Pflichtversicherung

Wechsel in die Pflichtversicherung der Rentner

Künftig Anrechnung der Kinderziehungszeit auf Versicherungszeit der Eltern möglich

Unter bestimmten Umständen können Ruheständler, die bisher freiwillig krankenversichert waren, ab sofort in die Pflichtversicherung der Rentner (KVdR) wechseln. Möglich ist dies durch eine Gesetzesänderung zum 1. August 2017, wonach Erziehungszeiten von drei Jahren pro Kind  - auch Adoptiv-,  Stief-  und Pflegekinder - zusätzlich für die Erfüllung der sogenannten Vorversicherungszeit, welche für die KVdR maßgeblich ist, angerechnet werden. Für die Pflichtmitgliedschaft muss man in der zweiten Hälfte des Arbeitslebens zu mindestens 90 Prozent (9/10-Regelung) gesetzlich krankenversichert gewesen sein.


Diese Neuregelung gilt auch für Personen, die bereits in Rente sind oder den Rentenantrag vor dem 1. August 2017 gestellt haben, aber bisher die erforderliche Vorversicherungszeit nicht erfüllt haben. Sie könnten seit dem 1. August 2017 Zugang zur KVdR erhalten.  Eine Prüfung der Vorversicherungszeit findet grundsätzlich nur auf Veranlassung der betroffenen Person statt. Personen, die derzeit bereits gesetzlich krankenversichert sind (insbesondere freiwillige Mitglieder) können sich an die Krankenkasse wenden, bei der sie am 01.08.2017 versichert sind. Personen, die zur Zeit privat krankenversichert sind, können sich an jede wählbare Krankenkasse wenden.


Von der Neuregelung profitieren zum Beispiel Frauen, deren Berufsleben durch Erziehungszeiten unterbrochen wurde oder die mit Beamten verheiratet und über ihre Männer in den Erziehungszeiten zeitweise privat versichert waren. Sofern ihnen Beitragsjahre bei der Berechnung der 9/10-Regelung und damit der Einstufung als Pflichtmitglied in der KVdR fehlen, sind gegebenenfalls höhere Beiträge in der freiwilligen Krankenversicherung für Rentner zu zahlen, wenn neben der Rente weitere Einnahmen erzielt werden.


Die Anrechnungszeiten von drei Jahren pro Kind werden jedem Elternteil zugeordnet. Ob die reale Kinderbetreuungszeit in die erste oder zweite Hälfte des Erwerbslebens fällt, ist für die Regelung nicht maßgeblich.


Mitglieder der AOK Baden-Württemberg können sich hierzu in Ihrem AOK-KundenCenter informieren.

Weitere Informationen:
https://bw.aok.de/inhalt/aenderung-pflicht-krankenversicherung-der-rentner/