Nahrungsmittelallergien nehmen immer mehr zu

AOK: Richtige Ernährung in den ersten Lebensjahren ist ein wichtiger Schutz

Datum: 23.06.2010 / Kategorie: Gesundheitstipps

Stuttgart

Wer sich in den Kühlregalen eines Supermarktes umschaut, entdeckt immer häufiger laktosefreie Nahrungsmittelprodukte – eines der Indizien dafür, dass Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten (sog. Intoleranzen) weiter zunehmen. Expertenschätzungen zufolge leiden in Deutschland inzwischen schon rund 10 Prozent der Menschen, darunter vor allem Kinder, an einer Allergie oder Intoleranz gegen Lebensmittel bzw. Nahrungsbestandteile und/oder darin enthaltene Zusatzstoffe (Farb- und Konservierungsmittel, Emulgatoren oder auch Rückstände von Pestiziden und Antibiotika usw.). Am häufigsten verbreitet in Deutschland ist die Allergie gegen Milch und Eiweiß.

Die Symptome einer Nahrungsmittelreaktion sind vielfältig und führen die Betroffenen nicht immer auf die richtige Spur. Dr. med. Martin Lay, Arzt für Allgemeinmedizin und beratender Arzt der AOK Baden-Württemberg: „Am häufigsten klagen Patienten über Verdauungsbeschwerden, wie Bauchkrämpfe und Brechen und Durchfall. Eine Allergie kann sich aber auch durch Irritationen der Haut – Juckreiz, Ekzeme usw. – oder Reizungen der Atemwege – Husten, Atemnot usw. – äußern. Im schlimmsten Fall kann es unmittelbar nach Nahrungsaufnahme zum sog. anaphylaktischen Schock kommen. Symptome dieses lebensbedrohlichen Kreislaufschocks sind u.a. starker Blutdruckabfall, Herzrasen, Atemnot und Schüttelfrost. Dann muss sofort ein Notarzt gerufen werden.“ Auswertungen der AOK zufolge mussten in den Jahren 2008 und 2009 rund 100 AOK-Versicherte in Baden-Württemberg wegen eines anaphylaktischen Schocks stationär behandelt werden. Insgesamt erhielten in diesem Zeitraum über 400 AOK-Patienten eine Krankenhausbehandlung wegen einer Nahrungsmittelallergie. Die Behandlungskosten beliefen sich auf rund 380.000 Euro.

Bisher gibt es keine kausale Therapie gegen Nahrungsmittelallergien. Mit anderen Worten: Wer gegen bestimmte Lebensmittel bzw. Lebensmittelinhaltsstoffe allergisch ist, muss diese in Zukunft meiden. Bei der Entstehung einer Lebensmittelallergie können neben erblicher Veranlagung auch andere Faktoren eine Rolle spielen, wie zum Beispiel Allergenkontakte und Infektionen. Auf jeden Fall muss eine Sensibilisierung stattgefunden haben.

Eine ganz wichtige Rolle spielt aber die Ernährung in der frühen Kindheit. AOK-Ernährungsberaterin Maria Baur: „Prävention beginnt bei Nahrungsmittelallergien direkt nach der Geburt. Den vielleicht wichtigsten Schutz – auch gegen andere Allergien – bietet das ausschließliche Stillen in den ersten vier Lebensmonaten. Außerdem sollte man im ersten Lebensjahr die Zahl der Lebensmittel möglichst gering halten, vor allem auch wenig Zucker geben, und maximal ein neues Lebensmittel pro Woche einführen. Auf diese Weise kann man auch besser erkennen, welches Lebensmittel der Verursacher ist, falls ein Kind empfindlich reagiert. Bei Gemüse und Obst sollte man auf einheimische Sorten zurückgreifen. Gut verträgliche Gemüsesorten sind Möhren, Broccoli, Blumenkohl, Zucchini, bei Obst empfehlen sich vor allem Apfel und Birne. Sehr geeignet sind darüber hinaus auch Kartoffeln – enthalten viel Vitamin C – und Rindfleisch zur Eisenversorgung. Ein Brei sollte grundsätzlich nicht mehr als vier – bereits in den Speiseplan eingeführte – Zutaten enthalten. Die Zugabe von exotischen Früchten oder Gewürzen sollte grundsätzlich vermieden werden.“

Für die Ernährung Erwachsener gibt die AOK-Ernährungsberaterin die Devise mit: „Speisen nach Möglichkeit selbst zubereiten und auf Fertigprodukte verzichten. Fertigprodukte sind in der Regel sehr komplexe Lebensmittel, und je mehr Inhalts- und Zusatzstoffe ein Lebensmittel enthält, um so größer ist auf Dauer auch bei – bisherigen – Nicht-Allergikern das Risiko einer allergischen Reaktion oder Intoleranz. Und Allergiker sollten daran denken, dass Fertigprodukte nicht gekennzeichnete bzw. nicht erkennbare Allergie-auslösende Bestandteile enthalten können – sog. ‚versteckte Allergene’.“

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