Alter schützt vor Vollrausch nicht

Dass viele Jugendliche und junge Menschen einen riskanten Umgang mit Alkohol pflegen, davon wird immer wieder berichtet. Die AOK Südlicher Oberrhein ermittelte nun, wie es um das Trinkverhalten älterer Menschen steht. Im Ortenaukreis waren im Jahr 2017 907 AOK-Versicherte, die 60 Jahre und älter waren, mit alkoholbedingten Störungen in ärztlicher Behandlung. 69 Ortenauer waren wegen eines Vollrauschs im Krankenhaus.

Datum: 28.11.2018 / Kategorie: Sonstiges

Ortenau

Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der AOK zeigt, dass Senioren deutlich häufiger zur Flasche greifen als Jüngere. Allerdings verrät die Statistik auch, dass bei alkoholbedingten Störungen in der Ortenau ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist. Zählte die AOK im Jahr 2013 noch über 1000 Versicherte, die wegen alkoholbedingter Störungen in Behandlung waren, so waren es vier Jahre später nur noch knapp über 900.

 

 

 

Laut der Studie ist Bier das mit Abstand am meisten konsumierte alkoholische Getränk. Rund 20 Prozent der Menschen ab 60 Jahre trinkt mindestens drei Mal pro Woche Bier. Bei den 30- bis 44-Jährigen sind das acht Prozent, bei den 45- bis 59-Jährigen 16 Prozent. Jeder dritte Baden-Württemberger trinkt mindestens einmal die Woche Bier, jeder vierte Wein oder Sekt. Dass Männer tendenziell mehr Bier, Frauen dagegen mehr Wein und Sekt trinken, überrascht nicht.

 

 

 

Die Zahl der im Vollrausch ins Krankenhaus eingelieferten Patienten ist im Ortenaukreis seit Jahren nahezu unverändert. Insgesamt waren Akute Alkohol-Intoxikation bei 69 Senioren die Einlieferungsdiagnose. „In Deutschland haben etwa 9,5 Millionen Menschen einen riskanten Alkoholkonsum“, erklärt Johannes Schrempp vom Sozialen Dienst der AOK in Lahr. Er und sein Team beraten u.a. Menschen in schwierigen Lebenslagen, auch in Verbindung mit Suchtproblemen. Als riskant gilt ein Alkoholkonsum von im Durschnitt mehr als einem Glas (Bier 0,25 Liter, Wein ein achtel Liter) pro Tag bei Frauen und mehr als durchschnittlich zwei Gläsern pro Tag bei Männern. Mit zunehmendem Alter nimmt die Alkoholverträglichkeit ab. Auch die Leber brauche mit steigendem Alter länger, um den Alkohol abzubauen, so die AOK.

 

 

 

Die Gründe für riskanten Alkoholkonsum können sehr unterschiedlich sein. „Bei Jugendlichen spielen beispielsweise Identitätsfindung, Gruppendruck, das Austesten von Grenzen und der Ablöseprozess vom Elternhaus eine Rolle“, erklärt der Sozialpädagoge. In diesem Alter bilde sich ein Konsummuster aus, das häufig auch im Erwachsenenalter beibehalten wird. „Gefährlich wird es, wenn man Alkohol konsumiert, um Stress oder Wut zu vergessen“. Von älteren Menschen weiß man, dass sie damit häufig auf aktuelle Schwierigkeiten reagieren, beispielsweise nach dem Wechsel vom Berufsleben in den Ruhestand oder den Verlust des Lebenspartners. Es wurde mehrfach nachgewiesen, dass exzessiver Alkoholkonsum verschiedenste Formen gesundheitlicher und sozialer Probleme verursachen kann. „Er erhöht das Risiko diverser Krebsarten, neurologische und psychische Störungen, kardiovaskuläre und Magen-Darm-Krankheiten, perinatale Erkrankungen, Unfälle, Suizide und durch Gewalt verursachte Todesfälle“, so Schrempp weiter. „Doch auch wer schon die gesundheitlich unbedenklichen Grenzen überschreitet schädigt seinen Körper und senkt die Lebenserwartung deutlich“.

 

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