Studie: Baden-Württemberger gehen wegen Corona seltener zur Krebs-Früherkennung

AOK Baden-Württemberg startet Aufklärungs- und Motivationskampagne, um für das Thema Krebs zu sensibilisieren

Datum: 31.05.2021 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Stuttgart

Krebs ist eine Krankheit, die annähernd jeden Menschen betrifft – sei es als Patient oder als Angehöriger. Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge erkrankt in Deutschland fast jeder Zweite im Laufe seines Lebens an Krebs: Pro Jahr werden in Deutschland rund 490.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. Die Corona-Pandemie hat allerdings dazu geführt, dass im Bewusstsein der Menschen die Erkrankung in jüngster Zeit in den Hintergrund gerückt ist, wie eine aktuelle repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der AOK Baden-Württemberg zeigt. So hätten insgesamt 20 Prozent der Befragten seit Beginn der Pandemie eine oder mehrere geplante Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung nicht wahrnehmen können oder wollen. 

 

Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, hat die Krankenkasse nun unter dem Motto „Fühl mal“ eine Aufklärungs- und Motivations-Kampagne gestartet, um die Menschen in Baden-Württemberg dafür zu sensibilisieren, sich mit dem wichtigen Thema Krebsfrüherkennung auseinanderzusetzen. „Mit einem gesunden Lebensstil lässt sich das Risiko einer Erkrankung bei einigen Krebsarten senken. Mit regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen und dem eigenen Abtasten von Brust, Hoden oder Haut steigen die Chancen, Veränderungen, die auf Krebs hinweisen, frühzeitig zu entdecken, sie medizinisch abklären und im Krankheitsfall behandeln zu lassen“, sagt AOK-Ärztin Dr. Leslie Trautrims-Michelitsch.

 

Das Gesundheitsverhalten der Baden-Württemberger und damit auch die Minimierung der Krebs-Risikofaktoren, ist laut Umfrage zwar allgemein hoch. So verzichtet beispielsweise die große Mehrheit (81 Prozent) auf Tabakkonsum, jeweils rund drei Viertel der Befragten geben an, sich gesund zu ernähren. Zwei Drittel trinken wenig oder gar keinen Alkohol (67 Prozent), 55 Prozent treiben regelmäßig Sport. Eine große Mehrheit hat mindestens einmal eine für ihr Alter und Geschlecht empfohlene Früherkennungsuntersuchung wahrgenommen. Frauen gehen dabei regelmäßiger zu den Untersuchungen. Männer hingegen scheinen laut Umfrage eher „Vorsorge-Muffel“ zu sein. Bei ihnen liegt die letzte Untersuchung deutlich häufiger als bei Frauen mindestens zwei Jahre zurück. Allerdings setzt bei Männern die Krebsfrüherkennung deutlich später ein. Frauen haben zum Beispiel bereits ab einem Alter von 20 Jahren Anspruch auf eine jährliche Früherkennungsuntersuchung beim Gynäkologen. Gründe, nicht oder unregelmäßig zu einer Untersuchung zu gehen, sind bei nahezu der Hälfte, keine Beschwerden zu haben. Bei Frauen ist auch die Angst vor einem Arztbesuch ein wichtiges Kriterium. 

 

„Die grundsätzliche Offenheit der Befragten für das Thema sehen wir als sehr positiv – aber gleichzeitig bereitet uns insbesondere die Corona-Thematik Sorge“, so Dr. Trautrims-Michelitsch. Vor allem die Angst vor einer Ansteckung in der Arztpraxis habe acht Prozent der Befragten davon abgehalten, eine geplante Früherkennungsuntersuchung wahrzunehmen. sechs Prozent gaben an, wegen der Pandemie viele andere Sorgen gehabt zu haben und fünf Prozent haben coronabedingt keinen Termin bekommen oder er wurde abgesagt. Diesem Bild entsprechen auch starke Fallzahlrückgänge bei den Krebsoperationen, beispielsweise seien Darmkrebs-OPs in der zweiten Pandemiewelle laut WIdO-Analyse (Wissenschaftliches Institut der AOK) um 20 Prozent zurückgegangen. Das Institut geht hier von einem ursächlichen Zusammenhang zu einer deutlich reduzierten ambulanten Diagnostik aus. 

 

Weitere für die AOK bedenkliche Aspekte: Lediglich zwölf Prozent der Befragten schätzen das Risiko, an Krebs zu erkranken, richtig ein – mit einer Größenordnung von 40 bis 50 Prozent. 68 Prozent haben wenig oder gar keine Sorge vor einer möglichen Erkrankung. 

 

Das Ziel der AOK Baden-Württemberg: „Das Bewusstsein für die Angebote der Krebsfrüherkennung zu wecken und dazu ermutigen, sich zu Möglichkeiten, Chancen und Risiken dieser Maßnahmen beraten zu lassen“, betont Dr. Trautrims-Michelitsch. „Bei einigen häufigen Krebsarten wie zum Beispiel Brustkrebs hängt das Überleben auch vom Zeitpunkt der Entdeckung der Erkrankung ab. Je früher in diesen Fällen der Krebs erkannt und eine qualifizierte Behandlung eingeleitet wird, desto aussichtsreicher ist die Behandlung.“ 

 

Die AOK Baden-Württemberg übernimmt die Kosten für die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) empfohlenen Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung, oft auch als „Krebsvorsorge“ bezeichnet und bietet ihren Versicherten auch besondere Leistungen darüber hinaus an, wie zum Beispiel ein Hautkrebs-Screening bereits ab 20 statt ab 35 Jahren per gesetzlicher Regelung. 

 

Die Website www.aok.de/bw/fühlmal bietet ein umfassendes Informations- und Unterstützungsangebot, unter anderem mit Abtastanleitungen, einer Übersicht der Krebsfrüherkennungsleistungen oder der Möglichkeit zur Teilnahme an einem kostenfreien Online-Expertenvortrag zum Thema „Rauchfrei werden“.

 

Für die AOK-Studie hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Zeitraum vom 5. bis 15. Mai 2021 etwa 1.000 Personen im Alter von 16 bis 70 Jahren in Baden-Württemberg online befragt.

 

Kontakt zur Pressestelle

AOK Baden-Württemberg Pressestelle

Kontaktdaten der AOK Baden-Württemberg Pressestelle

E-Mail: presse@bw.aok.de
Telefon: 0711 2593-229
Telefax: 0711 2593-100

Presselstraße 19
70191 Stuttgart