Repräsentative Forsa-Umfrage zum Zuckerkonsum:

Mehrheit der Baden-Württemberger fühlt sich über die Zuckermenge in Lebensmitteln schlecht informiert

Datum: 28.06.2017 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Stuttgart

Mehr als die Hälfte der Baden-Württemberger ist der Meinung, dass die Lebensmittelindustrie nicht ausreichend über den Zuckergehalt in ihren Produkten informiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der AOK Baden-Württemberg in Auftrag gegebene repräsentative Forsa-Umfrage. 56 Prozent der Befragten kritisieren die Angaben auf Verpackungen als unzureichend. Jutta Ommer-Hohl, Fachbereichsleiterin Gesundheitsförderung bei der AOK Baden-Württemberg, fordert: „Die Lebensmittelindustrie steht in der Verantwortung, den Zuckergehalt klar erkennbar auf ihren Produkten auszuweisen, damit Verbraucher sich einfacher über ihren Zuckerkonsum informieren und gegebenenfalls auf zuckerärmere Lebensmittel zurückgreifen können.“ Dass in Lebensmitteln wie Müsli, Fruchtjoghurt, Tiefkühlpizza, Säften und Saucen versteckter Zucker lauert, ist den meisten bewusst, denn immerhin 83 Prozent der Baden-Württemberger schauen zumindest gelegentlich vor dem Kauf nach, wie viel Zucker diese Produkte enthalten. Eine erhöhte Zuckeraufnahme kann ebenso wie ein hoher Fettkonsum zu Übergewicht führen, das ein Risikofaktor für ernst zu nehmende Erkrankungen wie Diabetes, Herzinfarkt oder Schlaganfall ist.

 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt in ihrer 2015 aktualisierten Richtlinie zum Zuckerverzehr, die Zufuhr an freiem Zucker auf  10 Prozent der Gesamtenergiezufuhr zu beschränken, was bei einem Erwachsenen maximal 50 Gramm oder 12 Teelöffeln entspricht – ideal seien sogar nur 25 Gramm pro Tag. Unter freiem Zucker werden Monosaccharide wie Glucose und Fructose und Disaccharide wie etwa Haushaltszucker verstanden, die Lebensmitteln vom Hersteller, Koch oder Konsumenten zugesetzt werden. Auch der natürliche in Honig, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten enthaltene Zucker zählt dazu. Der tägliche Zuckerverbrauch in Deutschland beträgt durchschnittlich 90 Gramm pro Person und liegt damit fast doppelt so hoch wie die Empfehlung der WHO.

 

Eine aktuelle Forsa-Umfrage der AOK Baden-Württemberg zeigt, dass die Verbraucher gesüßte Lebensmittel und „Zuckerbomben“ in hohem Maße zu sich nehmen. 89 Prozent der Befragten isst mindestens einmal wöchentlich Süßigkeiten, Süßspeisen oder süßes Gebäck; fast die Hälfte (46 Prozent) sogar vier- bis sechsmal pro Woche oder täglich. Auch wenn Mineral- und Leitungswasser sowie Kaffee die am häufigsten getrunkenen alkoholfreien Getränke sind, gaben 60 Prozent der Umfrageteilnehmer an, zumindest gelegentlich auf Saftschorle zurückzugreifen. Bei Säften mit 50 Prozent, Cola-Getränken mit 44 Prozent und Limonaden mit 30 Prozent ist die Konsumhäufigkeit niedriger – der Zuckergehalt der Getränke dafür umso höher.

 

Süßer Belag dominiert insbesondere am Wochenende am Frühstückstisch, wenn 72 Prozent – im Vergleich zu 49 Prozent unter der Woche – Brot und Brötchen mit Marmelade, Honig oder Nussnougat-creme bestreichen. Auch von den 38 Prozent, die wochentags Cerealien wie Müsli und Haferflocken frühstücken und denen häufig ein besonders hohes Ernährungsbewusstsein attestiert wird, essen 53 Prozent lieber eine bereits beim Kauf zuckerhaltige Variante oder süßen selbst nach. Allgemein bevorzugen Männer eher gesüßte Lebensmittel als Frauen. Mit 20 beziehungsweise 18 Prozent werden Kaffee und Tee übrigens nur selten mit Zucker gesüßt.

 

Zucker ist per se nicht schädlich. Er bildet einen zentralen Baustein für die Energiezufuhr, die jeder Mensch benötigt. „Es kommt auf die Menge an, die jeder von uns isst oder trinkt“, sagt Jutta Ommer-Hohl. Die Lebensmittelindustrie stehe in der Verantwortung, den Zuckergehalt klar erkennbar auf ihren Produkten auszuweisen, damit Verbrau-cher sich einfacher über ihren Zuckerkonsum informieren und gege-benenfalls auf zuckerärmere Lebensmittel zurückgreifen könnten. In einer Portion Krautsalat mit 150 Gramm würden beispielsweise 7 Würfelzucker enthalten sein. In einem 150-Gramm-Becher Fruchtjoghurt stecken je nach Verarbeitung circa 20 Gramm. Auch Apfel- und Orangensaft können pro Liter bis zu 30 Stück Würfelzucker aufwei-sen.

 

Wie sich der Zuckerkonsum in Deutschland reduzieren lässt, diskutieren Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Verbraucherschutz sowie Ärzte und Lebensmittelindustrie am 28. Juni 2017 in Berlin auf dem ersten Deutschen Zuckerreduktionsgipfel veranstaltet vom AOK-Bundesverband.

 

Quelle: Die repräsentative Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der AOK Baden-Württemberg durchgeführt. Befragt wurden zwischen dem 28. April und dem 15. Mai 2017 insgesamt 501 nach einem systematischen Zu-fallsverfahren ausgewählte Personen ab 18 Jahren in Baden-Württemberg.

 

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