Wissenschaftliche Studie: Fettsteuer gegen Übergewicht?

Internationales Forscherteam legt Ergebnisse vor

Datum: 11.09.2020 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Stuttgart/Bremen/Edinburgh/Glasgow/Heidelberg/Krems/Wellington

Eine Steuer auf besonders fetthaltige Lebensmittel könnte sich positiv auf die Ernährungsweise der Menschen auswirken. Zu diesem Schluss kommt eine heute (11.09.2020) in der Cochrane Database of Systematic Reviews veröffentlichte Studie eines internationalen Forscherteams unter Beteiligung der AOK Baden-Württemberg, der Universität Bremen und des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie. Demnach habe eine Fettsteuer in Dänemark den Absatz von Sahne um fast 6 Prozent reduziert, Hackfleisch sei um 4 Prozent weniger nachgefragt gewesen. „Insgesamt konnten wir beobachten, dass die Dänen 42 Gramm weniger Fett pro Woche und Kopf zu sich genommen haben als vor der Einführung der Fettsteuer“, so Dr. Manuela Bombana, Wissenschaftlerin bei der AOK Baden-Württemberg und Mit-Autorin der Studie.

 

Angesichts einer wachsenden Zahl übergewichtiger Menschen in Deutschland sei eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten dringend notwendig. „Hierzulande bringt über die Hälfte der Erwachsenen zu viel Gewicht auf die Waage – Tendenz steigend“, so Bombana. Wenn man zugleich wisse, dass Übergewicht einer der Risikofaktoren für Volkskrankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Beschwerden sei, könne man ermessen, wie groß der Handlungsdruck sei. Weitere empirische Forschung sei jedenfalls notwendig. „Unsere aktuelle Studie kann nur erste Anhaltspunkte über die tatsächliche Wirksamkeit einer Fettsteuer geben“, so Bombana weiter. Parallel gelte es, andere bereits bestehende Möglichkeiten wie Gesundheitskurse, Bewegungsangebote oder Ernährungsberatung voll auszuschöpfen, um dem Trend zum Übergewicht entgegenzuwirken.

 

Der Leiter der Studie Dr. Stefan K. Lhachimi, Universität Bremen, betont, dass es sich bei der dänischen Fettsteuer um eine verlorene Chance handelt: „Es ist tragisch, dass die dänische Regierung bzw. andere verantwortliche Institutionen es versäumt haben, diese Maßnahme sinnvoll auf die Gesundheitswirkungen hin zu evaluieren.“ Denn eine Steuer auf gesättigte Fettsäuren wie in Dänemark könne ein guter Ansatz sein, um sogenannte Junk-Foods teurer und damit unattraktiver zu machen. „Jeder hat ein Bauchgefühl dafür, was Junk-Food ist,“ so Lhachimi weiter, „jedoch ist es schwer, hier eine lebensmittelrechtlich eindeutige Definition zu finden.“ Eine Steuer auf ungesättigte Fettsäuren würde automatische viele Produkte aus der Gruppe der Junk-Foods treffen.

 

 

 

Hinweis für die Redaktionen:

Die Studie wurde finanziert von dem UK Medical Research Council, Scottish Government Chief Scientist Office, und dem Cochrane Review Support Programme 2019. Die Studie ist kostenfrei zugänglich unter www.cochranelibrary.com.

 

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