10 Jahre Hausärztliche Versorung im Südwesten

Ärzte und AOK ziehen Bilanz

Datum: 16.11.2018 / Kategorie: AOK-Hausarztprogramm

Südlicher Oberrhein

Vor 10 Jahren wurde vom Hausärzteverband, MEDI und der AOK Baden-Württemberg der bundesweit erste Vertrag zur hausarztzentrierten Versorgung (HZV) unterzeichnet. Damit wurde der Hausarzt als Lotse im Gesundheitssystem etabliert. Gemeinsam mit renommierten Wissenschaftlern zog die AOK nun Bilanz.

 

Landesweit nehmen 1,6 Millionen AOK-Versicherte am Hausärztevertrag teil. Auf Medizinerseite sind rund 5.000 Hausärzte inklusive Kinder- und Jugendärzte im Rahmen des Vertrages aktiv. Hinzu kommen knapp 2.500 Fachärzte, die rund 640.000 AOK-Kunden im Facharztprogramm betreuen.

 

In der Region am südlichen Oberrhein, dazu gehören neben dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald auch Freiburg, der Landkreis Emmendingen und der Ortenaukreis, beteiligen sich fast 390 Hausärzte, die fast 105.000 AOK-Patienten versorgen. Hinzu kommen 190 Fachärzte der Bereiche Kardiologie, Gastroenterologie, Psychiatrie/Neurologie/ Psychotherapie (PNP), Orthopädie, Rheumatologie, Urologie und Diabetologie, denen knapp 31.000 AOK-Versicherte vertrauen.

 

„Die HZV stärkt meine Rolle als Allgemeinmediziner“, betont Dr. Berthold Dietsche, Hausarzt in Freiburg und Vorsitzender des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg. Als Lotse koordiniere er die Behandlung und steht im engen Austausch mit fachärztlichen Kolleginnen und Kollegen. Dadurch werden Fehlmedikationen sowie unnötige und belastende Doppeluntersuchungen vermieden. Außerdem seien die im HZV-Vertrag vorgesehenen engmaschigen Betreuungsmodule für die Gesundheit chronisch erkrankter Personen bedeutsam.

 

Nachweislich besser versorgt

 

Die aktuelle Evaluation der vergangenen 10 Jahre der Universitäten Frankfurt/Main und Heidelberg machen deutlich, welche Verbesserungen zu Buche schlagen. HZV-Patienten mit koronaren Herzerkrankungen weisen pro Jahr 1.900 weniger Krankenhausaufenthalte und ca. 17.000 Krankenhaustage weniger aufgrund kürzerer Liegezeiten auf. Bei Diabetikern sind deutlich weniger schwerwiegende Komplikationen zu beobachten. Über einen Beobachtungszeitraum von sechs Jahren (2011 bis 2016) wurden ca. 4.000 schwerwiegende Komplikationen wie Amputation, Dialyse, Erblindung, Herzinfarkt oder Schlaganfall in der HZV-Gruppe vermieden. Die Evaluation hat auch gezeigt, dass durch die HZV knapp 1.700 Todesfälle verhindert wurden.

 

Auch die Ärzte profitieren. „Die leistungsgerechte Honorierung in festen Eurobeträgen ohne Budgetierung sichert die wirtschaftliche Zukunft unserer Praxen und bietet Planungssicherheit für Investitionen und laufende Kosten“, sagt Dietsche. Und mit der Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis - der VERAH- steht die HZV für moderne, teamorientierte Praxisstrukturen. Über 160 solcher speziell qualifizierten Versorgungsassistentinnen sind am südlichen Oberrhein im Einsatz. Sie entlasten die Mediziner, führen Hausbesuche durch und übernehmen Tätigkeiten, für die nicht zwingend der Arzt kommen muss. Und noch ein anderer Punkt ist dem Mediziner wichtig: „HZV-Praxen sind für die Übernahme durch den ärztlichen Nachwuchs erheblich attraktiver“, erklärt der Freiburger Mediziner. Damit seien sie auch ein Mittel gegen den Ärztemangel im ländlichen Raum.

 

Obwohl der Hausarztvertrag für die AOK Baden-Württemberg mit hohen Ausgaben verbunden ist, lohnt er sich in der Endabrechnung. 2017 investierte die AOK Baden-Württemberg 618 Millionen Euro in die Hausarzt- und Facharztverträge. Im gleichen Zeitraum hätte die AOK in der Regelversorgung rund 50 Millionen Euro mehr ausgegeben. „Die Investitionen sind sehr gut angelegtes Geld, weil sie vor allem der

 

Gesundheit unserer Versicherten zu Gute kommen“, ist Wolfgang Schweizer überzeugt.

 

Mit Nephrologie, Pulmologie und HNO peilt die AOK 2019 weitere Facharztverträge an.

 

„Außerdem arbeiten wir intensiv an den IT-Anwendungen elektronischer Arztbrief, digitaler Medikationsplan und an der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. „Dadurch werden wir künftig Krankengeld noch schneller überweisen können“, ist Schweizer überzeugt.

 

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