Nur ein Baustein

Personaluntergrenzen sind kein Qualitätsmerkmal

Datum: 17.05.2017

Der Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags beschäftigt sich heute (17.05.2017) in öffentlicher Anhörung mit dem Vorschlag der Regierungsfraktionen, verbindliche Personaluntergrenzen in der Krankenhauspflege einzuführen. „Wir halten es im Sinn unserer Versicherten für richtig, belastbare Qualitätsstandards für den stationären Bereich dort zu definieren, wo die Versorgung verbessert werden kann“, erklärt dazu Nadia Mussa, Fachbereichsleiterin Krankenhausversorgung bei der AOK Baden-Württemberg. „Personalvorgaben können dann sinnvoll sein, wenn wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass ein Zusammenhang zwischen qualitativ und quantitativ definiertem Personaleinsatz und der Versorgungsqualität besteht.  Denn mehr Personal bedeutet nicht automatisch mehr Qualität.“

Tatsächlich ist das bisher vorliegende Studienmaterial nicht ausreichend, um einen Zusammenhang zwischen genereller Personalausstattung und Güte der Pflege am Klinikbett zu belegen. Deshalb ist es in konkreten Einzelfällen sicherlich sinnvoll Vorgaben zu machen, wie z.B. bei der Versorgung extrem frühgeborener Kinder.

Bereits jetzt stehen andere Instrumente zur Qualitätsverbesserung zur Verfügung. So gibt es wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit von Mindestmengenvorgaben. Erfahrungen aus den Niederlanden zeigen, dass nach Anhebung der Mindestmengenvorgaben für die Speiseröhrenchirurgie auf 20 Fälle pro Jahr die Morbidität und Mortalität beim Ösophaguskarzinom um ein Viertel reduziert und beim Magenkarzinom seit 2011 praktisch halbiert wurde.


Zur vertiefenden Recherche:

Prof. Dr. phil. Gabriele Meyer: Auswirkungen der Pflegekapazität auf die Versorgungs- und Ergebnisqualität

Prof. Dr. Jonas Schreyögg, Ricarda Milstein: Expertise zur Ermittlung des Zusammenhangs zwischen Pflegeverhältniszahlen und pflegesensitiven Ergebnisparametern in Deutschland

Jürgen Klauber / Max Geraedts / Jörg Friedrich / Jürgen Wasem (Hrsg.): Krankenhaus-Report 2017