Ab 2017 wird Pflegebedürftigkeit mit 5 Pflegegraden gemessen

Seit 1999 ist die Zahl der Pflegebedürftigen im Stadt und Landkreis Heilbronn von 7.533 auf 12.822 Personen im Jahr 2013 gestiegen. Dies entspricht einer Zunahme von rund 70 Prozent. Ähnlich verhält sich die Situation im Hohenlohekreis. Hier kletterte die Zahl von 2.040 auf 3.223 Personen und wuchs damit um 58 Prozent. Bis 2030 ist nach Schätzungen des Statistischen Landesamtes mit einer Zunahme um durchschnittlich 30 Prozent zu rechnen. Das Pflegestärkungsgesetz II reagiert auf diesen Wandel mit einem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff. „Wir begrüßen die damit verbundenen Änderungen, für die wir uns im Gesetzgebungsprozess eingesetzt haben. Denn dadurch erhalten mehr pflegebedürftige Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung“, erklärt Jürgen Heckmann, stellvertretender Geschäftsführer der AOK Heilbronn-Franken.

Datum: 18.10.2016 / Kategorie: Pflege und Rehabilitation

Heilbronn

In einer Gesellschaft des langen Lebens gibt es künftig immer mehr ältere Menschen. Mit zunehmendem Alter treten aber auch mehr Krankheiten auf, dazu zählt insbesondere die Demenz. Diese aber wurde mit den bisher geltenden Begutachtungsregelungen nicht hinreichend berücksichtigt. Er erfasste nur die Hilfsbedürftigkeit einer Person im Rahmen von drei Pflegestufen und war vorrangig auf körperliche Beschwerden ausgerichtet. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff ändert dies. Er stellt auf gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten ab, die künftig differenziert in fünf Pflegegraden eingestuft werden.

Das neue Begutachtungsverfahren nimmt sechs Module mit unterschiedlichen Punktwerten in den Blick. Dazu zählt die körperliche Beweglichkeit. Hinzu kommen die kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten, wie also sich der Betroffene in seiner Umwelt orientieren und beteiligen und sinnvolle Entscheidungen treffen kann. Ein weiterer Bereich sind die Verhaltensweisen und psychischen Problemlagen. Beim Kriterium der Selbstversorgung geht es dann um die täglichen Vorgänge der Köperpflege, Nahrungsaufnahme und des Toilettengangs. Ferner wird geprüft, wie selbständig medizinisch erforderliche Maßnahmen persönlich umgesetzt werden können. Dazu zählen Injektionen und Verbandswechsel genauso wie Diätvorschriften oder ein Arztbesuch. Und schließlich wird erfasst, wie ausgeprägt die Gestaltung des Alltagslebens und die Fähigkeit zur sozialen Kontaktpflege innerhalb und außerhalb des Hauses gegeben ist.

„Hier erfolgt ein kompletter Perspektivenwechsel“, so Jürgen Heckmann, „der den Menschen besser gerecht wird.“ Deutlich wird das am Beispiel der Körperpflege. Die bisherige Regelung nach dem alten Pflegebedürftigkeitsbegriff berücksichtigte nur, ob ein Betroffener körperlich in der Lage war, sich selbst zu waschen. Wenn er aus kognitiven Gründen dies aber nicht umsetzen konnte, konnte dies im System der Minutenzählerei nicht hinreichend erfasst werden. Ab dem 1. Januar 2017 ist dies anders. Hier wird diese Einschränkung der Fähigkeiten im Modul „Kognitive und kommunikative Fähigkeiten“ und im Modul „Selbstversorgung“ insgesamt zwei Mal bewertet und damit höher gewichtet als zuvor.

Eine wichtige Nachricht für die Menschen, die bereits Leistungen der Pflegeversicherung beziehen, ist aus Sicht von Jürgen Heckmann: „Die Umstellung von drei Pflegestufen auf fünf Pflegegrade erfolgt automatisch, eine Neubegutachtung ist nicht erforderlich. Die Pflegbedürftigen oder ihre Angehörigen müssen daher nicht tätig werden.“ Wichtigster Grundsatz dabei sei, dass kein Pflegebedürftiger durch die Neuregelungen schlechter gestellt wird oder einen geringeren finanziellen Leistungsanspruch haben wird. Wer nach dem 1. Januar 2017 einen Antrag auf die Pflegversicherung stellt, durchläuft dann das neue Begutachtungsverfahren, das durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen durchgeführt wird.

Ihre rund 20.000 Pflegebedürftigen hat die größte Pflegekasse in Heilbronn-Franken bereits in einem ersten Anschreiben über den bevorstehenden Wandel unterrichtet. Außerdem wird die AOK bis zum Jahresende mit zahlreichen Vorträgen an verschiedenen Orten in der Region über die neue Pflege informieren.„Und schließlich stehen bereits jetzt unsere 17 KundenCenter für Fragen zur Verfügung. Unsere Kolleginnen und Kollegen wurden durch Schulungen vorbereitet“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer. Für die Versicherten sei es ein großer Vorteil, dass die AOK flächendeckend in der Region vertreten sei und die Menschen keine weiten Wege hätten, wenn sie persönlich beraten werden wollten.

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