsquote von 8,0 Prozent, beim Viertel mit den höchsten Raten aber von fast 14,5 Prozent. Die aktuellen Komplikationsraten der AOK-Patienten betragen bei der Implantation von Kniegelenksendoprothesen 8,4 Prozent, bei elektiven Hüftgelenksendoprothesen 11,5 Prozent, bei Gallenblasenentfernungen 10,5 Prozent und bei Prothesen nach einem Oberschenkelhalsbruch sogar 24,0 Prozent.

Das QSR-Verfahren nutzt Abrechnungsdaten von Kliniken und Stammdaten der AOK und wertet diese aus. Derzeit sind die Informationen für die Indikationen Hüftendoprothesen, Knie-Totalendoprothesen, Oberschenkelhalsbruch und Gallenblasen-Entfernungen öffentlich verfügbar. Für Hüft- und Kniegelenkersatzoperationen werden die QSR-Indikatoren seit 2010 im Internet veröffentlicht, für Gallenblasenentfernungen seit 2011.

Hintergrund:

Im Internet können sich Patientinnen und Patienten anhand verständlich aufbereiteter Daten schnell einen Überblick verschaffen. Dort sind die einzelnen Indikatoren der Bewertung zu einer Gesamtbewertung zusammengefasst und anhand von Symbolen, die Lebensbäume darstellen, kenntlich gemacht. Je nach der Gesamtqualität der Behandlung kann ein Krankenhaus ein, zwei oder drei Lebensbaumsymbole für unterdurchschnittliche, durchschnittliche oder überdurchschnittliche Qualität erhalten.

Das Besondere an QSR ist die konsequente Berücksichtigung aller Krankenhausbehandlungen von Patienten bis zu einem Jahr nach dem ersten Eingriff. Zur Berechnung der Qualitätsindikatoren werden Abrechnungs- beziehungsweise Routinedaten verwendet. Solche Routinedaten von Patienten übermitteln die Krankenhäuser automatisch an die Krankenkassen, um eine Behandlung in Rechnung zu stellen. Einen Teil dieser Daten wertet das WIdO für bestimmte Krankheitsbilder in anonymisierter Form aus und analysiert Art und Anzahl der aufgetretenen Komplikationen während und nach dem Krankenhausaufenthalt. Ein aufwendiges statistisches Verfahren, das unter anderem das Alter, das Geschlecht und Begleiterkrankungen von Patienten berücksichtigt, sorgt darüber hinaus für einen fairen Krankenhausvergleich.

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