Neuer Versorgungsansatz in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

AOK Baden-Württemberg und Universitätsklinikum Tübingen vereinbaren einzigartiges Modellvorhaben.

Datum: 29.09.2017 / Kategorie: Kindergesundheit

Am 1. Oktober 2017 starten die AOK Baden-Württemberg, die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) als Landwirtschaftliche Krankenkasse und das Universitätsklinikum Tübingen ein bundesweit einmaliges Modellvorhaben, um die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit schweren psychischen Störungen zu verbessern. Im Jahr 2016 wurden ca. 2.500 bei der AOK Baden-Württemberg versicherte Kinder und Jugendliche stationär in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik behandelt. 42 Prozent von ihnen waren dabei sogar länger als sechs Wochen im Krankenhaus. „Gerade für Heranwachsende mit schweren psychischen Störungen ist es von zentraler Wichtigkeit, zeitnah in ein selbstbestimmtes Leben zurückzufinden. Dabei ist der Übergang aus dem stationären Aufenthalt in die soziale Lebenswelt eine extrem sensible Phase. Hier setzt das Modell an und ermöglicht insbesondere eine therapeutisch intensiv begleitete Rückkehr in den Alltag draußen“, betont Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die aufgrund schwerer psychischer Probleme oder Störungen stationär behandelt werden, steigt stetig an. So werden im Vergleich zum Jahr 2011 inzwischen 19 Prozent mehr AOK-Versicherte in eine Kinder- und Jugendpsychiatrie aufgenommen. Besorgniserregend ist die hohe Zahl an Notaufnahmen. Diese lag 2016 in Baden-Württemberg bei durchschnittlich
51 Prozent, am Universitätsklinikum Tübingen sogar bei 76 Prozent. 2016 wurden in der Notaufnahme der Tübinger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter so viele Kinder und Jugendliche behandelt, wie nie zuvor.

In der nun startenden Modellversorgung erhalten die Kinder und Jugendlichen im Anschluss an eine möglichst verkürzte vollstationäre Behandlung eine „Therapeutische Intensivbehandlung im Ambulanten Setting“ (TIBAS). „Diese neue ambulante Intensivbehandlung hat das Ziel, bei umfassender therapeutischer Versorgung betroffenen Kindern und Jugendlichen schneller eine Rückkehr in ihre Lebensbezüge mit Familie, Freunden, Schule und Verein zu ermöglichen“, betont Professor Dr. Tobias Renner, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter am Universitätsklinikum Tübingen. „Mit TIBAS entwickeln wir etwas völlig Neues, was es in der Form heute nicht gibt.“

Im Modellprojekt erhalten die Kinder und Jugendlichen umfängliche einzel- und gruppentherapeutische sowie tagesstrukturierende Angebote am Klinikum, bewegen sich aber auch in ihrem häuslichen Umfeld. Ein persönlicher Betreuer (Case Manager) begleitet die Kinder und Jugendlichen zudem über die gesamte Behandlungsdauer, ist in alle Behandlungsschritte eingebunden und steht auch nach der Klinikentlassung zur Verfügung. „Die Behandlungsintensität passen wir gezielt auf die Patientenbedürfnisse an. So erreichen wir eine nachhaltige Stabilisierung, können aber auch bei wiederkehrenden Krisen schnell mit allen Versorgungsangeboten des Krankenhauses reagieren, um erneute stationäre Einweisungen möglichst zu vermeiden“, erläutert Renner. „Sobald es möglich ist, geben wir die Patientin oder den Patienten in die bewährte Behandlung durch die niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie sowie die speziell für Kinder und Jugendliche ausgebildeten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.“

Das Modellvorhaben hat eine Laufzeit von acht Jahren und wird wissenschaftlich evaluiert. Ziel ist es, das Angebot später auch über die Region Tübingen hinaus anzubieten.

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