Alkohol-Missbrauch in Biberach sinkt 2015 leicht, bleibt aber auf sehr hohem Niveau

Zu den großen Stadtfesten und kleinen Sommer-Feschdle in der Region veröffentlicht die AOK Ulm-Biberach traditionell ihre neueste Alkoholmissbrauchs-Statistik. Grund: Die Sommerpartys gehören zu den Hauptanlässen des Jahres, an denen die Menschen massiv zu viel Alkohol konsumieren. Landesweit gehen die Zahlen der wegen Alkoholmissbrauch stationär Behandelten seit längerem spürbar zurück. Auch in Biberach sind sie 2015 gesunken. Das liegt aber lediglich am massiven Negativ-Ausreißer des Vorjahrs. Mit 223 Einlieferungen wurden 2015 ein Viertel mehr Biberacher alkoholisiert in eine Klink eingewiesen als im Schnitt der letzten Jahre.

Datum: 15.07.2016 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Biberach

Im vergangenen Jahr zählte die AOK 223 Biberacher, die wegen massivem Alkoholkonsum im Krankenhaus behandelt wurden. Im Vorjahr waren es 250, so viele wie nie zuvor. Seit 2007 wurden durchschnittlich 180 Biberacher volltrunken in die Klinik eingeliefert. Das Niveau ist trotz des leichten Minus‘ gegenüber dem Vorjahr also beträchtlich – ganz entgegen dem landesweiten Trend: Die AOK Baden-Württemberg verzeichnet landesweit den niedrigsten Stand seit zehn Jahren und einen permanenten Rückgang.

Das Verhältnis von Frauen und Männern liegt in Biberach bei etwa drei zu sieben: Die Zahl der volltrunkenen Frauen ging von 65 auf 57 zurück, die der Männer von 185 auf 166 – jeweils ein Rückgang von rund zehn Prozent.

Unter dem Begriff „Komatrinker“ erlangten stark alkoholisierte Jugendliche eine traurige Berühmtheit. 2015 wurden 36 15- bis 19-Jährige Biberacher im Krankenhaus eingeliefert. Das entspricht etwa den Zahlen der letzten Jahre, die sich zwischen 32 und 38 Personen bewegen. In Biberach fällt auf, dass im vergangenen wie im Jahr davor genau die Hälfte der „Komatrinker“ weiblich sind. Das ist äußerst untypisch. „Üblich ist, dass zwei Drittel der in die Klinik eingelieferten Jugendlichen Jungen sind“, kommentiert Dr. Sabine Schwenk, Geschäftsführerin der AOK Ulm-Biberach, die Entwicklung. „Angesichts dieser Zahlen muss man besonders bei den Mädchen, aber natürlich bei den Jugendlichen insgesamt rechtzeitig entgegenwirken, um ein früh eingeprägtes Suchtverhalten zu verhindern“, erläutert Schwenk. „Die Gesundheitskasse arbeitet seit langer Zeit mit den Suchtbeauftragten des Landkreises Biberach zusammen, die sich besonders für Projekte gegen Alkoholmissbrauch engagieren. Diese hervorragende Zusammenarbeit ist für die AOK eine sehr gute Investition“, betont Dr. Schwenk.

Die zeitliche Spitze des Alkohol-Missbrauchs bildet übrigens die Silvester-Nacht, gefolgt von den Faschingstagen und Sommerfesten. Das sind genau die Anlässe, zu denen auch Erwachsene zu tief ins Glas schauen. Damit liefern sie Kindern und Jugendlichen ein schlechtes Vorbild. Starker Alkoholkonsum ist in jungen Jahren besonders schädlich, da der Körper den Alkohol nur sehr langsam abbauen kann. Das kann zu schweren Schädigungen und Vergiftungen führen.

„Es sind aber nicht nur die Jugendlichen, die stark alkoholisiert die Klinik aufsuchen“, warnt Dr. Sabine Schwenk. „Der größte Teil der Alkohol-Missbräuche betrifft die Altersgruppe 40 bis 59. Hierbei handelt es sich nicht um einmalige Ereignisse, sondern um sehr ungesunde Gewohnheiten“, so Dr. Schwenk weiter. „Alkoholmissbrauch bedeutet einen herben Verlust an Lebensqualität. Langfristig büßen Menschen, die zu viel trinken, viel früher ihre Selbständigkeit ein als andere“, warnt die AOK-Geschäftsführerin. Auch der ältere Körper verträgt Alkohol weniger gut, da sein Wasseranteil sinkt und der Promillegehalt bei gleichem Konsum höher ist.

Durchschnittlich liegen die Krankenhaus-Kosten pro Person übrigens bei 891 €. Ein teurer Rausch, der sich im Gesamtgebiet der AOK Baden-Württemberg auf fast 6 Millionen Euro pro Jahr summiert.

Die regionalen Zahlen der AOK Ulm-Biberach, die jeden Zweiten in der Region versichert, zeigen nur eine Tendenz; tatsächlich liegen sie deutlich höher. Schätzungen zufolge begibt sich nur jede zwanzigste Person, die sich krankenhausreif trinkt, auch in medizinische Behandlung.

Zur Erhebung der Zahlen

Alle aufgeführten Zahlen basieren auf Erhebungen unter allen AOK-Versicherten, die in Stadt und Landkreis wohnen; sie umfassen gut die Hälfte der gesetzlich Versicherten. Erhebungszeitraum ist das Kalenderjahr 2015, die Vergleichszahlen sind ein Durchschnitt der Jahre 2007 bis 2014. Eingeschlossen wurden alle Krankenhausfälle mit der Hauptdiagnose „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol.“

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