Parallelimporte

Arzneimittel: Importquote überflüssig

Datum: 26.07.2017

Der Arzneimittelmarkt in Deutschland ist immer noch vollkommen intransparent. Eine Blackbox ist der Handel mit Parallelimporten. Dabei kaufen Händler in EU-Ländern mit niedrigerem Preisniveau Medikamente zu günstigen Preisen auf und verkaufen sie mit Gewinn in Deutschland. Gefördert wird dieses Geschäftsmodell vom Staat. Die Importquote verpflichtet Apotheken, im Bereich rezeptpflichtiger Medikamente zu mindestens fünf Prozent Parallelimporte an ihre Kunden abzugeben. Die Hoffnung der Politik: Dämpfung der Arzneimittelkosten. Dass es wesentlich effizientere Instrumente zur Ausgabensteuerung gibt, belegen die nackten Zahlen. Für das Gesamtjahr 2016 hat die AOK Baden-Württemberg durch Reimporte rund 7 Millionen Euro weniger für Arzneimittel ausgeben müssen. Zum Vergleich: Im selben Jahr vermied die größte Kasse im Südwesten durch Arzneimittelrabattverträge unnötige Ausgaben in Höhe von 213 Millionen Euro.

„Die Importquote ist ein bürokratisches Monster“, urteilt auch Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. Stattdessen sollte das seit zehn Jahren erfolgreiche Mittel der Rabattverträge ausgeweitet werden. Auch für neue, hochpreisige Arzneimittel sollten regionale Verträge mit selektiver Verhandlungskompetenz ermöglicht werden, die zudem die Hersteller stärker in die Pflicht nehmen. Um Mondpreise für neue Arzneimittel auszuschließen, sollte ein rückwirkender Erstattungspreis vom ersten Tag, abhängig vom Zusatznutzen des Medikaments, eingeführt werden. Bisher können die Hersteller im ersten Jahr die Preise für Arzneimittel diktieren. „Vom Zusatznutzen ihres Arzneimittels überzeugte Unternehmen werden einen Behandlungserfolg garantieren, auch wenn bei ausbleibendem Erfolg die Differenz zur Standardtherapie zu erstatten wäre“, so Hermann.