Wissenschaftsprojekt untersucht den „kleinen Unterschied“

Forschungskooperation zur geschlechterspezifischen Versorgung

Datum: 16.12.2019 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Stuttgart

Frauen haben andere Erkrankungen, Symptome und Krankheitsverläufe als Männer. Der vermeintlich „kleine Unterschied“ hat medizinisch betrachtet oft gravierende Folgen. „Trotz dieses Wissens sind die Unterschiede zwischen Frauen und Männern mit Blick auf eine bedarfsgerechte Versorgung nicht ausreichend erforscht, geschweige denn werden sie in der Praxis konsequent berücksichtigt. Mit dem Projekt ‚Frauengesundheit und Präventionsmedizin‘ wollen wir mit unseren Partnern die geschlechterspezifische Versorgungsforschung vorantreiben“, sagt Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. Die Partner der AOK Baden-Württemberg sind das Forschungsinstitut für Frauengesundheit des Universitätsklinikums Tübingen in Kooperation mit der Universitätsfrauenklinik Heidelberg und das Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung des Universitätsklinikums Tübingen.

 

„Ziel ist es, die wissenschaftlichen Erkenntnisse im Bereich Präventionsmedizin mit Fokus Frauengesundheit in verschiedenen Lebensphasen zu verbessern und in die Patientenversorgung zu integrieren“, erläutert Prof. Diethelm Wallwiener, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Tübingen. Die Forschungskooperation ist zunächst auf fünf Jahre angelegt und wird die Themen Frauengesundheit und Präventionsmedizin im Hinblick auf verschiedene Erkrankungen und Lebensphasen wissenschaftlich betrachten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen bestehende Über-, Unter- und Fehlversorgung identifizieren. „Wir brauchen Erkenntnisse, welche medizinischen und organisatorischen Faktoren der Versorgung sich prognostisch günstig, welche sich ungünstig auf die betrachteten Erkrankungen auswirken. Ausgehend davon gilt es, sinnvolle Konzepte zu entwickeln, um Prävention, Behandlung und Rehabilitation für Frauen und Männer bedarfsgerecht zu gestalten“, führt Prof. Stefanie Joos, Ärztliche Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung des Universitätsklinikums Tübingen aus.

 

Das Krankheitsspektrum verschiebt sich seit Jahrzehnten von lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten und potenziell tödlichen Erkrankungen, wie Herzinfarkt und Schlaganfall, hin zu chronischen, degenerativen Erkrankungen sowie psychischen Störungen. Damit gewinnt eine ganzheitliche Versorgung an Bedeutung, die verstärkt auch die nicht-medikamentöse Beratung, Therapie und Prävention einbezieht. Um detaillierte Erkenntnisse zur Versorgung von Patientinnen und Patienten zu erhalten und daraus konkrete versorgungsverbessernde Maßnahmen ableiten zu können, analysieren die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anonymisierte Abrechnungsdaten von Versicherten der AOK Baden-Württemberg. „Auch wenn Routinedaten nicht mit Ergebnissen aus empirischer Forschung gleichgesetzt werden können, tragen sorgfältig aufbereitete Auswertungen wesentlich dazu bei, langfristige Verläufe und Zusammenhänge sichtbar zu machen“, erklärt Privatdozentin Dr. Stephanie Wallwiener, Leiterin des Projektteams an der Universitätsfrauenklinik Heidelberg und stellvertretende Leiterin der Sektion Geburtshilfe und Pränataldiagnostik an der Universitätsfrauenklinik Heidelberg. Ziel ist es, die Ergebnisse in die Ausbildung von Medizinstudierenden, die Fort- und Weiterbildung von Haus- und Fachärzten, aber auch in geschlechterspezifisch gestaltete Programme zu Gesundheitsförderung und Patienteninformationen einfließen zu lassen.

 

In einem ersten Projektabschnitt steht das Thema „chronische Nierenkrankheit“ im Fokus. Damit wird ein langsam fortschreitender Verlust der Nierenfunktion bezeichnet, der im Endstadium eine Nierenersatztherapie (z.B. Dialysebehandlung) erforderlich macht. Die Erkrankungsursachen sind vielfältig und reichen von Bluthochdruck über Diabetes mellitus bin hin zu spezifischen Nierenerkrankungen. Wichtig ist, die Erkrankung früh zu erkennen und ihrem Fortschreiten entgegenzuwirken. Gelingen kann dies insbesondere durch eine konsequente Therapie eines bestehenden Bluthochdrucks oder Diabetes, häufig verknüpft mit einer Veränderung des Lebensstils. Untersucht wird in diesem Zusammenhang, ob bestimmte Erkrankungen in der Schwangerschaft besonders häufig zu einer Einschränkung der Nierenfunktion in späteren Lebensjahren führen, aber auch, ob und gegebenenfalls wie sich der Bedarf von Frauen und Männern hinsichtlich Diagnostik, Beratung und Therapie unterscheidet. Die AOK Baden-Württemberg erhofft sich aus dieser Untersuchung Erkenntnisse darüber, wie Patientinnen und Patienten mit Nierenschwäche zukünftig noch besser behandelt werden können. Davon profitieren am Ende alle gleichermaßen – Frauen und Männer.

 

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