Neue Diagnosemethode bewahrt Herzpatienten vor unnötigen Eingriffen

Die Vertragspartner AOK Baden-Württemberg, Bosch BKK, MEDI Baden-Württemberg, Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) und Berufsverband niedergelassener fachärztlich tätiger Internisten (BNFI) haben sich darauf geeinigt, dass den am Vertrag teilnehmenden Kardiologen Materialkosten für die so genannte Druckdrahtmessung bei eingeschriebenen Patienten erstattet werden.

Datum: 27.06.2013 / Kategorie: AOK-Facharztprogramm

Stuttgart

Ab 1. Juli 2013 soll eine neue Vereinbarung im Facharztvertrag Kardiologie Baden-Württemberg Herzpatienten vor unnötigen Eingriffen bewahren. Mit der Untersuchungsmethode lässt sich feststellen, ob eine Stentimplantation nötig ist.

Eine qualitativ hochwertige und effiziente fachärztliche Versorgung von Herz-Kreislauf-Patienten - das ist das erklärte Ziel des AOK-Facharztvertrages Kardiologie im Südwesten, dem Anfang 2012 auch die Bosch BKK beigetreten ist. Dem trägt die neue Vereinbarung der Vertragspartner Rechnung, die zum 1. Juli 2013 greift: Der Druckdraht für die Druckdrahtmessung im Rahmen einer diagnostischen Herzkatheteruntersuchung wird künftig im Rahmen des Vertrages erstattet. Voraussetzung für die Abrechnung ist, dass es keinen nichtinvasiven Nachweis einer Minderdurchblutung des Herzmuskels gibt und bei der Herzkatheteruntersuchung mit herkömmlichen Methoden nicht zuverlässig festgestellt werden kann, ob eine Stentimplantation notwendig ist. Im Kollektivvertragssystem gibt es für den Druckdraht keine Abrechnungsmöglichkeit.

Der BNK-BW-Vorsitzende PD Dr. Ralph Bosch hofft, dass die neue Vereinbarung zur Verbreitung der Druckdrahtmessung beiträgt. "Der Nutzen dieses Verfahrens wurde bereits 2009 in einer groß angelegten europäisch-amerikanischen Untersuchung, der FAME-Studie(1) belegt. Die Druckdrahtmessung beziehungsweise Messung der fraktionalen Flussreserve (FFR) wurde 2010 in die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie aufgenommen. Dennoch wird sie nicht flächendeckend angeboten, weil der Arzt, beziehungsweise die Klinik, dabei oft auf Kosten sitzen bleibt. Die Vereinbarung zur Kostenübernahme für den Druckdraht im Facharztvertrag Kardiologie Baden-Württemberg ist hier ein wichtiger Schritt nach vorne und ermöglicht es den Kardiologen, bei leitlinienkonformer Indikation diese effektive Untersuchungsmethode wirtschaftlich zu erbringen", erklärt der BNK-BW-Vorsitzende.

"Wir können bei unseren Facharztverträgen medizinische Neuerungen schneller einführen, als das im KV-System möglich ist, und diese auch bezahlen", kommentiert Dr. Werner Baumgärtner, Vorsitzender von MEDI Baden-Württemberg. "Fachärzte, die ihren Patienten eine effektive und leitlinienkonforme Diagnostik anbieten, dürfen nicht bei der Vergütung benachteiligt werden, indem sie die Materialkosten aus eigener Tasche zahlen müssen."

Für Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, ist die neue Vereinbarung eine konsequente Weiterentwicklung des Facharztvertrages Kardiologie: "Wenn wir durch die Vereinbarung erreichen, dass die Druckdrahtmessung standardmäßig bei ansonsten nicht sicher beurteilbaren grenzwertigen Koronarstenosen eingesetzt wird, verbessern wir die Versorgung, indem wir die Patienten vor unnötigen Eingriffen bewahren. Für die Versicherten bedeutet das: Sie bekommen genau das, was sie wirklich brauchen."

Zum Hintergrund: Zur Standardbehandlung bei Verengungen (Stenosen) der Herzkranzgefäße gehört die Stentimplantation. Dabei wird die verengte Stelle mit einer eingesetzten Gefäßstütze in Form eines Röhrchens geweitet. Auf diese Weise sollen Durchblutungsstörungen beseitigt werden, die durch die Verengung verursacht wurden. Aber längst nicht alle Gefäßverengungen führen zu einer

Durchblutungsstörung, zu deren Therapie eine Stentimplantation notwendig ist. Das zeigt die 2009 veröffentlichte FAME-Studie.

Die Untersuchung zeigt auch, dass sich mit Hilfe der Druckdrahtmessung gezielt feststellen lässt, wann eine Stentimplantation notwendig ist. Dabei wird der Druckdraht, ein sehr feiner Draht mit einem Drucksensor an seinem vorderen Ende, über den Herzkatheter bis zur Engstelle geführt. Durch eine Druckmessung vor und hinter der Engstelle wird die fraktionale Flussreserve (FFR) ermittelt. Diese Kennzahl gibt an, ob und wie sehr der Blutfluss durch die Engstelle beeinträchtigt ist: In einem gesunden Gefäß liegt der Wert bei 1. Erst ab einem Wert von 0,75 bis 0,80 ist der Einsatz eines Stents sinnvoll, wie die FAME-Studie belegt. Außerdem belegt die Studie, dass sich mit Hilfe dieser Diagnosemethode insgesamt erhebliche Kosten einsparen lassen, da sich die Zahl der Stentimplantationen um 30 Prozent senken lässt.

(1) veröffentlicht im New England Journal of Medicine (NEJM 2009; 360: 213-224)

(http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa0807611)

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Vertragspartner

  • AOK Baden-Württemberg
  • Bosch BKK
  • MEDI Baden-Württemberg
  • MEDIVERBUND AG
  • Bundesverband Niedergelassener Kardiologen e.V. (BNK) in enger Abstimmung mit dem Berufsverband Niedergelassener fachärztlich tätiger Internisten e.V. (BNFI)

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