40 Prozent mehr alkoholbedingte Klinik-Aufenthalte in Biberach

Heimat-, Schützen- und sommerliche Vereins-Feste: Die schönste Zeit des Jahres verleitet zu vermehrtem Alkoholgenuss. Der Trend, deutlich „einen über den Durst“ zu trinken, setzt sich in Biberach in gravierendem Ausmaß fort. In ihrer Auswertung von Stadt und Landkreis verzeichnet die AOK Ulm-Biberach für 2014 knapp 39 Prozent mehr Personen, die alkoholbedingt ein Krankenhaus aufsuchten, gegenüber dem Schnitt der vorherigen sieben Jahre. Diese Steigerung betrifft Männer und Frauen fast gleich. Eine erfreuliche Nachricht gibt es auch: Die Zahl männlicher Jugendlicher hat gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte abgenommen. Mädchen hingegen erreichen einen Rekordwert.

Datum: 12.06.2015 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Biberach

Landesweit sinken die Zahlen der Exzessiv-Trinker seit vier Jahren, in Biberach hingegen setzt sich der Negativtrend bei Alkohol-Missbrauch noch einmal deutlich fort: Im vergangenen Jahr kamen insgesamt 250 Personen, die in Stadt und Landkreis wohnen und bei der AOK versichert sind, volltrunken ins Krankenhaus. 2013 waren es mit 197 Personen ein gutes Viertel weniger, aber auch diese Zahl war bereits gegenüber dem Sieben-Jahres-Schnitt seit 2007 mit 180 Einlieferungen eine massive Steigerung.*

Damit erreicht das Jahr 2014 für Biberach ein neues Allzeit-Hoch an Personen, die sich regelrecht ins Koma getrunken haben. Als Vergleich: Der Alb-Donau-Kreis, der ungefähr gleich viele Einwohner hat wie der Landkreis Biberach, verzeichnete 2014 nur 97 alkoholbedingte Klinik-Aufenthalte – trotzdem ein Plus von 31 Prozent gegenüber dem Sieben-Jahres-Schnitt. Biberach hat die landesweit mit Abstand höchste Steigerungsrate.

„Alkohol ist gesellschaftlich sehr akzeptiert und gehört gerade bei Festen fast zwingend und in größeren Mengen dazu. Die Gefahr und das Suchtpotenzial, die vom Alkohol ausgehen, werden wider besseres Wissen unterschätzt,“ sagt Dr. Sabine Schwenk, Geschäftsführerin der AOK Ulm-Biberach. „Daher möchten wir als Gesundheitskasse daran appellieren, das eigene Trinkverhalten zu überprüfen und besonders auf öffentlichen Veranstaltungen zu bedenken, dass Jugendliche sich beim Trinken an Erwachsenen ein Vorbild nehmen“, ergänzt sie. „Menschen, die Alkohol nicht mehr genießen, sondern brauchen, müssen sich rechtzeitig ärztliche Hilfe suchen!“ so Schwenk.

Die starke Zunahme ist über die Geschlechter hinweg fast gleichmäßig verteilt: 185 der eingelieferten 250 Personen waren Männer, 40 Prozent mehr als im Vergleichs-Zeitraum. 65 waren Frauen, ein gutes Drittel (34 Prozent) mehr als 2007 bis 2013. Baden-Württemberg-weit sanken im gleichen Zeitraum die alkoholbedingten Krankenhaus-Aufenthalte um 6,4 Prozent. Die zeitliche Spitze des Alkohol-Missbrauchs bildet übrigens die Silvester-Nacht, gefolgt von den diversen Festen und Feiertagen.

Die erfreuliche Tatsache: Die 15- bis 19-Jährigen hielten sich im vergangenen Jahr eher zurück. Kamen 2013 noch 38 Trinker im Teenager-Alter ins Krankenhaus, waren es 2014 32. Vorbildlich waren männliche Jugendliche: 2014 wurden 16, also fast 50 Prozent weniger Jungs eingeliefert als 2013 mit 23 Personen. Mädchen hingegen erreichen mit 16 Personen die höchste Zahl der alkoholbedingten Klinik-Aufenthalte jemals. Allerdings ist die Wachstumskurve abgeflacht (2013 15 Mädchen, Schnitt der sieben Vorjahre: 12 Mädchen). „Seit Jahren unterstützt die AOK Ulm-Biberach die kommunale Suchtbeauftragte in Biberach, eine Investition, die sich bezahlt macht,“ sagt Schwenk. „Diese Arbeit ist besonders wichtig, denn während des Wachstums schadet Alkohol dem Gehirn viel mehr als im Erwachsenenalter. Was viele Jugendliche nicht wissen: Alkoholmissbrauch schränkt Fitness und Muskelaufbau stark ein“, erläutert Schwenk.

Dabei geben die Zahlen nur einen Trend wieder – tatsächlich liegen sie deutlich höher. Jeder Zweite in Biberach ist bei der AOK versichert, das heißt, die tatsächlichen Zahlen sind etwa doppelt so hoch. Und Schätzungen zufolge begibt sich nur jede zwanzigste Person, die sich krankenhausreif trinkt, auch in medizinische Behandlung.

* Zur Erhebung der Zahlen

Alle aufgeführten Zahlen basieren auf Erhebungen unter allen AOK-Versicherten in Biberach; sie umfassen etwa 50 Prozent der gesetzlich Versicherten und sind damit repräsentativ. Erhebungszeitraum ist das Kalenderjahr 2014, die Vergleichszahlen sind ein Durchschnitt der Jahre 2007 bis 2013. Eingeschlossen wurden alle Krankenhausfälle mit der Hauptdiagnose „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol.“

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